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Apnoe eiskalt

by Dieter Baumann

Apnoe Eiskalt war das Motto zu einem ganz speziellen Tauchwochende von Dieter Baumann und Jaromir Foukal. Apnoetauchen – der Sport, bei dem mit einem Atemzug große Strecken und unvorstellbare Tiefen erreicht werden, wurde hiermit um eine spektakuläre Facette reicher. Unter dickem Eis sollten verschiedene Apnoetauchgänge absolviert werden. Die Winterlandschaft des Kärntner Weissensees, einer der schönsten Seen Österreichs, bildete die Kulisse für dieses Event. Vier erfolgreiche Demonstrationstauchgänge wurden durchgeführt. Konstantes Tieftauchen, wobei ein inoffizieller Weltrekord aufgestellt wurde, Streckentauchen, Non Limits mit einem Österreichrekord und Tandem – Non limits.

Der Niederösterreicher Dieter Baumann aus Brunn taucht bereits seit seinem 6. Lebensjahr. Bei den 1998 erstmals ausgetragenen österreichischen Meisterschaften sicherte er sich den Staatsmeistertitel in dieser Sportart und konnte bis jetzt 8 nationale Rekorde fixieren, die auch im internationalen Spitzenfeld ihren Platz haben. Als immer engagierter Kopf und als Mitbegründer der österreichischen Freitauchszene, zeichnete er sich auch für die Idee dieses einmaligen Eistauchevents verantwortlich. Die Verbundenheit mit dem Wasser ist nicht nur ein sportlicher Aspekt sondern eine Lebenseinstellung für diesen Ausnahmeathleten.

Der Wiener Jaromir Foukal kommt aus dem Bereich der Leichtathletik, wo er schon einige Titel, unter anderem 400m Vizemeister der Junioren, erreicht hat und mit der Materie des Spitzensports vertraut ist. Mit dem Presslufttauchen begann für ihn der Einstieg in die Unterwasserwelt, mit der Teilnahme bei den 1. und 2.Apnoe-Tauchmeisterschaften erlag er endgültig der Faszination Freitauchen. Durch die Trainingsgemeinschaft mit Dieter Baumann wurde er zum idealen Partner für dieses Eistauchevent.

Die Ursprungsidee zum Apnoetauchen unter Eis hatte Dieter Baumann schon vor über vier Jahren, die ersten konkreteren Ansätze bildeten sich Ende 1998 und mit den definitiven Vorbereitungen wurden gemeinsam mit Jaromir Foukal im Sommer 1999 begonnen. Erkundungstouren zu mehreren österreichischen Seen wurden durchgeführt. Mit duzenden Tauchgängen im Herbst 1999 wurden die jeweils örtlichen Bedingungen erkundet und geeignete Tauchplätze lokalisiert. Gastfreundschaft und ein dem Tauchen gegenüber aufgeschlossener Fremdenverkehrsverband ließ die endgültige Entscheidung auf den Kärntner Weissensee fallen.

Anfang Februar war es dann soweit. Dieter Baumann und Jaromir Foukal und der erste Teil der Sicherungscrew trafen am Weissensee ein um mit den Aufbauarbeiten und dem Training zu beginnen. Nun wurde die seit Monaten vorbereiteten und immer wieder verbesserten Planungsarbeiten in die Praxis umgesetzt. Sicherheit war die Maxime des Events. Die insgesamt 10 Eislöcher im 30 cm dicken Eis, davon 4 fürs Tieftauchen und 6 fürs Streckentauchen, wurden fachgerecht von Eismeister Norbert Jank gesägt. Das Metallgestell mit dem Ausleger zum befestigen der Tieftauchleine wurde aufgestellt und verankert, Leinen für die Sicherungstaucher angebracht, für das Streckentauchen eine Führungsleine in zwei Meter Tiefe gespannt. Die ersten Trainingseinheiten konnten beginnen. Die kalte Luft bereitete, wie erwartet, beim tiefen Einatmen Probleme und das Hochfahren mit dem Schlitten musste sehr kontrolliert erfolgen um nicht von unten an die Eisdecke zu prallen. Im Großen und Ganzen lief aber alles wie vorauskalkuliert ab.

Donnerstag abends trafen die restlichen Sicherungstaucher ein und in einem Briefing wurden die Einzelheiten für die am Freitag angesetzte Ablaufprobe durchgesprochen. Freitag morgens musste bei den Eislöchern als erstes, die sich jede Nacht bildende, drei Zentimeter dicke Eisschicht aufgeschlagen und entfernt werden. Danach richteten die Sicherungstaucher ihre Atemgeräte her.

Als erstes wurde der Ablauf für die Tieftauchgänge geprobt. Ein letzter Check und die Sicherungstaucher nahmen an den Eislöchern sitzend die Standbyposition ein. Drei Einstiegslöcher für die Sicherungscrew und ein größeres für den Apnoeisten standen zur Verfügung. Dann das Signal für die Sicherungstaucher zum abtauchen. Ein strikter Zeitrahmen war einzuhalten. Fünf Minuten um die vorher festgelegten Unterwasserpositionen auf 15m, 25m, 35m und Endtiefe zu beziehen, nach Ablauf der fünf Minuten das Signal für den Apnoeisten das er ab jetzt sechs Minuten Zeit für seinen Versuch hat. Zum erstenmal kam auch ein Unterwassersprechsystem zum Einsatz. Nach der erfolgreichen Probe für das Tieftauchen wurde noch ein Probelauf des Streckentauchens durchgeführt. Hier sicherten die Presslufttaucher seitlich entlang der in zwei Meter Tiefe gespannten Führungsleine. Auch hier ein erfolgreicher Probelauf. Beim Abendessen wurde sichtlich entspannt über die Ergebnisse des morgigen Tages gewitzelt. Samstag, 12.2.2000

Europas bester Süßwasserfotograf Herbert Frei ist eingetroffen um das Ereignis zu dokumentieren.

Der Kärntner Arzt Dr. Gerald Arnold ist in einer Doppelfunktion vor Ort. Einerseits als medizinischer Überwacher und Jurymitglied, andrerseits als erfahrener Taucher und Unterwasserfilmer.

Als erstes steht heute das Tieftauchen mit konstantem Gewicht, kurz “konstant” genannt, am Programm.

Dieter Baumann und ein Sicherungsapnoeist (ein Apnoetaucher sichert bei solchen Versuchen immer an der Wasseroberfläche) ziehen ihre Flossen an und gehen ins Wasser. Nach zwei Aufwärmtauchgängen gibt Dieter Baumann das Signal für die Sicherungstaucher zu ihren Unterwasserpositionen abzutauchen. Nach einem weiteren Aufwärmtauchgang wird ihm von der Zeitnehmung der Beginn des sechsminütigen Startfensters angesagt. Entspannt liegt er auf der Wasseroberfläche. Die Wassertemperatur .

von –2° scheint ihm nichts anzuhaben. Er hebt den Kopf aus dem Wasser um noch einen letzten tiefen Atemzug zu nehmen. Dann beginnt er den Tauchgang. Aus eigener Kraft abtauchend muss er die zuvor auf –33m angebrachte Tiefenmarke zurück zur Oberfläche bringen. Die Sekunden verrinnen und die Zuschauer warten gespannt auf das Kommende. Dann die Meldung des Sprechfunktauchers – er hat die Karte, er schwimmt jetzt hoch. Die kritische Phase des Tauchgangs beginnt, beim Erreichen der Wasseroberfläche droht durch Sauerstoffmangel Bewusstlosigkeit. Die Marke in der Hand durchbricht Dieter Baumann die Wasseroberfläche. Zwei tiefe Atemzüge, abnehmen der Maske, O.K. Zeichen zum Arzt und dann Freudenjubel – so tief ist noch niemand in dieser Disziplin getaucht. Da Tauchgänge unter Eis vom internationalen Apnoedachverband, weil zu gefährlich, solches nicht gewertet werden, bleibt es bei einem inoffiziellen Weltrekord.

Eine Stunde später bereitet sich Jaromir Foukal auf seinen Streckentauchversuch vor. 65m will er unter der Eisdecke zurücklegen. Am Rande des Eislochs setzt er sich nieder, lässt die Beine ins Wasser hängen und adaptiert seinen Körper an die tiefe Wassertemperatur. Langsam gleitet er ins Wasser. Er gibt den Sicherungstauchern das Signal, dass er in wenigen Augenblicken abtauchen wird. Sekunden später ist es soweit. Mit kräftigen Flossenschlägen beginnt er entlang der auf zwei Metern Tiefe gespannten Führungsleine seinem Ausstiegsloch entgegenzuschwimmen. Nach 50m Strecke ist über der Führungsleine ein Notausstiegsloch ins Eis geschnitten. Falls er möchte könnte er hier den Tauchgang beenden. Wenig später sieht man ihn unter diesem Loch durchschwimmen und Richtung Endloch verschwinden. Weitere 15 Sekunden später taucht er lächelnd im 65m Ausstiegsloch auf – geschafft.

Sonntag, 13.2.2000

Heute wird Dieter Baumann als Österreichpremiere einen Non-limit Versuch (mit einer Vorrichtung, Schlitten genannt abtauchen – mit einem Ballon auftauchen) machen. Dieser Versuch gilt als offiziell, aber nicht unter Eis, sondern als unter normalen Bedingungen (wie im Sommer) absolviert und wird von den AIDA Österreich Beobachtern / Jurymitgliedern Alexander Mejstrik, Michael Kraulitz und dem Arzt Dr. Gerald Arnold überwacht. Die angestrebte Tiefe von –45m ist den extremen Bedingungen unter Eis angepasst.

Hierfür wird morgens als erstes das Abtauchseil vermessen, markiert und von der Jury zum Einstiegsloch gebracht. Danach wird der Schlitten eingefädelt, an dem Metallgestell befestigt und zu Wasser gelassen.

Ein letztes Briefing und wenig später läuft die nun schon routinierte Sicherungsmaschine an. Dieter Baumann sitzt auf der Schlittenkonstruktion und sein Blick ist auf ein weit entferntes imaginäres Objekt gereichtet. Seine Atemzüge werden länger und tiefer. Nach einem letzten tiefen Atemzug löst er die Bremse des Schlittens. Erst ganz langsam, dann immer schneller begibt er sich auf seinen Weg in die Tiefe. Am Surren des Seils kann man gut hören, dass seine Fahrt noch immer anhält. Plötzlich Stille. Hat er gestoppt um Druckausgleich durchzuführen oder ist er bereits am Ende des Seils angelangt und der Endanschlag war nicht zu hören. Viele können den Blick vom Sekundenzeiger ihrer Uhr nicht lösen. Der Kameramann der durch die Wasseroberfläche filmt sagt: Ich sehe ihn kommen. In einem Luftblasenschwall aus seinem Ballon steigt er mit hoher Geschwindigkeit empor und schnellt mit erhobener Faust und Jubelschrei bis zur Hüfte aus dem Wasser. Wie tief fragen die AIDA Beobachter. Dieter Baumann zeigt mit einem Grinsen den Tiefenmesser mit der 45 auf der Anzeige.

Als Abschluss der Veranstaltung zeigen Dieter Baumann und Jaromir Foukal einen Tandem Non-limit Tauchgang. Hier besteht die Schwierigkeit darin den Atemrhythmus so zu koordinieren, dass der letzte tiefe Atemzug vor dem Abtauchen synchron erfolgt. Beide liegen entspannt im Abtauchloch. Dann setzt sich Baumann auf den Schlitten und Foukal hält sich an einer der Querstreben an. Ein letzter Blickkontakt der beiden um die Atmung aufeinander abzustimmen und sie beginnen in die Tiefe zu sinken. Der eine sitzend, der andere Kopfüber nachgezogen. Die angepeilte Tiefe von –30m erreichen sie spielend. Lachend erscheinen sie wieder an der Oberfläche.

Insgesamt ein äußerst gelungener Event bei dem in den Grenzbereich der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit vorgedrungen wurde. Dank der Selbstkontrolle der beiden Apnoetaucher wurde dieser jedoch nie nicht überschritten.

Facts:

Konstant: Dieter Baumann Samstag, 12.2.2000 um 11:14 - 33m in 1:09

Dynamisch: Jaromir Foukal Samstag, 12.2.2000 um 12:10 65m in 0:52

Non Limits: Dieter Baumann Sonntag, 13.2.2000 um 11:15 - 45m in 1:29

Tandem-non limits D.Baumann / J.Foukal Sonntag, 13.2.2000 um 13:58 - 30m in 1:15

Tauchen unter Eis:

Das Gefühl des Eingeschlossenheit und die ausschließliche Auftauchmöglichkeit in einem Eisloch üben starken psychischen Druck auf den Taucher aus. Das kalte Wasser fordert den Körper noch zusätzlich alles