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Benjamin Franz 76 Meter

Michaerl Goldschmidt 9.99

Nicht alle Tage ist man geladen einen Apnoe-Weltrekordversuch zu beobachten und darüber zu berichten. Während andere eher zurückgezogen einen Versuch wagen, hat Benjamin Franz aus Cham mittlerweile eine gewisse Routine Veranstaltungen dieser Art gut organisiert abzuwickeln. Doch die Spannung bleibt auch dieses Mal über das Ende des Versuchs hinaus bestehen - bis die AIDA die internationale Geltung bestätigt - oder nicht. UnterWasserWelt war selbst als einziges Tauchsport-Magazin vor Ort.

Schon im April ging die Meldung an die Presse, daß am 19. und 20. Juni 1999 in Steinbach am Attersee, im Ausbildungszentrum des österreichischen Tauchsportverbandes, zwei neue Süßwasser - Rekorde von Benjamin Franz neu aufgestellt werden sollten. Mit 55 Metern sollte die Bestmarke von bisher 53 Metern im konstanten Gewicht um zwei Meter übertroffen werden, mit dem Schlitten schließlich waren 77 Meter angepeilt, zwei Meter tiefer als Heimo Hanke wenige Wochen zuvor erreichte.

Doch vor Ort wurde von Benjamin Franz der Rekordversuch im Konstantgewicht abgesagt. “Ich habe den Mund zu voll genommen”, meint er ehrlich. “Ich hatte nur 5 Wochen Zeit mich mit dem Schlitten vertraut zu machen - Umberto Pelizari zm Beispiel trainierte zwei Jahre, bevor er auf 80 Meter im Meer ging. Beides kann man nicht in so kurzer Zeit durchführen.”

Nur 5 Wochen Zeit, sich mit der Technik des Schlittens vertraut zu machen, das ist keine angemessene Zeitspanne. Und das spürt Benjamin deutlich. Er ist Realist genug um Korrekturen vorzunehmen. Lieber nur ein Rekordversuch, dafür aber auf der sicheren Seite. Wie immer steht ihm sein engster Trainingspartner und Vertrauter, sein Bruder Alexander zur Seite. Auch seine Frau Birgit ist mit ihm vielköpfigen Team (als Sicherungstaucher in 20 Metern Tiefe), das großteils aus der DLRG-Ortsgruppe und seinem Heimat-Tauchclub gebildet wird. Eine eingeschworene Gemeinschaft, ohne die nichts geht. Das weiß Benjamin und bezieht jeden dankbar in die erreichten Erfolge mit ein. Und er weiß um das besondere Risiko der Sicherheitstaucher, die wie Uwe Grintsch mit Mischgas (Heliair) tauchend in 77 Meter Tiefe auf ihn warten. Doch auch die bei 50 Metern hängenden und Preßluft atmenden Taucher sind in nicht ungefährlicher Mission unterwegs.

Der Weg an den Attersee führte zunächst über ein zweiwöchiges Training auf der Insel Elba. Unterhalb von Capoliveri, in der Morcone-Bucht, war der Ausgangspunkt für die Aktivitäten, die natürlich von Bruder Alexander und dem Mischgastaucher Uwe Grintsch begleitet waren. Auch Uwe mußte sich auf diese Tiefe erst wieder einstellen, nachdem die Durchschnittstiefen seiner Tauchgänge meist unterhalb von 70 Metern liegen. Zuvor noch war der Ausleger des Schlittens zu korrigieren, da er die Belastung anfangs nicht aushielt.

Der Attersee selbst, bekannt für seine überdurchschnittlichen Sichtweiten und großer Tiefen schon nahe des Ufers, ist mit dem Ausbildungszentrum des ÖTSV ein idealer Ausgangspunkt für das eigentliche Süßwasser-Training. Im Grunde auch unproblematisch, da Wind und Seegang kaum eine Rolle spielen. Soweit die Theorie. Tatsächlich aber ist das Wetter mit Wind und deutlichen Wellen über Tage hinweg für Training mit dem Schlitten völlig ungeeignet. Die erste Ausfahrt mit dem schwarzen Schlauchboot, Baujahr 1940 (ehemaliges Pionierboot der Wehrmacht) wird fast zum Fiaski. Das Boot schlägt um, alles, was nicht festgezurrt ist, droht in der Tiefe zu versinken. Benjamin sammelt geistesgegenwärtig alles apnoetauchend wieder ein, inklusive der Rolle mit den 80 Metern Führungsseil des Schlittens. Doch damit nicht genug. Eine leichte Erkältung stell sich bei Benjamin ein, die Probleme mit dem Druckausgleich scheinen zum vorzeitigen Abbruch zu zwingen. Zwei Tage vor dem Versuch ist er bereit alles zu verschieben. Doch da klappt erstmals hier am See ein Abstieg, auch dokumentiert mit der am Schlitten montierten Videokamera, bis auf 75 Meter. Jetzt steht fest, daß am Samstag der Rekordversuch stattfinden, daß der Einsatz aller zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt finden wird. Einzig die Schiedsrichter der AIDA sind bis Freitag Abend noch nicht gekommen und es gibt keinen Hinweis, ob überhaupt jemand kommen wird.


Benjamin Franz Schlittentechnik
Benjamin Franz Schlittenabstieg
Benjamin Franz Interview