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„Bevor du die Meisterschaft gewinnen kannst, musst du erst mal den Kampf deines Lebens gewinnen...“ (Markus Babbel*)

by Michael Goldschmidt 7.02

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Es fällt nicht leicht von einem herausragenden Sportler wie Benjamin Franz zu berichten, nachdem ihm völlig unerwartet ein harte Prüfung auferlegt worden war, mit der niemand rechnen konnte. Nach allen Seiten abgesichert, medizinisch wie körperlich bestens vorbereitet war er am 15. Juli 2002 nach Ägypten gereist um für seinen angekündigten Weltrekordversuch im Apnoetauchen – Disziplin No Limit - vor Ort zu trainieren. Das Vortraining im Attersee (Österreich) verlief erfolgversprechend und brachte ihn auf Süßwasser – Rekordtiefen von 110 Metern. Im Roten Meer erreichte er bereits 135 Meter. Dann ereignete sich ein Zwischenfall, der im Netzwerk dessen, was hätte passieren können, nicht vorhersehbar war.

Wer sich zum Fortgang des Trainings von Benjamin Franz, das zum Rekordevent am 24.8.02 mit dem Ziel von 165 Meter Tiefe führen sollte, auf dessen Website informierte, konnte spätestens ab den wenigen Tagen, die ihm im ersten Anlauf auf sein respektables Ziel in Ägypten zum Training verblieben, feststellen, dass durchaus auch kritische Momente entstehen können, die ein hohes Maß an Professionalität und Erfahrung abforderten, ernsthafte Zwischenfälle zu vermeiden. Erstmals trug er einen eigens von MARES angefertigten Anzug mit einem unabhängigen Auftriebssystem, das ihn beim Versagen des eigentlich vorgesehenen Hebesacks nach oben bringen sollte.

Zitat aus seinem Gästebuch: 

Trainingsbericht 18. Juli 2002:

Der Wind hat die Hitze hier am Roten Meer etwas erträglicher gemacht. Heute morgen war er aber eingeschlafen. Das Meer ist zwar so glatt wie ein Spiegel aber die Hitze macht uns enorm zu schaffen. Die Vorbereitungen am Tauchplatz haben sich wunderbar eingespielt. Nachdem der Tauchschlitten startbereit im Wasser hängt, ziehe ich mich zurück um mich mit Yoga und Gymnastik auf das bevorstehende Training vorzubereiten.

Erster Tauchgang wie gehabt auf 75m ( Tauchzeit 3min 47 sec. ).

Tauchgang Nummer zwei – 100m in 3min 5sec.

Das Seil wird nun auf eine Tiefe von –130m hinabgelassen.

Bei einem Abstieg in –50m Tiefe lasse ich wieder Wasser in meine Nebenhöhlen laufen, um mir dann beim folgenden Tauchversuch den Druckausgleich zu erleichtern.

Abstieg Nummer vier verläuft problemlos, ich erreiche das Ziel in –130m Tiefe leichter als gestern. Doch als ich das Ventil der Pressluftflasche öffne die den Hebesack füllt, höre ich wieder einen lauten knall. Ich vermute sofort das gleiche Problem wie schon zwei Tage zuvor und aktiviere sofort meine Rettungsweste. Nach 3min 42sec. Bin ich wieder zurück an der Wasseroberfläche.

Glücklich über den gelungenen Tauchgang aber schockiert über den erneuten Defekt in der Tiefe. Als der Tauchschlitten wieder an der Oberfläche ist, stellen wir einen geplatzten Schlauch fest. Wir haben die schadhafte Stelle herausgeschnitten und den Schlauch so verkürzt, um die heute noch ausstehenden Trainingstauchgänge absolvieren zu können, es war uns aber klar dass wir am Abend zurück in der Orca Tauchbasis eine andere Lösung finden müssen.
Nach einer zweistündigen Pause haben wir das Training wieder aufgenommen. Es folgten vier Tauchgänge auf –100m die mir jetzt immer leichter fallen. In der maximalen Tiefe habe ich das Ventil nur ganz vorsichtig geöffnet, damit der Schlauch nicht erneut platzt.
Zurück an der Tauchbasis haben Andy und Uwe von Orca sofort die richtige Lösung parat, ein Überströmschlauch, der bis 300bar getestet ist. Wir bauen den neuen Schlauch sofort ein, und sind sicher das es damit nun keine Probleme mehr geben wird.

Mehr morgen,

Benjamin Franz


Besonders die Hitze setzt der erfahrenen Mannschaft um Benjamin und auch ihm selbst zu. Man braucht ein, zwei Wochen, um sich zu aklimatisieren, bis hin zum 24. August ist dafür mehr als ausreichend Zeit eingeplant. Das Schicksal herauszufordern ist ohnehin nicht die Art von Benjamin Franz. Er ist bekannt als bescheiden, überlegt und vorsichtig, das alles hat ihm im Laufe seiner Karriere als Profi – Apnoetaucher auch viele Sympathien eingebracht.

In seiner letzten persönlichen Mitteilung vom 20. Juli 2002 schreibt er zu Trainingsverlauf:

Trainingsbericht 20. Juli:

Ich konnte die vergangene Nacht nur sehr schlecht schlafen und war am morgen wie gerädert. Auch die letzten vier Trainingstage hatten es in sich und ich machte mir keine großen Hoffnungen für den heutigen Trainingstag. Am Panoramariff angekommen ging wieder alles ganz schnell. Der Tauchschlitten wurde fertig gemacht, und ich habe mich mit Yoga und Gymnastik auf das Training vorbereitet. Erster Tauchgang wie gewohnt 75m in 3min 25sec. Tauchversuch Nummer zwei –100m in 3min 5sec. Dann haben wir das Führungsseil bis auf –135m Tiefe hinabgelassen. Wie gestern musste ich die Tauchfahrt vor dem Aufschlag in ca. -132m Tiefe beenden. Tauchzeit 3min 25sec. Der zweite Anlauf, Tauchversuch Nummer vier verlief dann ohne Probleme. In 3min 27sec auf 135m und wieder zurück an die Oberfläche. Nach der Mittagspause folgten noch drei Abstiege in –100m Tiefe.
Leider hatte sich heute der Wind verstärkt so das wir vielleicht morgen gar nicht zum Panoramariff fahren können. Ob ich dann einen Ruhetag einlege werde ich morgen früh entscheiden.

Morgen mehr,

Benjamin Franz


Zu einem weiteren Bericht aus Ägypten kommt es nicht mehr. In einer Ruhepause zwischen zwei Tauchgängen klagt er über Lähmungserscheinungen und verliert das Bewusstsein. Die Rettungskette vor Ort, besonders unterstützt von der betreuenden ORCA – Tauchbasis in Safaga unter der Leitung von Volker Clausen, funktioniert tadellos. Benjamin Franz wird in das Krankenhaus in El Gouna gebracht und dort erstmals behandelt. Das Team der ORCA – Basis kümmert sich nahtlos um ihn, bis er in einem speziellen Sanitätsflugzeug, einer Turboprop – Maschine, in Hurghada abgeholt wird. Nicht ohne Grund war für diesen Weltrekord die ORCA – Basis ausgesucht worden, die Ereignisse zeigen, dass die Wahl nicht besser hätte gewesen sein können.

Sicherlich hätten beim Rücktransport ein paar Stunden eingespart werden können, wenn die Versicherung nicht erst Angebote einholen müsste, wer nun am günstigsten die Rückholung abwickelt. Last but not least, auch ein schnellerer Learjet hätte wegen einer notwendigen Zwischenlandung zum Auftanken, nur wenig Boden gut gemacht, da im vorliegenden Fall wegen des Kabineninnendrucks nur in geringer Flughöhe hätte geflogen werden können, was die Reisegeschwindigkeit reduziert und den Spritverbrauch deutlich erhöht. 

Am 29.Juli 2002 veröffentlicht Dr. Armin Kmmer, Oberarzt und ärztl. Leiter des Druckkammerzentrums Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau, in dessen Obhut sich Benjamin Franz seit 23. Juli 2002 befindet, dieses Bulletin:

Presseerklärung

Der Extremsportler und Weltrekordhalter im Apnoetauchen Benjamin Franz ist während der Vorbereitungsphase auf einen erneuten Weltrekordversuch am 21.07.2002 in Ägypten verunfallt.

Kurze Zeit nach einem Trainingstauchgang stellten sich bei Benjamin Franz rechtsseitige Lähmungserscheinungen ein, der Taucher verlor das Bewusstsein. In der Klinik und im Druckkammerzentrum El Gouna wurde die sofortige Behandlung eingeleitet. Am 23.07. wurde der Verunfallte zur weiteren Behandlung nach Deutschland in die Unfallklinik Murnau geflogen.

Hier zeigte sich das Bild eines Schlaganfalls mit Lähmung der rechten Körperhälfte sowie eine Störung des Sprachzentrums. Die durchgeführte radiologische Diagnostik bestätigte die Diagnose.

Die Ursache des Unfalls kann derzeit, trotz umfangreicher Diagnostik nicht benannt werden.

Benjamin Franz befindet sich in intensiver krankengymnastischer und neurologischer Betreuung. Die durchgeführten Rehabilitationsmaßnahmen führten zu einer deutlichen Stabilisierung seines Zustandes.

Benjamin Franz ist bei vollem Bewusstsein und bringt seine ganze Kraft und Energie in die Rehabilitationsmaßnahmen ein.

Über die Zeitdauer der notwendigen Behandlung und ebenso wie über die Prognose kann derzeit keine endgültige Aussage gemacht werden.

Die Druckkammerbehandlungen sind mittlerweile eingestellt, der Schwerpunkt der weiteren medizinischen Betreuung liegt auf der klassischen Rehabilitation. Jede Spekulation, ob der Vorfall in direktem Zusammengang mit dem Apnoetauchen steht, kann nicht bestätigt werden. Vermutlich wird die gesicherte Antwort darauf auch nie erfolgen können.

Welchen Verlauf die Rehabilitationsmaßnahmen nehmen, wie lange der Klinikaufenthalt dauern wird, ob Benjamin Franz wieder im Apnoe – Tauchsport antreten wird, all das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt von niemandem seriös zu beantworten. Im Vordergrund steht, dass Benjamin Franz die Erkrankung voll überwindet, wofür aufgrund seines Alters (32) und seiner Disziplin und Willenstärke gute Prognosen gestellt werden.

UnterWasserWelt und seine Leser haben sich aktiv engagiert auch mit finanziellen Mitteln im Rahmen einer längerfristigen Spendenaktion die wirtschaftliche Situation von Benjamin Franz und seiner jungen Familie zu unterstützen.

Alles Gute Benjamin und rasche Genesung wünscht die Redaktion UnterWasserWelt!  

(* Ausspruch des ehemaligen Fußball – Nationalspielers Markus Babbel, der zunächst am Pfeifferschen Drüsenfieber und dann am Guillain-Barre-Syndrom erkrankt war)