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Rudie H. Kuiter: Seenadeln, Fetzenfische und Ihre Verwandten

UWW 2.01

Nur wenige Wochen sind seit der Neuerscheinung des TINTENFISCHFÜHRERS von Mark Norman vergangen, da können sich UnterWasserWelt - Leser über ein neues Fachbuch über eine weitere seltsame maritime Tiergruppe freuen. Ob nun Tintenfische oder Seepferdchen, Seenadeln, Fetzenfische und ihre Verwandten die merkwürdigsten, geheimnisvollsten und außergewöhnlichsten Spezies sind, kann nur beurteilen, wer beide Bücher gelesen hat.

Auf 1120 Fotos, 60 Zeichnungen und 242 Seiten ist alles über Seepferdchen, Seenadeln, Fetzenfische und ihre Verwandten, mit einmaligen Aufnahmen aus ihrem natürlichen Lebensraum, mit Angabe der Verbreitungsgebiete, ihre Brutpflege, wissenschaftliche Namen und Klassifikationen zu lesen und zu bestaunen.

Wer nun neugierig geworden ist, kann seinen ersten Wissendurst aus der auszugsweise abgedruckten EINLEITUNG stillen. Welche guten Väter das Tierreich hat, ist in SCHWANGERE MÄNNCHEN zu lesen und in KUITER lernen sie den Autor näher kennen.

Die deutsche Ausgabe dieses Fachbuches, für die wiederum Helmut Debelius/IKAN verantwortlich zeichnet, ist im Verlag Ulmer ( www.ulmer.de ) erschienen.

Die Veröffentlichung der Buchauszüge in UnterWasserWelt erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Helmut Debelius/IKAN.

Preis ca. € 39,88         
 

Leseprobe 1

Schwangere Männchen

Jedes Männchen erbrütet etwa 250 bis 300 Eier, die den größten Teil von Schwanzunterseite und Schwanzseiten direkt hinter dem After bedecken. Sie sind teilweise in die Haut eingebettet, haben etwa 4 mm Durchmesser und sind schätzungsweise 7 mm lang. "Trächtige" Männchen sind meist im November und Dezember zu sehen; das kann aber saisonal variieren. Nach der Paarung wandern viele Tiere in tieferes Wasser, was aber gebietsabhängig ist. Laichreife Weibchen und paarungsbereite Männchen sammeln sich in gewissen Gebieten im Oktober. Vor der Paarung ist der Schwanz des Männchens geschwollen und leuchtend gelb. Das Weibchen legt seine Eier - ähnlich wie in der Seenadel-Sequenz auf S. 112 gezeigt - ab, während sich das Paar von Substrat erhebt. Jedes Ei muss auf die Haut gedrückt werden, um befruchtet zu werden. Die Spermien können möglicherweise nicht frei schwimmen, und wie sie sich auf der Haut bewegen, ist nicht bekannt. In Bruttaschen von Seepferdchen, die auf ähnliche Art und Weise laichen, hat man jedoch Führungskanäle gefunden. Sind die Eier platziert, schwillt die Haut des Männchens um jedes einzelne Ei an und hält so die Eier fest. Die Inkubationszeit beträgt etwa acht Wochen. Die schlüpfenden Jungtiere sind weit entwickelt, etwa 35 mm lang und entrollen sich aus ihrer Lage im Ei. Sie schlüpfen mit dem Schwanz voran und brauchen drei bis sechs Stunden, bevor sie schwimmen können. Nur wenige Individuen schlüpfen gleichzeitig, alle sind jedoch nach sechs bis sieben Tagen geschlüpft. So kann das Männchen seine Jungen über ein großes Gebiet verteilen. Die Jungtiere wandern von ihrem Geburtsort in seichteres Wasser. Man sieht sie häufig auf seichten Sandflächen mit Pflanzen und Geröll an geschützten Stellen in etwa 5 bis 7 mTiefe, manchmal auch in kleinen lockeren Verbänden

 
Leseprobe 2

Einleitung (Auszug)

Seepferdchen gehören zu den ungewöhnlichsten und vielleicht am wenigsten "fischähnlichen" Fischen. Sie

schwimmen meist aufrecht, besitzen einen abgewinkelten Kopf, eine röhrenförmige Schnauze mit einem winzigen Maul und einen starken, biegsamen Greifschwarz. Es überrascht nicht, dass sie von vielen Menschen nicht als Fische betrachtet werden. Zu manchen Zeiten rechnete man Seepferdchen sogar zu den Insekten.

Die Seepferdchen sind jedoch nur die am besten bekannten Mitglieder einer großen, vielfältigen Gruppe, der Ordnung Syngnathiformes (auch als Unterordnung Syngnathoidei zur Ordnung Gasterosteiformes, den Stichlingsartigen, gestellt). Die Fische der Ordnung haben sich im Verlauf der Evolution an spezifische ökologische Nischen in Riff oder Algenlebensräumen angepasst. Zu ihnen gehören außer den Seepferdchen Fetzenfische Seenadeln und Nadelpferdchen.

Die zur Ordnung Syngnathiformes gehörige Familie Syngnathidae (Seenadeln) umfasst 55 Gattungen mit mehr als 320 Arten. Die Familie wird wiederum in vier Unterfamilien unterteilt. Die größte davon ist die Unterfamilie Syngnathinae, zu der die Seenadeln im engeren Sinne gehören. Die meisten Seenadeln sind stabförmig; ihr Kopf bildet mit dem Körper eine Gerade. Der größere Teil der Seenadeln besitzt eine kleine Schwanzflosse. Die Männchen "bebrüten" die Eier in einer Tasche, die aus einfachen oder sich überlappenden Hautfalten unter Rumpf oder Schwanz geformt wird.

Die Unterfamilie Hippocampinae umfasst die Seepferdchen und die ZwergNadelpferdchen, denen zum Inkubieren der Eier eine völlig geschlossene Tasche mit einer kleinen Öffnung zur Verfügung steht. Zur Unterfamilie Solegnathinae gehören die Fetzenfische und Nadelpferdchen, bei denen der Schwanz mehr oder weniger biegsam ist und die Brut meist frei unter Schwanz oder Rumpf getragen wird. Die Unterfamilie Doryrhamphinae umfasst eine Gruppe frei schwimmender Seenadeln, die ihre Brut meistens unbedeckt tragen und eine große fahnenartige Schwanzflosse besitzen.

Die Mitglieder der Ordnung Syngnathiformes sind meist kleine und versteckt lebende Fische mit langgestreckten, wenig flexiblen, steifen Körpern, geschützt mit Knochenplatten und -ringen anstelle von Schuppen. Bei Seepferdchen und Seenadeln gibt es winzige Zwergarten, die nur wenige Zentimeter lang sind; die größte Seenadel misst jedoch über 65 cm Gesamtlänge. Die Kiemenöffnung ist auf eine kleine runde Pore reduziert. Der Kopf läuft meist in eine lange röhrenförmige Schnauze mit einem kleinen Maul an der Spitze aus, die Kiefer sind zahnlos.

Die Flossen besitzen keine Hartstrahlen und fehlen bei manchen Arten, wie einigen wurmartigen Seenadeln. Oft sind nur eine Rückenflosse und ein Paar Brustflossen vorhanden, in einigen Gruppen auch eine mittelgroße Schwanzflosse. Bauchflossen oder zweite Röckenflossen fehlen allen Arten. Die Afterflosse ist meist klein oder zurück...

 
RUDIE H. KUITER wurde 1943 in Amersfoort, Holland, geboren und wanderte 1964 nach Australien aus. Bereits im Alter von fünf Jahren begann er, sich für Fische zu interessieren, nachdem sein Vater ihm ein winziges Aquarium für die einheimischen Fische schenkte, die er fing. Er wurde ein findiger Aquarianer und Fischfänger, bevor er nach Australien kam und dort mit dem Tauchen und der Unterwasser-Fotografie anfing. Fünfzehn Jahre lang arbeitete er als Elektroniker und erforschte in seiner Freizeit die Meeresfische in der Umgebung von Sydney, dann zog er nach Melbourne um. Dort weitete er sein Interesse auf die Fischarten an Australiens Südküste aus. Er wurde Mitarbeiter des Australian Museum und begann, zusammen mit Ichthyologen verschiedener Institute, wissenschaftliche Artikel über Taxonomie und Biologie von Fischen, speziell der Seepferdchen und Fetzenfische, zu veröffentlichen. Parallel dazu entwickelte er seine persönliche Fisch-Fototechnik im Aquarium und beim Tauchen. Seine Fotos wurden sowohl in populären Zeitschriftenartikeln als auch in wissenschaftlichen Publikationen verwendet.

Ab 1980 wurde er an größeren Projekten für Fernsehdokumentationen beteiligt, und sein Hobby wurde zum Beruf. Seine Fischartikel und -fotos wurden weltweit in bekannten Zeitschriften abgedruckt. Er dehnte sein Interesse an Rifffischen auf den gesamten Westpazifik aus, fotografierte intensiv in den Gewässern Japans und Indonesiens und wurde schließlich zu einem regelmäßigen Besucher der dortigen Riffe. Seine fotografische und systematische Arbeit über Fische qualifizierte ihn zum Autor bzw. Mitautor mehrerer Bücher einschließlich Tropical Reef Fishes of Indonesia, Coastal Fishes of South-Eastern Australia, Fishes of Australia's South Coast, Fischführer Südostasien und Photo Guide to Fishes of the Maldives.