history_07_headbanner_02
Home Bücher / Software Buch Tintenfischführer

 

UnterWasserWelt.de >>> weiter zum aktuellen Online - Magazin

 

Mail an die Redaktion

 

© UnterWasserWelt 1999 / 2007  all rights reserved

Mark Normann / Helmut Debelius: Tintenfischführer

UWW 12.00

KRAKEN ARGONAUTEN SEPIEN KALMARE NAUTILIDEN

von Mark Norman

Noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest hat die erfolgreiche Fachbuchreihe des Jahr Verlages Nachwuchs bekommen und wiederum zeichnet Helmut Debelius/IKAN, als Initiator und Motor, Konzept und Layout, verantwortlich.

Über 800 Fotos, 320 Seiten, aus dem natürlichen Lebensraum der Kopffüßer, mit Angabe der Verbreitungsgebiete, wissenschaftliche Namen und Klassifikation, machen dieses gut gegliederte Fachbuch zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk das in keiner Taucherbibliothek fehlen sollte.

Wer noch keine so richtigen biologischen Vorstellungen über diese seltsame Tiergruppe hat, sollte sich die nachfolgende EINLEITUNG zum Buch sowie das VORWORT von Dr. Kir N. Nesis, Shirshov-Institut für Ozeanografie, Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau, Russland, zu Gemüte führen.

Die Veröffentlichung dieser Textpassagen in UnterWasserWelt erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Helmut Debelius/IKAN

EINLEITUNG

Kalmare, Sepien, Kraken und Nautiliden gehören allesamt zu jener Tiergruppe, die man Kopffüßer (Cephalopoden) nennt. Dieser Name bezieht sich auf die ungewöhnliche Gestalt der Tiere, denn ihre Arme bzw. "Füße" entspringen direkt dem Kopf. Der Name "Cephalopode" kommt von den griechischen Wörtern kepha os für Kopf und podos für Fuß. So versteht man auch den deutschen Namen Kopffüßer aber noch häufiger ist "Tintenfisch" im Sprachgebrauch. Dieser ist eigentlich nicht korrekt, denn es handelt sich um wirbellose Tiere - und nicht um Fische. Etwas korrekter (da Cephalopoden als Mollusken mit Schnecken verwandt sind), aber seltener verwendet, ist der Begriff "Tintenschnecke".

Die meisten Leute sind mit der Körperform von Kraken und Kalmaren vertraut. Sofort erkennen sie einen Cartoon-Oktopus oder ein Meeresmonster das mit seinen saugnapfbewehrten Tentakeln die Schiffe in die Tiefe zieht. Und viele haben auch realisiert, wie schmackhaft solche Tintenfische sind(!). Allerdings haben nur ganz wenige Menschen diese Tiere je lebend gesehen.

Der Hauptgrund für den geringen Kontakt mit Kopffüßern ist deren Fähigkeit, sich gut verstecken oder geschickt entkommen zu können. Denn unter allen Meerestieren sind Kopffüßer durch Räuber sehr verwundbar. Die Mehrheit hat kein Gehäuse, um sich darin zu verstecken; sie haben keine Waffen wie Stacheln und kaum einer ist giftig. Ihr Körper besteht nur aus Muskeln, und das macht sie zu einem idealen Mahl. Konsequenterweise entwickelten sie viele Methoden, um nicht entdeckt zu werden. Viele Kopffüßer-Arten kommen nur im Schutz der Dunkelheit heraus. In den vergangenen Jahren hat sich der Tauchsport immens entwickelt, was auch Unterwasserkameras und -blitzgeräte betrifft. Überall werden Nachttauchgänge angeboten, und somit kommt auch viel Verhaltens- und Bildinformation über Kopffüßer aus Taucherkreisen.

Die Berichte und Fotos zeigen dass diese Tiere zu den vielseitigsten und faszinierendsten Geschöpfen dieser Erde zählen und dass sie selbst zu den gefräßigsten Beutegreifern gehören. Viele haben eine große Hirnmasse und zeigen komplexes Verhalten. Ihre Fähigkeiten beinhalten schnellen Farbwechsel, Änderung der Körperform, Produktion von "Tinte" zum Verschleiern, das Abwerfen von Körpergliedern, das Schwimmen durch Sand und das Fliegen durch die Luft. Ihr Sexualleben könnte nicht unterschiedlicher von dem der Menschen sein!

Kopffüßer findet man nur in Salz- und Brackwasser denn es gibt keine Süßwasserarten. Ihre weiche Haut ist nicht für ein Leben an Land geschaffen, und somit gibt es auch keine landlebenden Tintenfische. Sie kommen in allen Meeren der Erde vor sei es in tropischen Gewässern um den Äquator oder um die Arktis und Antarktis, wo sie in Temperaturen bis hinunter zu - 2 °C leben. In allen Meerestiefen hat man sie entdeckt: Von der Gezeitenzone bis in Tiefen von mindestens 7.000 m, wo sie in dauerhafter Dunkelheit existieren. Viele Arten leben am Meeresboden (benthisch), während andere ihr gesamtes Leben im freien Wasser (pelagisch) verbringen.

VORWORT

Als Spezialist für rezente (heute lebende) Cephalopoden habe ich Tausende Stunden damit verbracht, tote Kopffüßer unter dem Stereomikroskop zu untersuchen. So konnte ich die Arten anhand kleiner Unterschiede in den Armlängen von Kraken oder winziger Besonderheiten in der "Bezahnung" von Kalmarsaugnäpfen voneinander abgrenzen. Dabei habe ich mich schon immer gefragt, wie sich diese Tiere untereinander erkennen, wenn sie doch so schwierig zu unterscheiden sind. Die Antwort gibt das vorliegende Buch: Die Identifikation toter, konservierter Exemplare ist schwierig, in ihrem natürlichen Lebensraum sind sie jedoch durch ihre vielfältigen Farb- und Verhaltensmuster sehr verschieden!

In der Tat sind die Farbtrachten lebender Cephalopoden sehr intensiv und unterschiedlich. Welch außerordentliche Fähigkeit, seine Färbung innerhalb einer Millisekunde zu verändern, die tarnenden Farben und sogar die Struktur der Hautoberfläche zu wechseln! Nur Beobachtungen unter Wasser - und Fotos wie in diesem Buch - können die ganze Schönheit dieser Tiere zeigen! Doch sind Kopffüßer nicht nur äußerlich spektakulär, manche sind sogar tödlich giftig, so z. B. die winzigen Blauringkraken.

Man weiß immer noch so wenig über diese faszinierenden Tiere. Berichte über neue Arten und bislang unbekannte Verhaltensweisen erscheinen jedes Jahr. Sorgfältige Beobachtung von Cephalopoden in ihrem natürlichen Lebensraum muss sich jedoch nicht auf die Bewunderung ihrer Schönheit, Schnelligkeit und Fähigkeit zur Veränderung ihrer Erscheinung beschränken, sie kann auch zu weiteren Entdeckungen führen. In den meisten bisher erschienenen Büchern steht, dass Kraken in Höhlen und Sepien auf Sandböden sowie in Seegraswiesen leben, wo sie sich tagsüber einfach eingraben. Nun hat man aber vor kurzem herausgefunden, dass die australische Riesensepia (Sepia apama) ähnlich wie Kraken in Höhlen lebt, während sich die Jungtiere eines anderen Giganten, nämlich des Kraken (Enterodopus dofleini), wie die gewöhnlichen Sepien oder auch wie die Stummelschwanzsepien in Geröllboden eingraben! Zur Dokumentation derartiger Erkenntnisse ist es notwendig, das beobachtete Tier sicher bestimmen zu können. Dafür wird sich das vorliegende Buch als unschätzbar erweisen.

Es zeigt aber nicht nur die Seichtwasserarten, denen man beim Schnorcheln und Gerätetauchen begegnen kann. Der Leser wird ebenso zahlreiche Tiefwasserarten finden, über die erst sehr wenig bekannt ist! Zahlreiche Exemplare von Riesenkalmaren (Arch'rteuthis spp.) sind in Schleppnetzen gefangen oder tot, an Stränden angespült gefunden worden. Man hat diese Wesen aber noch nie lebend unter Wasser gesehen. Das gleiche gilt für viele andere große oder gar riesige Tiefsee-Kopffüßer. Erst vor kurzer Zeit hat man erkannt, dass die merkwürdigen Saugnäpfe einiger Tiefsee-Flossenkraken nicht dem Ansaugen dienen - es sind vielmehr hochentwickelte, winzige Leuchtorgane, die kleine Krebstierbeute (Copepoden, Ruderfußkrebse) anlocken. Von den meisten Tiefwasserbewohnern wissen wir weder wie sie sich ernähren und fortpflanzen, noch in welcher Haltung sie schwimmen oder schweben!

Cephalopoden werden in großen (und zunehmenden) Mengen gefangen. Wie gut schmecken frische frittierte Kalmare (mit Knoblauch und Mayonnaise) nach einer langen, kalten Nacht des Kalmarfangs mit der Tanzangel vom Schiffsdeck aus! Große, oberflächennah lebende Kalmare packen die Tanzangeln wie rasend und mit leer starrenden Augen. Man sieht nur die Gier nach Beute, wenn sie Köder oder bereits angehakte Artgenossen umschlingen. Wie verschieden von diesem ewig hungrigen Starren ist der intelligente Blick des Kraken! Ich glaube, die Leser werden beim Betrachten der Fotos in diesem Buch den Unterschied erkennen.

Der Autor Mark Norman ist einer der führenden Cephalopodenforscher der Welt und vielleicht der beste Krakenspezialist. Dieser große, enthusiastische Mann kennt die Kopffüßer wie kaum jemand. Er weiß sogar, wie sich Riesenkalmare paaren! So ist es eine Ehre für mich, dem interessierten Leserkreis dieses wunderschöne und faszinierende Buch zu empfehlen.

Dr. Kir N. Nesis

P. P. Shirshov-Institut für Ozeanografie, Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau, Russland
 
Preis ca. € 34,76