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Elba: PERLE im MARE NOSTRUM

von Michael Goldschmidt 1.1999

Hier im Mittelmeer begann alles. Hier steht die Wiege des Tauchsports, hier haben die großen Namen der Tauchszene ihre Heimat, hier wurde das Apnoe - Tieftauchen geboren und hier haben die meisten Leser von UnterWasserWelt schon getaucht, wenn nicht sogar den Tauchkurs selbst absolviert. Heute tut sich das Mare Nostrum allerdings schwer im Konkurrenzkampf um exotische und zugleich kostengünstig erreichbare Ziele wie die des Roten Meeres oder diverser karibischer Destinationen. Familienurlaub mit Kindern, die eigene Tauchausrüstung im Gepäck, das ist die Domäne des Mittelmeeres. Die Benutzung des eigenen Autos, vielleicht sogar das Hauszelt mit dabei, steht wegen der Kosten im Vordergrund der Urlaubsplanung. Wer sich unter diesen Rahmenbedingungen den besonderen Flair eines Inselurlaubs gönnen möchte, wählt Elba, die Perle im toskanischen Meer. Ansich erfüllt Elba alle Urlaubswünsche tauchender Familien, wäre da nicht das immer öfter spürbare Mißverhältnis zwischen Kosten und Leistung so mancher Supermärkte, Restaurants und Ferienwohnungen. Und im August sollte man sich das Treiben eher nur aus der Entfernung ansehen, da heißt es: Non abbiamo niente di libero!
 
Wieder einmal sind wir auf Elba. Schon fünfzehn Mal hatten wir uns auf den Weg über die Alpen gemacht, von München aus, bepackt wie ehemals die Elefanten von Hannibal. Manches Jahr kamen wir im Frühjahr und im Herbst, jetzt war die Pause auf 4 Jahre angewachsen. Da hat sich viel getan auf den Wegen in den sonnigen Süden. Während der Fahrkomfort in Italien aufgrund besserer Verkehrsanbindung durch Autobahn und Schnellstraße zum Festlandshafen Piombino ein Genuß wurde, diese ersetzt eine stundenlange kurvige Fahrt entlang der Küste, schlagen die Nachbarn in Österreich mit Autobahngebühr und Brennermaut immer kräftiger auf den Geldbeutel. Allein die 18,- Mark für die österreichische Seite des Brenner, stets als Besichtigungsentgelt einer nie vollendeten Großbaustelle zu verstehen, verärgert.
 
Nach 840 Kilometern Fahrt Zwischenstation im Fährhafen von Piombino. In der Hochsaison verläßt alle halben Stunden eine der vielen Fähren die Pier zur gut eine Stunde dauernden Überfahrt. Zum Fährticket kommt man auf drei Wegen, entweder Vorausbuchung im Reisebüro, das ist die teuerste Lösung, Kauf vor Ort, das ist billiger, kann aber in der Hochsaison zu langen Wartezeiten führen, oder Freunde vor Ort kaufen die Tickets und schicken diese per Post, das ist die günstigste und sicherste Lösung.

Portoferraio, "Eisenhafen", Hauptort und größter Hafen der Insel, wir sind da. Nun noch einige Kilometer malerischer Fahrt über gewundene Straßen, alle Straßen sind hier gewunden, hinauf nach Capoliveri. "Caput librum" hieß es in römischer Zeit und bot innerhalb seiner Mauern den Menschen Freiheit und Schutz, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren. Weinbauern, die im Winter in den nahen Erzminen arbeiteten, sind geschichtlich die letzte Generation der Einheimischen. Man spricht vielerorts deutsch, das brachte die Flut der Touristen in den letzen 25 Jahren so mit sich, andere blieben gleich ganz da, wurden Elbaner. Die, die blieben, trifft man in den hektischen Sommermonaten selten auf der außerhalb der Hochsaison gemütlichen Piazza, dort laden Bars zu Espresso und Gelato, dazu ein kleiner Schwatz mit Freunden. Uns trifft man im Zodiac. Dann ein schlendernder Gang durch die engen und winkeligen Gassen. Ein Blick ins Atelier von Mazzi, er hält die Impressionen des Ortes und der Landschaft nur in den Farben Rot und Blau fest, mit allen feinsten Abstufungen gelingen ihm Bilder höchster Ausdruckskraft. Nur diesmal kommen wir zu spät, das intuitiv zum Lieblingsbild der Ausstellung erkorene Motiv ist schon verkauft.

Was ist er nun, Elbaner? Münchner? Kosmopolit? Darüber macht er sich wenig Gedanken, denn er macht das, was ihm am meisten Freude bereitet dort, wo es ihm seit über 25 Jahren am besten gefällt. Ein Urgestein, ein Fels in der hektischen Tauchszene, ein Markenzeichen, der graue Bart, der seit Jahrzehnten zum Kampf mit der Maske führt. Bernd Fein führt seine familiäre Tauchbasis in der Bucht von Madonna delle Grazie. Einer der ersten, die sich hier mit einer Tauchbasis niederließen und der heute noch eine Menge Gäste aus den Anfangszeiten immer wieder begrüßen kann. Er ist ein Original, das die Liebe zum Tauchsport spüren läßt, der jeden Tauchgang zum Erlebnis machen kann, auch und gerade dann, wenn die mit Fauna und Flora ungeübten Gäste in den Blockgründen des Mittelmeeres kein Leben zu sehen glauben. Seine Augen leuchten, läßt er den gerade beendeten Tauchgang im Boot noch einmal für seine Gäste und Schüler lebendig werden. Das findet man andernorts immer seltener und man ist gerade dann besonders davon angetan, weiß man, wieviele Schwierigkeiten die örtlichen Behörden dem "Ausländer" über Jahre hinweg bereiteten, der auf der Insel lebt, arbeitet und alle Steuern bezahlt. Mare Nostrum, seine Anziehungskraft auf angehende Tauchlehrer ist schon lange nicht mehr so groß. Da geht man lieber auf die Malediven, ans Rote Meer oder noch weiter weg. Das weiß Bernd genau, der oft für jede Saison erneut nach einem Mitarbeiter für die Basis suchen muß. Guido aus Südtirol scheint jetzt Perspektiven für eine längere Zusammenarbeit zu bieten, zu wünschen wäre es.

Das gelbe Sturmboot, Markenzeichen von Bernds Basis, schiebt sich über die blaue Wasserfläche nach Westen, hin zu den Felsspitzen, die Stella genannt werden. In über 20 Metern Tiefe wartet ein kleiner Berliner Bär auf Besucher und das auch schon seit etwa zwei Jahrzehnten. Und rote Gorgonienfächer, die großen Lederkorallen des Mittelmeers winken in Tiefen über 30 Meter den blasensprudelnden Gästen. Aus dem Nichts, einfach unerwartet, bläst ein Meereswind plötzlich in unsere Tauchrichtung. Schwerarbeit nach Art der Malediven. Doch sehr ungewöhnlich für diese Region. Bernd kann es erklären. Der Sommer war bislang nicht so warm und von kräftigen Winden begleitet, die das Oberflächenwasser nicht so stark erwärmten. Nun steigt die Wassertemperatur und der Wasseraustausch mit dem Tiefenwasser setzt ein, um Monate später als normal. Was ist normal? Was ist tief? Im Mittelmeer sind so manche für Sporttaucher interessante

Attraktionen der Fauna und Flora nicht gerade im Flachwasser angesiedelt. Mittlere Tauchtiefen sind um die 25 - Meter Marke angesiedelt, die roten Gorgonien zeigen sich erst ab 30 Metern, in etwa 40 Metern stehen sie in besonders dichten und großen Populationen. Vormittags der tiefere Tauchgang, nachmittags flacher, das ist das bewährte Muster der Ausfahrten. Niemand wird zu Tauchgängen animiert, die vielleicht eine Nummer zu Groß sein könnten. Nachmittags kommen dann öfter auch die Frauen zum Zuge, die mit Mann und Kindern anreisten. Vormittags taucht der Mann - soweit er nach fröhlicher Rotweinrunde aus den Federn fand - denn Mann taucht tief. Frau auch, aber die darf erst am Nachmittag, flacher.

Leise schnurrend senkt sich der Außenborder ins Wasser. Knopfdruck. Der elektrische Anlasser startet die kraftvolle Maschine und das neue weiße Boot von Bernd zieht sich langsam rückwärts aus der Bucht. Kein schwungvolles Zerren am mechanischen Starter mehr, das bleibt den Sturmbooten überlassen. Bequem, schnell, lärmreduziert, modernster Standard. Nur Bernd blieb der alte.Affenfelsen. Wir meinen, Bernd könnte gerne hier jeden Tag ankern, so vielschichtig ist dieses Gebiet mit Fischschwärmen, Bewuchs und grandioser Unterwasser - Landschaft. Nur überzeugen konnten wir ihn nicht, die Gäste brauchen Abwechslung! Der Pulpo sieht uns relativ gelassen zu, er kennt die Taucher schon, Berührung inklusive. Kein Freßfeind blubbert ihm entgegen, nur ein streichelsüchtiger Aquanaut. Vereinigung pur mit der Natur.

Ach ja, heute Abend gibt es im Lokal dann wieder frische Calamare, frittiert. Die werden auch gestreichelt, mit der Zunge und so. Eine wilde Horde Meerjunker weckt aus den Tagträumen. Emsig flitzen sie vor der Maske hin und her, hinterlassen rote Streifen in der Land- schaft. Was hat sie so konzentriert? Ein strahlend roter Fleck im weißen Algenbewuchs der Felsnase zieht sie an, wie Fliegen das Licht. Und es ist auch Licht. Der Scheinwerfer meines Tauchbegleit- ers, der mit einem roten Filter als Effektlicht für Videoaufnahmen prä- pariert ist, stellt sich als ideales Lockmittel heraus. Das werden wir zukünftig auch gezielt so einsetzen. Eine Anemone mit ihren feinen lila Spitzen wiegt sich in der leichten Dünung, bildet unablässig neue Formen , tastet im Spiel der Bewegung weit um sich. Auch diese Anemone sollte man nicht berühren, wie die Schwestern in den tropischen Meeren schützt sie sich mit schmerzhaften Nesselkapseln. Statt Clownfischen verstecken sich hier Gespensterkrabben im Geärm. Wohlgetarnt. Die Geheimnisse des Mare Nostrum muß man entdecken, da läuten keine kleinen Glöckchen um auf sich aufmerksam zu machen. Da muß man nachspüren, dranbleiben, nicht nur Strecke machen unter Wasser oder sture Tiefe. Sonst sieht man nichts.
Herrlich, das bewachsene Netz ist noch da. Ein wunderschönes Motiv. Einfach nur schauen und sich daran erfreuen. Die Canyons, Schluchten ziehen sich durch die Unterwasserwelt, Mönchsfische brodeln heran und zucken im Takt wieder ein Stück zurück. Die Erwachsenen sind Schwarz mit silbrigen Punkten bedeckt, die Teenager zappeln winzig neonblau nahe der Riffwände und des Geröllbodens.
 
Kräftig gelb leuchten die Blüten der Krustenanemonen, die eine schattige Wand besiedelt haben, dazwischen brennen rot die Schwämme, trifft sie das Licht der Schweinwerfer. Ja, auch bei Tag ist im Mittelmeer eine gute Handlampe ein idealer Begleiter, enttarnt sie die den Schleier der Grau-, Blau- und Grüntöne, der so harmlos und unbedeutend scheint und alle Kraft der versteckten Farben aufsaugt, bis der Strahl des Kunstlichts wahrhaft orgiastische Farben entfesselt. Die roten Seescheiden, blaue und graue Schwämme, grüne und weiße Algen, lila Fadenschnecken, weiße, gelbe und rote Gorgonien, die braun gemusterten Schraubensabellen, die üppig colorierte Languste und die aufregend gemusterte Muräne, sie alle wären für das Auge und die Erinnerung bedeutungslos.Wir wollen nocheinmal hierher, aber es wird sich diesmal nicht ergeben
 
 Punta Calamita, ein Tauchplatz im Süden der Küste. "Du wolltest doch Zackenbarsche filmen." So führt uns Bernd zu einem Platz, auf den er ein wenig stolz ist. In einiger Entfernung zeigen sich im Felshang drei, vier der selten gewordenen Fische. Dynamitfischer und Harpunettis hatten sie inselweit fast ausgerottet. Sie sind scheu und das ist gut so. Hände weg von jedem Lockmittel, sie sollen überleben, noch viele Besuche von Bernds Gästen bekommen. Ein herrlicher Tag, über wie unter Wasser. Erst im Boot kommt wieder die Erinnerung an dramatische Stunden, fällt der Blick auf dampfende schwarze Narben, die die Haut der Insel hier großflächig überziehen.Mit dem Sonnenaufgang kam das laute Turbinengeräusch von Hubschraubern. Mit geschlossenen Augen hörte ich auf den ungewohnten Lärm draußen. Schon nach einer kurzen Weile konnte ich drei verschiedene Hubschrauber an der Turbine unterscheiden. Ohne hinaussehen zu müssen wußte ich, daß es wieder brannte. In der Nähe, das Geräusch schwoll an, wurde etwas leiser, zog vom Meer her wieder auf und drehte zu den Hügeln im Südosten. Hubschrauber mit Wassersäcken hatten den Kampf gegen ein riesiges Feuer aufgenommen, das von starkem Wind immer wieder angetrieben wurde. Ein neues Geräusch, tiefer, brummend. Sogar ein Löschflugzeug holte jetzt unermüdlich im Flug neue Wasserladung und wirft sie über den Flammen ab. Fast drei Tage dauerte der Kampf aus der Luft und vom Boden aus, um der unwegsamen Macchia Feuer und Glut zu entreissen. Es war Brandstiftung, an 5 Orten zugleich. Bodenspekulation. Über 400 Urlauber mußten evakuiert und in Schulen untergebracht werden. Nicht alltäglich, vorbei.

Nächster Tauchgang Remajolo, ein Felsen, der wie eine riesige Schildkröte aussieht. Windschatten. Wasser klar. Auch hier in größerer Tiefe die roten Gorgonien, unzählige Löcher und Spalten, wobei jede mit der Lampe ausgetastet werden müßte um alle Pracht dieser Unterwasserwelt zu entfalten. Nach so vielen Tauchgängen in den Tropen ist nun die Rückgewöhnungszeit an die Wurzeln des Tauchens abgeschlossen, das Mittelmeer wird von Auge und Verstand wieder angenommen. Heute nach dem Tauchgang ein kleiner Umtrunk mit süßem Spumante, ein runder Tauchgang stand an. Der erste Schluck für Neptun, wie es sich gehört, dann geht die Flasche langsam durch die Runde und Bernd fällt wieder eine seiner vielen Anekdoten ein. Keine Hast, die Zeit darf stehenbleiben - ginge es nach Bernd. Doch der Tauchkurs am Spätnachmittag ruft. Darauf warten nicht nur die Schüler, auch das urlaubende Volk am Strand harrt des Moments, an dem der Meister, angetan mit einem Shorty in Form einer bayerischen Lederhose, höchstpersönlich die sandbedeckte Bühne betritt und bajuwarisch den Eleven alle Angst vor dem ersten Mal nimmt. Wo es so ausgefallene Neoprenhüllen gibt? Natürlich in München bei Margret Mahseli.

Tauchpause. Da locken die verschwiegensten Orte, teils wie Schwalbennester hingeklebt an Fels oder auf den Spitzen von unzugänglichen Erhebungen. Tribut an die wechselvolle Geschichte. Kaum eine seefahrende Macht, ob staatlich oder räuberisch, hat es versäumt Elba einen eigennützigen Besuch abzustatten. Da zieht man sich als Einwohner besser zurück und denkt an günstige Verteidigung und nicht an eine feudale Ansiedlung am Meer mit all den Bequemlichkeiten der Ebene. So sind die Bergdörfer wesentlich älter als die Orte unten am Meer. Der knappe Platz zur Besiedelung wurde schon vor langer Zeit aufgezehrt, so haben die Dörfer mit schmalen Gassen, Treppen und Winkeln ihr Gesicht über die Jahrhunderte bewahrt. Touristen findet man hier eher selten. Hier kommen keine Busse hin, die Straßen sind zu schmal, keine Wendemöglichkeit. Kein Reichtum, keine Oasen lasziven Lebensstils charakterisieren diese einfachen und anheimelnden Orte. Ursprünglichkeit ist hier zuhause und das Gefühl für das Auskommen des nächsten Tages heute große Anstrengungen leisten zu müssen. Welch ein Genuß, in der in erster Linie Einheimische bedienenden Trattoria ein frisch geröstetes Panino mit Olivenöl und warmen Steinpilzen zu tafeln. Wortfetzen wabern vorbei, der Wirt klagt über die modernen Zeiten, dabei läuft im Hintergrund ein Fernsehgerät. Wir danken dem Wirt, es war ausgezeichnet. Ein Lächeln huscht über das faltige Gesicht, mit der linken Hand kratzt er etwas verlegen den stacheligen Mehrtagesbart am Kinn, seine Augen leuchten. Wir fühlen uns, als hätten wir Hummer und Champagner genossen. Diese Speisefolge gehörte sicherlich zum Ernährungsplan des verbannten Kaisers Napolen, dessen Villa zur Besichtigung offen steht. Ein Kann, kein Muß.

Was wir über Wasser an Elba so lieben? Es sind Ort wie Capoliveri, Rio nell`Elba, Marciana, Poggio, San Ilario oder das Kloster Madonna di Monserrato, allesamt auf Erhebungen gelegen, dazu noch Madonna delle Grazie, die kleine Wallfahrtskirche aus dem 16. Jahrhundert, das ein Bild eines Michelangelo - Schülers beherbergt. Außer Capoliveri, das in der Hochsaison mit dem Judaskuß des Tourismus fertig werden muß, berührt die Ursprünglichkeit der anderen Orte unsere Seele. Über allem wacht mit 1018 Metern Höhe der Monte Capanne, umringt von Edelkastanienwäldern, die im Herbst Ziel der Einheimischen sind um die herabfallenden Früchte zu sammeln. Eine würdevolle Ergänzung des Speisezettels. Mitten in der urwaldähnlichen Berglandschaft zwischen Poggio und Cavoli, in einer Kurve, stehen Autos. Offene Kofferräume und Ladeklappen, überall Plastikkanister. Menschen im Gespräch. Meist ältere Menschen. Einer hält einen Kanister unter den mit einem Hahn gefaßten Ausfluß einer Quelle. Süßwasser. Ohne Nebengeschmack des sonst stark mineralhaltigen Trinkwassers der Insel. Das ist die Fonte Napoleone, ein Zugang der Quelle wurde dem Volk überlassen. Dahinter im Brunnenhaus und der Abfüllanlage kommt das kostbare Naß in grüne Glasflaschen und steht beim Essen im Restaurant gegen Lire auf dem Tisch.

Zurück am Wasser, im Aquarium von Marina di Campo. Man gibt sich einige Mühe Fauna und Flora des Meeres vor der Haustüre zu zeigen.Es gibt auch Rochen und einen Hai, denen begegnen wir als Taucher dort eher selten. Rührend, der an der Kasse erhältliche Fensterputzer, um die in den Sommermonaten immer wieder beschlagenden Aquarienscheiben selbst transparent zu machen. Wir fahren weiter. Trotz Landgang ist die Tauchausrüstung wie zufällig im Auto. Pomonte. Das einzige Wrack der Insel. Nach einem tödlichen Tauchunfall dort vor vielen Jahren hatte die Marine das Wrack gesprengt, daß wirklich nichts mehr passieren kann. Vom Ufer aus muß etwa 150 Meter geschnorchelt werden, dann ist man am Ziel. Zwischen 6 und 14 Metern bewegen sich die Tauchtiefen, alles im grünen Bereich. Erholsam, unterhaltend, nicht sensationell aber doch ein bewegender Logbucheintrag. Und noch ein Tauchgang von Land aus. Am Capo San Andrea, weit im Nordwesten der Insel gelegen, findet man Schutz vor Libecchio und Scirocco, den Winden aus Südwest und Südost. Wenn vor Bernds Haustüre nichts mehr geht, dann ist San Andrea ein Pol der Ruhe. Keine Dünung, keine Welle. Zwischen Felsblöcken tänzelt man voll ausgerüstet auf einem ausbetoniertem Pfad bis zum Wasser. Schon wenige Meter vom Ufer entfernt fällt die Tiefe auf über 30 Meter ab. Neben den schon bekannten Formen von Fauna und Flora ist es ein Geheimtip für Nacktkiemen - Schnecken. Man muß nur die Augen offen halten.
 
Ach ja, die Winde. Hat man Elba im Herbst, der ansich stabilsten Jahreszeit erlebt, das Meer ist ruhig und warm, die Menge der Touristen ist wieder zuhause, kann der Scirocco plötzlich einfallen und nach Tagen selbst dem heitersten Gemüt die Leichtigkeit nehmen. Die Luft ist schwül, die Dünung verbietet von Madonna delle Grazie aus die Ausfahrt, nur im klimatisierten Auto fühlt man sich noch wohl. Und dann der Nebel. Von einer Stunde auf die andere ist die Insel im Nebel verschwunden. Matt glühen am Spätnachmittag die gelben Straßenlaternen durch die weißgraue Endlichkeit der Sicht. Die Natur greift nach der Seele, doch nicht im positiven Sinn, sie fordert Stärke ab und schwächt die Schwachen. Das sind die Tage, in denen so einige Elbaner ihrer irdischen Existenz selbst ein Ende setzen. Aus.
 
Und trotzdem ist Elba eine Perle. Vergißt man die Sucht einiger Wirte und Besitzer von Ferienwohnungen auf schnellem Weg den bereits gegründeten Wohlstand in Reichtum zu wandeln, spürt man den Reiz, die Anziehungskraft, die Elba für viele Urlauber zur Nummer Eins gemacht haben. Doch um sich ein Bild über diese Insel insgesamt zu machen, dann sollte man auch einmal Weihnachten hier verbringen. Weit und breit kein Fremder, die Insulaner unter sich, nurmehr die Restaurants und Trattorien sind geöffnet, die das ganze Jahr ihre Dienste bieten, nicht nur die Sommerhalbjahres - Betriebe, die ihr Sugo für die Nudeln aus der Dose holen und preislich so tun, als hätte die Großmutter bereits in der Früh den Topf auf den Herd gestellt.

Der Lautsprecher quäkt die Sicherheitshinweise in mittlerweile 3 Sprachen aus der Membran. Der Abschiedsespresso an der Bar der Fähre dümpelt lustlos im Plastikbecher. Ein letzter Schluck. Kein Grappa, 840 Kilometer mit dem Auto müssen noch gemeistert werden. Ja und Bernd fährt mit einer neuen Gruppe zum Affenfelsen. Da wollte ich auch nocheinmal hin. Aber wann?
 
Deutschsprachige Tauchbasen

Bernd`s Tauchbase, Bernd Fein, Madonna delle Grazie, 57031 Capoliveri, Isola d`Elba, Telefon 0039-0565-939124, Fax 0039-0565-939148 www.bernds-tauchbase.de

Sporting Club Cavo Diving, 57030 Cavo, Tel.: 0039-565-931160, Fax *-*-949960

Spiro Sub Pit Gsell, La Foce, 57034 Marina di Campo, Tel.: 0039-565-976102, Fax *-*-976424, Handy *-336-711437

Omni Sub (ehemals Subex), Porto Azzuro, Tel.: 0041-61-4810782

Hydra Institut für Meereswissenschaften, Fetovaia, Infos: eMail oderHomepage
 
Anreise

Elba erreicht man als Taucher in der Regel mit dem PKW. Von Deutschland aus kommend gibt es Varianten über die Schweiz und über Östereich (Innsbruck, Brenner, Bozen, Verona, Bologna, Florenz, Pisa, Livorno, Piombino). Die Brennermaut in Österreich und Autobahnmaut in Österreich und Italien addieren sich auf etwa 100,- Mark pro Strecke. Fähren kosten für einen mittelgroßen Wagen (VW - Passat) etwa DM 100,- inkl. 2 Personen. Die Rückfahrt von der Insel ist stets teurer! Sprit ist in Italien teuer, in Deutschland volltanken. Reservekanister sind in Italien verboten!

Die Anreise mit Zug und Flugzeug wären möglich, mit Tauchgepäck aber eher unwahrscheinlich. Der kleine Flugplatz liegt in der Nähe von Marina di Campo, maximales Startgewicht 6 Tonnen. Air Engadine bedient Elba aus der Schweiz aus mit Anschlußflügen aus Deutschland.

Saison

Elbas Tauchbasen öffnen etwa ab Ostern und beenden den Tauchbetrieb im November. Vorausbuchungen bei den Basen sind nicht notwendig aber für ein Quartier. Besonders in den Ferienzeiten Pfingsten, Sommer und Herbstferien (in den Herbstferien sind besonders viele Gäste aus der Schweiz auf der Insel, da hier diese Ferien zwei Wochen dauern) ist eine Quartierbuchung fast unerläßlich. Die Basen vermitteln gerne geeignete Unterkünfte. Auch die Campingplätze sind in den Saisonwochen stark frequentiert, frühzeitige Anmeldung ist erforderlich. Ebenso sollte ein Platz auf der Fähre vorgebucht werden. Für Tauchschulen werden gerne besondere Arrengements organisiert.

Tauchen

In der Regel sind die Tauchgebiete frei von Strömung und weisen mittlere Sichtweiten von mindestens 20 Metern auf. Da verschiedene gerne besuchte Formen der Fauna und Flora erst in größeren Tiefen (30 Meter +) vorkommen, werden am Vormittag die tieferen Tauchgänge durchgeführt und am Nachmittag die moderaten Abstiege. Das bedeutet, daß die eigene oder die von der Basis zur Verfügung gestellte Preßluftflasche ein Volumen von 12 l bis 15 l aufweisen sollte. Eine Lampe entfesselt erst die Farbenpracht in den Tauchgebieten. Ausbildung und Prüfungsabnehmen werden nach den Richtlinien aller gängiger Organisationen durchgeführt. Durchschnittlich kostet ein Bootstauchgang mit eigener Ausrüstung zuzüglich Flasche und Blei von der Basis etwa € 30,-