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Dienstag. Neuer Tag, neues Glück. Die BALENA liegt mittlerweile am Panorama-Riff, dort fällt die Steilwand des bekannten Tauchplatzes bis in Tiefen von 600 Metern ab. Doch der kalte Nordwind ist immer noch aktiv und wühlt die Wasseroberfläche auf wie am Vortag. Routiniert und eingespielt wird vom technischen Team der Schlitten startklar gemacht, während sich Benjamin der üblichen Untersuchung durch die begleitenden Ärzte unterzieht. Danach absolviert er die gymnastischen Übungen, die ihm die Kraft geben sollen, die Lunge und den Brustkorb mit Hilfe der Bauchmuskeln und des Zwerchfells soweit zu entleeren, dass alle zuvor aufgenommene Luft dem Druckausgleich zur Verfügung steht. Im Gegensatz zu der bei Abstiegen mit konstantem Gewicht notwendigen vollen Beweglichkeit der Gelenke an Armen und Beinen muss hier die Beweglichkeit des Brustkorbs speziell trainiert werden. Und beeindruckend ist es schon zu sehen, wenn Benjamin dann zeigt, wie stark er die Lunge entleeren kann und ein richtiges Loch unterhalb der Rippen im Brustbereich sichtbar wird. Und es wird auch klar, dass die Disziplinen KONSTANTES GEWICHT, VARIABLES GEWICHT und NO LIMITS eigene Anforderungen an Training und Vorbereitung haben, sodass es nie möglich sein wird, hier innerhalb weniger Stunden in unterschiedlichen Disziplinen Rekorde zu markieren.
Auch unter Wasser hat man beim zweiten Trainingsabstieg neue Taktiken eingebracht. Mit einem lauten Signalton wird drei Minuten vor Benjamins Abstieg die Mannschaft informiert, sodass alle ihre Positionen einnehmen können. Zusätzlich wird Benjamin in den Tiefen 30, 50 und 70 Meter von den Sicherungstauchern durch Klopfen auf die Schulter über seine Position informiert. Alles klappt wie am Schnürchen und Benjamin verschwindet in der Tiefe.
Als Resultat bringt er erreichte 91 Meter aus diesem Tauchgang mit, eigentlich ein neuer Deutscher Rekord, der aber nur inoffiziell gilt.
Die Stimmung steigt und am Nachmittag stehen Aufnahmen für die Filmteams und Fotografen auf dem Plan, die Benjamin freitauchend zeigen. Sogar der große Napoleon am Panorama-Riff spielt begeistert mit und erlaubt Benjamin ein längeres Rendezvous.
Mittwoch. Wie fast schon gewohnt und doch anders laufen die Vorbereitungen für den heutigen Abstieg. Benjamin hat seinen Rekordversuch auf 100 Meter angekündigt. Niemand gibt es zu, aber alle stehen unter Spannung. Sogar Wind und Wellen schließen Frieden mit dem Apnoe-Team. Zunächst muss das Seil genau ausgemessen werden, da prinzipiell jede Art von Tiefenmessern Abweichungen von der tatsächlichen Tiefe aufweisen. Auf dem Oberdeck werden Bahnen zu 20 Metern Länge ausgelegt, durch ein Maßband zweifelsfrei ermittelt. Der Schiedsrichter von AIDA-Deutschland, Sven-Oliver Vogel, begleitet diese Aktion konzentriert und markiert das Seil schließlich bei 100 Metern. Nun muss nur noch der Schlitten entsprechend bei 0 - Metern eingerichtet werden und dem Versuch steht nichts mehr im Weg.
Die Linsen sind eingesetzt, Benjamin liegt auf dem Wasser und bereitet seinen ersten Abstieg mit Flossenkraft vor. Neben ihm sein Bruder Alexander, der alle seine Unternehmungen begleitet, dazu Sven-Oliver Vogel, der als Schiedsrichter an der Oberfläche abwartet. Birgit Franz ist auch im Wasser, so hat sie eine Aufgabe und kann sich selbst etwas beruhigen. Alle an Bord hängen, stehen, sitzen an der Reling, alles wartet gespannt.
Nach zwei Abstiegen mit Flossenkraft steigt Benjamin in den Schlitten. Konzentriert holt er Luft, gibt das Zeichen für die Sicherungstaucher, dass er in drei Minuten abtauchen wird. Er pumpt mit schluckartigen Mundbewegungen letzte Luft in die Lungen, zieht die Entriegelung und verschwindet vor den Augen der Zuschauer, nur fixiert vom Kameraauge auf dem Schlitten. Endlos und doch schnell taucht er wieder auf. Sofort spricht ihn Sven-Oliver an und fragt ihn nach seinem Namen und Alter um zu überprüfen, ob er dem Reglement entsprechend ansprechbar ist. Doch Benjamin ist voll orientiert - und enttäuscht. Das wird später auch die Videoaufzeichnung zeigen, dass er schon in der Tiefe sauer auf sich selbst war. Respektable 96 Meter hat er erreicht, doch das ist zu wenig. Seine Strategie für den Druckausgleich war danebengegangen. Er wollte in 50 Metern Tiefe so viel Luft wie möglich in den Mundbereich verlagern und vergaß dabei beim weiteren Abstieg nochmals Luft aus der Lunge nachzuholen.
"Ich brauche jetzt dringend ein Erfolgserlebnis", meint er später und kann nur noch auf den nächsten Tag setzen, der organisatorisch auch die letzte Gelegenheit bietet.
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