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Donnerstag, 18. November 1999. Heute muss es klappen und der Wettergott hat sich nochmals übertroffen. Wind und Wellen sind eingeschlafen. Alles ist bereit. Herrschte am Vortag Ruhe auf der BALENA , so wird sie heute von absoluter Stille übertroffen. Alle Kameras sind vorbereitet, alles und jeder hat Benjamin im Visier.
Routiniert waren alle Vorbereitungen getroffen worden, so schnell wie heute war der Schlitten, der etwa 50 kg Abtrieb erzeugt, noch nie in Position. Das Team hat sich minutiös eingespielt, so könnte es weitergehen.
Benjamin zieht die Leine, die Sicherung löst sich und er taucht ab. Schnell wie immer zieht er in die Tiefe, die ersten Sicherungstaucher klopfen auf die Schulter - 30 Meter. Das 14mm dicke Seil singt in der Führung, eine mystische Musik, den Gesängen der Wale ähnlich. Langsam gewinnt die Videobeleuchtung auf dem Schlitten mehr Kraft gegen das schwindende Tageslicht, die um den Hals getragenen Glücksbringer zerren an Kinn und Nase. Wieder ein Schulterklopfen, 50 Meter. Druckausgleich und immer wieder Druckausgleich. Der Brustkorb entleert sich. Jetzt der letzte Kontakt zu einem Sicherungstaucher in 70 Metern Tiefe. Ab hier noch 30 Meter. Bis jetzt war der Abstieg gebremst. Bei 80 Metern macht Benjamin den letzten Druckausgleich und öffnet die Seilbremse ganz. Es sieht gut aus. Mit einem deutlichen Ruck setzt der Schlitten nach 1:14 Minuten auf dem Stopper am Seil auf. Das laute Geräusch überträgt sich ins Wasser und kann weithin gehört werden. Die versprochenen 100 Meter sind erreicht, der Tiefenmesser auf dem Schlitten zeigt sogar 104 Meter. Entspannt und stolz macht Benjamin eine Siegesgeste in die Kamera, öffnet gelassen das Ventil, um den Hebesack zu füllen und verschwindet nach oben. Beim Aufstieg signalisiert er den Sicherungstauchern, Filmern und Fotografen seinen Erfolg und beim Auftauchen, nach 2:23 Minuten, entspannt sein Jubelschrei die atemlos wartende Menge, die applaudiert und begeistert jubelt. "Deutscher Rekord" bestätigt Sven-Oliver Vogel noch im Wasser, der Bann ist gebrochen. Nur wenige Stunden später erreichen unzählige Glückwünsche per SMS-Nachrichten auf das Handy-Display den überglücklichen Sportler. Mit nur 2 Wochen Vorbereitung und 6 Abstiegen hat Benjamin Franz sein aktuelles Ziel erreicht, das er im Frühjahr in den Weltrekord im Süsswasser umsetzen will.
Was für eine Saison liegt hinter Benjamin. Sein erstes Profijahr markiert eine Reihe von großen Erfolgen, die ihm niemand streitig machen kann. Doch jetzt geht es erst einmal auf die frisch beschneiten Hänge seiner Heimat zum Snowboarden. Ach ja, warm anziehen muss man sich dazu, aber auch die Konkurrenz soll sich schon mal nach warmer Kleidung umsehen, denn der Wind, der aus nun aus Cham bläst, hat an Stärke bedeutend zugenommen. Die Fakten zählen, unabänderlich.
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