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Für Benjamin Franz fast schon Routine: Weltrekord 110 Meter in der Disziplin No Limit im Süßwasser

by Michael Goldschmidt (7.2000)

Tiefe 52 m, im Hintergrund Sicherungstaucher

Siegerpose in 100 Metern Tiefe

Sicherungstaucher Hasslinger bestätigt 110 Meter Tiefe

Erleichterung: Birgit und Benjamin Franz

Zurück nach 1 Stunde Deko: Ralf Hasslinger

Zaungast aus Berlin: Apnoesportlerin Anja Merkel

Schiedsricter der AIDA: Sebastian Nagel und Dieter Baumann

eMail ais Italien

Von: Pelizzari mailto: pelizzar@busto.tread.net 
Gesendet: Dienstag, 4. Juli 2000 14:56
An: Franz Benjamin
Betreff: R: World Record


CONGRATULATIONS for YOUR performance !!!!
Deeply
Umberto

Der Attersee im Salzkammergut ist das Dorado der Apnoetaucher Süddeutschlands und Österreichs. Am 1. Juli 2000 war er wieder Austragungsort eines neuen Rekordversuchs von Benjamin Franz aus Cham. Die Marke von 100 Metern im Süßwasser sollte überschritten werden in der Disziplin No Limit. Ein unglaubliches Ziel, das nicht nur auf Grund der Tiefe sondern auch wegen der starken psychischen Belastung des Sportlers durch Kälte und Dunkelheit mit den Rekorden im Meer unvergleichlich ist. Dazu kommt die technische Herausforderung an die Sicherungstaucher, die in 80 und 110 Metern Tiefe wartend, mit Mischgas versorgt sind, mit anschließenden Dekozeiten von fast einer Stunde.

Gut meint es der Wettergott an diesem Sommertag, wolkenlos blauer Himmel erwartet das Team um Benjamin Franz, die Sicherungstaucher, Ärzte und Helfer - eine eingespielte Gruppe, die mit Begeisterung und hohem persönlichen Einsatz den Event erst möglich macht. Neu ist der Tec-Spezialist und Höhlentaucher Ralf Haslinger aus Stuttgart, der bekannt ist für optimal vorbereitete Tauchgänge mit Mischgastechnik in großen Tiefen. Es war nicht einfach, ihn für dieses Vorhaben zu gewinnen, hatte er doch bei Tieftauchversuchen eines anderen Sportlers ungute Erfahrungen sammeln müssen. Er soll in 110 Meter Tiefe auf Benjamin warten, sollte alles nach Plan verlaufen. In 80 Metern wird wieder Uwe Grintsch, Position beziehen, ebenfalls mit Mischgas (Heliair) versorgt.

Gegen 8:00 trifft sich das Team in Burgau, dort wird es von der Tauchschule Lorenc mit weiteren Helfern unterstützt. Deren Juniorchef Marcus Lorenc lässt es sich nicht nehmen die Journalisten persönlich im neuen Boot, motorisiert mit 250 PS, an den Veranstaltungsort zu bringen. Alle Vorbereitungen laufen nach Plan, ein bereits eingespielter Rhythmus ist in allen Details zu spüren. Manfred Führmann, der Designer des Schlittens und Videofachmann, hat die Videoanlage weiter optimiert, der im Bild sichtbare Tiefenmesser erhielt eine eigene Beleuchtung und um den Sicherungstauchern im trüben Seewasser das Kommen des Schlittens frühzeitig zu signalisieren, strahlen zwei starke Scheinwerfer am Boden in die Tiefe.

Wieder ist ein Fernsehteam vor Ort, diesmal für den Sender Pro 7. Wieder die gleichen Fragen, wie sie bei vorangegangenen Gelegenheiten gestellt wurden, die Interviews, die einzelnen Szenen der Vorbereitungen Benjamins, nichts bleibt der Kamera vorenthalten.

Gegen 11:30 lösen sich die Boote vom Steg, Benjamin lässt es sich nicht nehmen selbst das Boot mit der Schlittenanlage zum Austragungsort zu steuern. Ein Echolot an Bord markiert rasch und zuverlässig die geeignete Stelle. Die Motoren schweigen und die Helfer beginnen ruhig den Schlitten in Position zu bringen und das Seil abzuspulen. Zuvor war die Seillänge im Beisein der AIDA-Schiedsrichter , Sebastien Nagel (Präsident AIDA International) und Dieter Baumann (AIDA Österreich) zweifelsfrei ermittelt worden. Alle Details der Schlittenanlage entsprechen den Vorgaben der AIDA.

Inzwischen ist auch das Boot der Wasserwacht längsseits gegangen, von dort beobachtet Dr. Urs Braumandl (Hyperbarzentrum Regensburg) das Geschehen, während Dr. Manfred Schappler im Boot der Schlittenanlage nach dem Versuch die Schiedsrichter in der Beurteilung des Apnoetauchers unterstützen soll.

Die Sicherungstaucher stehen kurz vor dem Abstieg. Ein Knall 12:25 Uhr, ein typischer Knall und jeder Taucher weiß, was das bedeutet. Wasser sprudelt wie kochende Gischt. Bei Ralf Haslingers Ausrüstung ist ein Schlauch geplatzt. Rasch stellt man fest, um welches Problem es sich handelt: Der Inflatorschlauch der mit Argon gefüllten Flasche mit Verbindung zum Trockentauchanzug ist geborsten. Ein Wunder der Logistik, Gerda fällt ein, wo auf kurzem Weg Ersatz zu beschaffen ist: Die Dekoflasche unterm Boot hat einen Inflatorschlauch an der ersten Stufe, die nicht benötigt wird. Minuten später ist das Problem ohne Hektik und professionell gelöst. Benjamin, bereits im Wasser, hat davon nichts bemerkt, so ruhig läuft alles ab.

„Noch 9 Minuten“ hallt es über den See, die Zeitansage für Benjamin, wann er seinen Versuch beginnen muss. Ralf Haslinger ist auf Position gegangen, Uwe Grintsch folgt, dann die anderen Sicherungstaucher. Mittlerweile haben sich viele im See übende Apnoesportler unter die Zuschauer im Wasser gemischt, Kinder auf Surfbrettern sind gekommen und weitere Boote.

Scheinbar unbekümmert unterstützt Benjamin noch Manfred Führmann bei der Montage der Videoanlage. Von Nervosität ist nichts zu spüren.

Die Minuten verstreichen, doch wer schön öfter bei Benjamins Redkordversuchen dabei war, der weiß, wann der entscheidende Moment gekommen ist, wann er nach dem Seil greift, um die Sicherung des Schlittens zu lösen, um abzutauchen in die kalte und dunkle Einsamkeit.

Erstmals trägt er bei einem Süsswasserversuch seine speziell gefertigten Contactlinsen hinter einer mit Wasser gefüllten Schwimmbrille. So kann er unter Wasser sehen, die Instrumente ablesen. Die Brille schützt ihn vor der schmerzenden Kälte des Wassers, die Wasserfüllung macht einen Druckausgleich in diesem Hohlraum überflüssig, alle in der Lunge gesammelte Luft kann dem Ausgleich in den Kopfhöhlen und der Lunge selbst dienen.

Eine junge Frau sitzt erstmals im Begleitboot und beobachtet von dort den Ablauf. Sonst war sie immer mit im Wasser und als Sicherungstaucherin auf 20 Metern in Position. Nun gibt es für Birgit Franz einen guten Grund nicht auf ihren Mann am Seil zu warten, Ende September erwarten sie ihr erstes Kind, ein Junge soll es werden – sagen die Mediziner und Noah soll er heißen. Doch die passive Rolle nagt hinter den ruhigen Gesichtszügen enorm. Ein Interview für die Kamera – jetzt - darauf stehen alle Filmemache, Emotion pur. Nein, das geht nicht und Stefan Wiessmeyer kommt ihr zur Hilfe, „besser jetzt nicht“. Die Kamera kommt diesmal nicht zum Zug.

Das typische Luftschnappen von Benjamin signalisiert den nahen Moment des Abtauchens. Die Hand hat schon nach dem Sicherungsseil gegriffen, doch noch zieht er nicht. Er hält es ungewöhnlich lang, so meint man, dann der Zug, die Sicherung klinkt aus und er verschwindet im See.

Stille. Die lange Stille um 12:57 Uhr am 1. Juli 2000.

„1:44, 1:45“, hört man die Ansage, „ er ist auf dem Rückweg!“

Dann schnellt nach weiteren fast 55 Sekunden der Hebesack schnalzend aus dem Wasser, wo ist Benjamin? Da, da taucht er auf, jubelt, hat die Hände nach oben gerissen. Routineabfrage des Arztes, kein Samba, alles in Ordnung. Subjektiv ist das der Weltrekord. Doch erst müssen alle Sicherungstaucher wieder im Boot sein, vorher kann sich Benjamin nicht entspannen. Und dann müssen die Schiedsrichter das Videoband auswerten um alles zu beurkunden. Wie bestellt fliegt in diesem Moment eine Kunstflugstaffel mit 8 Düsenmaschinen über den See und winkt mit den Flügeln. Zufall??

Unterstützt durch MARES und Bausch & Lomb

Das Team:

Rettungskette : DLRG Blaibach - Dr Manfred Schappler - Dr Urs Braumandl

Oberfläche : Alexander Franz - Sven O. Vogel - Ecker Peter

10 m : Stauber Johann - Gerda Schümers

30 m : Alfred Pfefferl - Porys Peter

50 m : Robert Steininger - Rainer Hoffman - Manfred Führmann ( Video )

80 m : Uwe Grintsch (Mischgas)

110 m : Ralf Hasslinger (Mischgas)