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-66 Meter: Neuer Weltrekord im Freitauchen

Bild & Text Birgit Franz (9.2000)

Dem Chamer Freitaucher Benjamin Franz ist am 16. September 2000 im österreichischen Attersee ein weiterer Weltrekordtauchgang gelungen. In der Version „Constant Weight Lake„ die als die sportlichste Disziplin der verschiedenen Kategorien gilt, darf der Athlet keine zusätzlichen Gewichte verwenden die ihm den Abstieg in die Tiefe erleichtern. Auch der Einsatz eines „Hebeballons“, der den Taucher wieder zurück an die Oberfläche bringt, ist nicht erlaubt.

Aus eigener Kraft und nur mit Hilfe der Flossen muss der Freitaucher die Rekordtiefe erreichen und zurück zur Wasseroberfläche schwimmen.

Vor den Augen der angereisten Schiedsrichter des Weltverbandes „AIDA“, Marcello De Matteis (Schweiz) und Christian Redl (Österreich), sowie der zahlreichen Zuschauer und Pressevertreter, erreichte Benjamin Franz im Attersee bei Burgau als erster Mensch eine Tiefe von –66 m im See.

Die Vorbereitung auf den Rekordversuch verlief jedoch alles andere als erfolgversprechend. Nachdem der Extremsportler bereits im Juli mit seinen Tauchschlitten eine Tiefe von 110 m erreichte und damit einen bestehenden Weltrekord in der Disziplin „No Limit“ brechen konnte, wurde laut den Vorgaben des Verbandes ein Versuch in der Version „Constant Weight„ für den 16. September angemeldet.

Ein späterer Zeitpunkt kam für den Versuch nicht in Frage, da Benjamin und seine Frau Birgit Franz nur wenig später Nachwuchs erwarteten. Das Training verlief sehr positiv. Zusammen mit seinem Bruder Alexander, der für die nötige Sicherheit bei den Trainingstauchgängen sorgte, wurde ein vorher festgelegter Trainingsplan umgesetzt. Der Wochenplan umfasste Tauch- und Konditionstraining, sowie Yoga und Gymnastik.

Als Benjamin Franz die bisherige Rekordmarke des Italieners Gasparri Battaglia –60 m im Training erreichte, wurde der Weltrekord erst von Patrick Misumu (Belgien) auf –63 m und kurz darauf von Frédéric Buyle (Belgien) auf 65m verbessert.
Obwohl nun das Ziel, den Weltrekord zu brechen schwieriger erschien, wollte Franz noch

nicht aufgeben. Auch die neue Rekordmarke konnte er schließlich wenige Wochen vor dem geplanten Weltrekordversuch bei Trainingstauchgängen erreichen. Alles schien wie geplant zu laufen, doch dann machte der Nachwuchs dem Vater und Rekordjäger einen Strich durch die Rechnung. Noah Franz wurde am 30. August geboren, und hielt die junge Familie nun auf Trab.

Benjamin Franz spielte mit dem Gedanken den Rekordversuch abzusagen, da es unmöglich schien nach einwöchiger Familienpause, an die Trainingsergebnisse wieder anzuknüpfen. Auch die mentale Sicherheit, einen Freitauchgang in diese Tiefen psychisch unbelastet durchführen zu können, war mit dem einmaligen Erlebnis der Geburt des Sohnes und der neuen Situation schwer beeinträchtigt.

Doch der Gedanke die monatelange Vorbereitung, die körperlich wie finanziell ein Kraftakt war, mit dem langersehnten Weltrekord abzuschließen, bewog den Freitaucher letztlich am Rekordversuch festzuhalten.

Am 16. September war es dann soweit, ein Team von Sicherungstauchern und Helfern des Tauchsportclubs Plattling, die den Freitaucher bei seinen Unternehmungen unterstützen, bereiten alles nötige vor.

Der Tauchmediziner Dr. Urs Braumandl aus Regensburg ist vor Ort und mit Rettungsausrüstung auf einen zwar unwahrscheinlichen aber nicht auszuschließenden Unfall vorbereitet. Das Führungsseil wird von den beiden Schiedsrichtern genau vermessen, und markiert.

Benjamin Franz hat sich danach zurückgezogen, um sich mit Yoga-Übungen auf den Tauchgang vorzubereiten. Um 11:30 Uhr steigt der Chamer zusammen mit den Schiedsrichtern in sein Boot, das eigens für Freitauchversuche umgebaut wurde.

Der Tauchplatz ist ca. 300 m vom Seeufer entfernt, das Echolot zeigt 140 m Wassertiefe. Ideal für das Vorhaben. Das Boot der Sicherungstaucher, und ein Schnellboot eigens für Zuschauer und Presse treffen ein. Das akribisch vermessene Führungsseil wird ins Wasser gelassen, und mit einem Gewicht im See versenkt.

Am Gewicht befinden sich vier Plaketten, mit den Unterschriften der Jury. Eine davon muss Benjamin Franz mit an die Oberfläche bringen, um zu beweisen das er die Rekordtiefe erreicht hat.

Nach zwei Trainingstauchgängen in -20m Tiefe ist es soweit. Auf ein Signal hin tauchen die Sicherungstaucher und Unterwasserfilmer am Seil ab, um den Freitaucher zu beobachten. Die Motoren der Boote werden abgestellt. Der Lärm würde die Konzentration stören. nach einem vermeintlich letzten Atemzug beginnt Franz schluckartig seine Lunge zusätzlich mit Luft zu füllen, so das der Einatemvorgang fast 30 sec dauert. Bisher auf dem Rücken im Wasser liegend, dreht er sich nun um und taucht ab. Das erste Team der Sicherungstaucher passiert er in 35 m Tiefe. Die Wassertemperatur beträgt ab da nur mehr 4 Grad. In fast 55 m Tiefe wartet ein zweites Team zusammen mit einem Kameramann. Weil die Lunge bei zunehmender Tiefe zusammengedrückt wird und somit der Auftrieb des Tauchers abnimmt, wird Benjamin immer schneller. Nach 1 min ist er am Ziel in – 66 m Tiefe. Sofort beginnt er mit dem Aufstieg. Zuschauer und Jury starren gebannt auf die Wasseroberfläche.

Als schließlich Benjamin nach 2 min 11 sec zurück an die Oberfläche gelangt, bricht Applaus los. Aber Benjamin muss erst mehrmals tief durchatmen, bis er die Plakette in der Hand hochreißt und losjubelt. Die Schiedsrichter vor Ort bestätigen den neuen Weltrekord.

-Die Firma Bausch & Lomb Kontaktlinsen und der Tauchartikelhersteller Mares unterstützen den Rekordjäger Benjamin Franz bei seinen Projekten und haben den Weltrekordversuch erst möglich gemacht.
-Die Tauchbasis Lorenc in Burgau war Trainingsstützpunkt und Ausgangsort des Rekordversuches.
-Der Tauchsportclub Plattling e.V. half wieder bei Vorbereitung und Sicherung des Tauchgangs.
-Dr. Urs Braumandl, Leiter der Druckkammer in Regensburg, übernahm das Notfallmanagement.