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Experimente im Tauchtopf

by Benjamin Franz (Text), Rainer Hoffmann (Fotos) 5.02

Freitaucher im U-Boot Trainings-Tauchturm.

Die Tauchmediziner Dr. Urs Braumandl aus Regensburg und Dr. Armin Kemmer aus Murnau reisten zusammen mit dem Rekord-Freitaucher Benjamin Franz nach Neustadt-Holstein, um im Tauchturm der Technischen Marineschule Untersuchungen am Extremtaucher Franz durchzuführen.

Der weltweit einzigartige Tauchturm der Marine in Neustadt-Holstein bei Lübeck, wurde gebaut damit U-Boot Besatzungen Notsituationen unter sicheren Bedingungen simulieren können. Am Grund des 36m tiefen Tauchturms befindet sich eine Ausstiegsluke wie sie auch an U-Booten vorhanden ist. Neben der Bundesmarine nutzen auch befreundete Nationen die Anlage um Rettungssysteme zu testen oder U-Bootbesatzungen zu trainieren.

Die warme Wassertemperatur im Tauchturm erlaubt es einem Freitaucher wie Benjamin Franz über Stunden hinweg Tauchversuche bis in die max. Tiefe durchzuführen. Ideale Vorraussetzungen also für das Ärzteteam gezielte Untersuchungen, die Aufschluss über die Vorgänge im Körper eines Freitauchers erbringen sollen, durchzuführen. Schon bei den Tauchversuchen unter Eis am Plansee haben Dr. Braumandl und Dr. Kemmer versucht die Herzfrequenz von Benjamin Franz und den Sauerstoffgehalt in seinem Blut während der Tauchgänge zu bestimmen. Beim erneuten Ansatz sollten nun noch mehr Daten gesammelt werden um die Aussagekraft der Ergebnisse zu verbessern.

Während das Mediziner-Team die Ausrüstung für das EKG und die geplante Blutanalyse vorbereitet hat, machte sich der Freitaucher mit dem Tauchturm vertraut. Benjamin Franz bereitet sich sein Wochen auf einen Weltrekordversuch im Roten Meer vor, so das er die max. Tauchturm Tiefe ohne Mühe erreichen kann.

Ob und wie weit die Hertzfrequenz bei Freitauchversuchen fällt sollte zu Beginn untersucht werden. Ein Tages-EKG Gerät der Firma SCHILLER wurde eigens für die Messungen am Extremtaucher Benjamin Franz in ein wasserdichtes und druckfestes Gehäuse verpackt.
Die EKG Sensoren wurden dem Probanden auf die Brust geklebt, das Gehäuse samt Aufzeichnungsgerät trug Franz bei den Tauchversuchen auf seinem Rücken. Ab- und Auftauchzeiten wurden von den Medizinern notiert, damit man nach den Versuchen die einzelnen Tauchgänge rekonstruieren kann. Benjamin Franz blieb teilweise mehr als 4min unter Wasser und verbrachte dabei 2-3 Minuten regungslos in 32m Tiefe.

Nach Abschluss der Herzfrequenzmessung wurde das EKG aus dem Gehäuse entnommen und die Daten auf ein Notebook überspielt. Nun stand das Entnehmen von Blutproben während der Tauchversuche auf dem Programm, um den Sauerstoffgehalt im Körper des Freitauchers bestimmen zu können. Dr. Armin Kemmer legte einen Zugang in die Arterie des rechten Armes von Benjamin Franz. Vier Spritzen in Reihe angeordnet und von schaltbaren Weichen getrennt, wurden am Unterarm von Franz befestigt.
Dr. Urs Braumandl (selbst passionierter Taucher) hatte in der Zwischenzeit sein Tauchgerät fertig gemacht um damit bis auf den Grund des Turms abzutauchen. Unmittelbar bevor der Freitaucher dann zum ersten Tauchgang ansetzte, wurde die erste Blutprobe noch an der Oberfläche entnommen. Benjamin Franz tauchte, wieder hinab und wurde von Dr. Braumandl am Grunde des Tauchturms bereits erwartet. Wieder lag er für mehrere Minuten regungslos in 32m Tiefe. Kurz bevor Franz mit dem Aufstieg zurück zur Wasseroberfläche begann, entnahm Dr. Braumandl die begehrte Blutprobe.

An der Wasseroberfläche angekommen wurde dann abschließend von Dr. Kemmer eine dritte Blutprobe entnommen. Die nummerierten Spritzen wurden sofort in das von BAYER zur Verfügung gestellte Analysegerät gegeben und ausgewertet. Dies wurde dann mehrmals wiederholt bis die fortgeschrittene Dehydrierung bei Benjamin Franz eine Blutabnahme unmöglich machte.

Dr. Urs Braumandl und Dr. Armin Kemmer werden nun in den kommenden Wochen die Ergebnisse interpretieren, und eine zuverlässige Bewertung erarbeiten.

Während der Trainingstauchgänge zum Weltrekordversuch im Roten Meer am 24. August, sollte das Unterwasser EKG noch weitere Male eingesetzt werden. Ziel ist es in Tiefen über -100m brauchbare Ergebnisse aufzuzeichnen. Doch dazu kam es nicht mehr...