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Im Training bis - 122 Meter: Benjamin Franz

Zwei Frauen tauchen in 100 m Tiefe, die Männer scheitern

Mit dabei auch Benjamin Franz aus Cham in der Oberpfalz

Vom 4. bis 18. Nov. 2000 war die karibischen Insel Aruba Schauplatz eines bisher einmaligen Tauch - Events. Der Kubaner Pipin Ferreras, lebende Legende der Freitauch-Szene, konnte den Tourismusverband und zahlreiche Sponsoren in Aruba für seine Idee begeistern, einige der bekannten Freitauchgrössen einzuladen.

Der Franzose Loic Leferme, mit -152m aktueller AIDA Worldcampion, Audrey Mestre mit -125m tiefste Frau der Welt, ebenfalls aus Frankreich, und Mandy-Rae Cruickshank aus Kanada standen auf der Wunschliste von Pipin Ferreras.

Auch mit dem Oberpfälzer Benjamin Franz nahm Pipin Kontakt auf. Der Deutsche Meister im Freitauchen konnte in diesem Jahr mit zwei Weltrekord-Tauchgängen auf -110m "No Limits" und -66m ohne Hilfsmittel im See, international auf sich aufmerksam machen. Franz sagte zu, und flog in Begleitung eines Kameramannes nach Aruba. Den fünf Freitauchern stand ein Katamaran zur Verfügung, um die täglichen Trainingstauchgänge zu absolvieren. Professionelle Mischgastaucher die auchbisherige Rekordversuche von Pipin begleiteten, sorgten für die nötige Sicherheit unter

Wasser. Drei Weltrekordmarken sollten nach zweiwöchigem Training verbessert werden . Doch nicht die Leistung des Einzelnen stand im Vordergrund.

No Limit im Tandemversuch ist eine neuartige Herausforderung. Zwei Athleten bereiten sich gemeinsam vor und werden von einem speziellem Tauchschlitten gemeinsam nach einem letzten Atemzug in die Tiefe gezogen. Der extreme Einzelsport wird so zum Teamwork.Jeder der fünf Freitaucher hat bereits Rekorde gebrochen, doch bisher nur alleine.

Dabei haben sich verschiedene Techniken entwickelt, die bei einem Tandemversuch unter einen Hut zu bringen sind. Die Atemvorbereitung muss abgestimmt werden, denn der letzte Atemzug erfolgt gleichzeitig. Hat der Eine Probleme und stoppt den Tauchgang, ist auch für den Anderen Schluss. Als gestecktes Ziel sollten Audrey Mestre und Mandy-Rae Cruickshank als erstes Frauenteam gemeinsam die -100m Marke erreichen.Pipin Ferreras wollte erst mit Benjamin Franz in -116m Tiefe hinab tauchen und einen Tag später mit Loic Leferme die -118m Marke erreichen. Franz musste also seine bisherige Bestmarke verbessern.

Da Freitauchgänge im warmen und klarem Meerwasser leichter fallen als im See, machte der Oberpfälzer schnell Fortschritte. Leider verschlechterte sich die Wetterlage um Aruba so, dass oft geplante Trainingstauchgänge, Wind und Wasserströmung zum Opfer fielen. Trotzdem gelingt Loic Leferme zusammen mit Benjamin Franz im abschließenden Training ein Tauchgang in -122m Tiefe. Nur eine Trainingsleistung, kein Weltrekord, aber der tiefste Tauchgang den zwei Freitaucher jemals zusammen absolviert haben.

So herrscht Zuversicht während der abendlichen Pressekonferenz, vor dem ersten Rekordtag.

Obwohl sich die Wind und Strömungsverhältnisse am Tauchplatz verschlechtert haben, erreichen Audrey Mestre und Mandy-Rae Cruickshank am 17. Nov. die -100m Marke.

Die angereisten Pressevertreter hatten auf einem eigens dafür vorbereiteten Boot die Möglichkeit den Tauchgang mit zu erleben. Da das Wetter keinen zweiten Versuch zuließen, wurde der für den selben Tag geplante Rekordversuch von Pipin und Franz auf den 2. und letzten Rekordtag verschoben. Doch auch am 18. Nov. hatte der Wettergott keine Nachsicht. Das am Tauchplatz auf dem Meeresgrund befestigte Ankerseil an dem bisher die Boote befestigt wurden, konnte nach langer Suche nicht gefunden werden. Pipin Ferreras beschloss nach Rücksprache mit allen Beteiligten die Boote treiben zu lassen, um Angesichts des angereisten Presseaufgebotes in jedem Fall einen Rekordversuch zu wagen.

Die Entscheidung viel auf die Kombination Pipin Ferreras - Loic Leferme. Die auf exakt -118m vermessene Leine wurde zusammen mit dem Schlitten zu Wasser gelassen.

Die Vorbereitung der beiden Rekordjäger lief wie die Tage zuvor, nur wurden sie von den anrollenden Wellen erheblich gestört. Pipin löste die Bremse des Tauchschlittens und beide verschwanden von der Wasseroberfläche. Nach 2 min tauchte Benjamin Franz zusammen mit einem weiteren Freitaucher am Führungsseil ab, um Pipin und Loic an die Wasseroberfläche zu begleiten.

Als der Hebesack mit den beiden aus dem Wasser schnellt bricht Beifall los, doch schon nach wenigen Sekunden ist es wieder still. Pipin Ferreras ist für ca. 20sec. ohnmächtig. Der Rekordversuch deshalb gescheitert.

In der max. Tiefe angekommen vergingen ca 20 sec. bis sich der Hebesack nur mit großem Kraftaufwand vom Tauchschlitten löste. Stress für beide Taucher, der den Sauerstoffverbrauch gewaltig erhöhte. Da es ein ähnliches Problem mit dem Hebesack bereits Tage zuvor bei einem Tauchversuch von Pipin und Benjamin Franz gab, wird nun erst die Verbindung von Hebesack und Tauchschlitten überarbeitet, bevor es weitere Tauchversuche mit dem Tandemschlitten gibt. Als möglicher Ort wurde Florida in der USA, Heimat von Pipin, für weitere Versuche ins Auge gefasst.

Der Franz Hiebl aus Mais hat Benjamin Franz als Kameramann nach Aruba begleitet, um den Event zu dokumentieren. Unterstützt wurde er dabei von der Firma Kappenberger, die eine Reservekamera zur Verfügung stellten. Der Tauchartikelhersteller Mares und die Firma Bausch&Lomb Kontaktlinsen haben das Projekt finanziell unterstützt.