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Heimo Hanke 101 Meter variabel

Fotos & Bericht Danja Klink solo agua (4.2000)

Auvernier am Neuenburger See, in der Schweiz, sollte zum zweiten Mal Schauplatz eines Weltrekordversuches von Heimo Hanke werden.Am 1. April 2000 traf sich das Team des CEAL (Centre d’Entraînement pour l’Apnée Lacustre – Center for freediving in lake) mit dem Weltrekordhalter zum Training. Ziel war es, wie in den Regeln von AIDA International gefordert, einen Tauchgang 5 m unterhalb der geplanten Rekordtiefe durchzuführen.

Am Vortag waren auf dem See noch 1 1/2 Meter hohe Wellen. Doch Mauro Zürcher, der Organisator und Chef der Truppe ist zuversichtlich. Der See hat sich beruhigt ... es ist nur kalt und bewölkt. Nicht gerade optimale Bedingungen, doch die Stimmung im Team ist positiv und die „Generalprobe“ kann beginnen.

Beim Briefing wird die gesamte Planung noch einmal durchgesprochen und verdeutlicht. Die Stimmung ist angespannt, doch jeder Vorgang ist klar definiert. Das Team weiß nun ganz genau, was es zu tun hat und jeder hat einen Ersatzmann, der im Bedarfsfall einspringen kann. Das gibt Ruhe und Sicherheit.

Der Schlitten ist zusammengebaut. Heimo führt einen letzten Check durch. Er ist sehr nervös. Rico Longobardi und Pascal Zahnd, beide Schiedsrichter von AIDA International vermessen das Seil für den Trainingstauchgang. Mauro Zürcher Organisator und Chef des Teams überprüft nochmals die Leine. Er leitet das Team. Er ist der ruhende Pol, er weiß immer, was jeder gerade macht.

Der See zeigt sich, wie schon im Herbst letzten Jahres, nicht von seiner schönsten Seite. Es weht ein kalter Wind. Die Boote machen geschützt hinter einem großen Kiesfrachter fest, der Mitten im See als Plattform verankert ist. Im Schutz des Frachters ist das Wasser ruhig genug. Alle packen mit an, auch die Helfer der Schweizer Wasserrettung, um die Schlittenanlage zu installieren.

Die Sicherungstaucher machen sich fertig. Sie werden auf Tiefen von 20, 40 und 60 Meter abtauchen. Die Strecke zwischen 60 und (96) 101 Meter muss Heimo alleine hinter sich bringen. Er hat sich inzwischen in die Kajüte zurückgezogen und konzentriert sich.

Dann kommt gegen 15.00 Uhr das Zeichen für Heimo, dass der Schlitten fertig zum Tauchen ist. Er geht ins Wasser, checkt die ganze Anlage und führt einen Testtauchgang auf 10 Meter durch. Alles ist in Ordnung. Nun geht es zügig voran. Denise Paris gibt das Zeichen für die Sicherungstaucher zum Abtauchen. Die Zeitmessung läuft. Heimo bekommt sein Zeichen zum Tauchen. Einige tiefe Atemzüge, dann löst er die Bremse und saust in die Tiefe. Alles läuft wie am Schnürchen. Die Zeit verrinnt....

Endlich taucht er wieder auf. Außer Atem, aber glücklich zeigt er dem Team, dass er es geschafft hat .... der Rekordtag kann kommen!

Am 8. April 2000 zeigt sich der Wettergott endlich einmal gnädig. Es ist kühl, aber der See liegt wie ein Spiegel vor uns. Beste Bedingungen für den Weltrekordversuch. Das Team trifft sich um 10 Uhr morgens. Alles läuft ab, wie am Samstag vorher geübt.

Das Seil wird noch einmal mit den Schiedsrichtern vermessen. Die komplette Anlage noch einmal gecheckt und die Videoanlage, die auf 103 m die Ankunft von Heimo in der Tiefe filmen soll, angebracht. Diese Tiefe erfordert bestes Material, nicht jedes Kameragehäuse kann diesen Druck aushalten. Doch Dank Marlin Tauchservice stehen zwei sehr gute Kameragehäuse zur Verfügung und die Lampen von FWT-Schulz werden das Ziel gut ausleuchten. Dies ist wichtig, denn ohne den Videobeweis wird ein Rekord nicht anerkannt.

Pünktlich steht ein letztes Briefing an. Ein letztes Mal wird alles durchgesprochen, Fragen geduldig beantwortet, dann geht es hinaus auf den See. Drei Boote stehen zur Verfügung um das gesamte Team, die Schiedsrichter, Zuschauer und die sehr zahlreich angereisten Journalisten auf den „Kieslaster“ zu bringen.

Die Schlittenanlage wird wieder mit vereinten Kräften aufgebaut. Ein Teil des Teams muss warten, bis alles installiert ist. Massimo und Claude versuchen sich auf dem Boot aufzuwärmen. Die zwei werden zusammen mit Peter Baumann (alle Schweiz) und mit Fred Buyle (Belgien) den Tauchgang von Heimo absichern.

Denise Paris ist für die Zeitmessung verantwortlich. Sie überwacht die abgesprochenen Zeiten. Bei jedem Rekord werden sogenannte „Zeitfenster“ festgelegt, damit die Dekompressionszeiten der Sicherungstaucher nicht zu hoch werden. Frederique Buyle wird Heimo die letzten 20 Meter beim Auftauchen begleiten. Er als Schiedsrichter, wird nicht nur absichern, sondern auch direkt mit Heimo auftauchen und überprüfen, ob er in guter Verfassung ist.

Gegen 12.30 Uhr ist es dann soweit. Heimo geht ins Wasser, macht wieder einen Probetauchgang auf 10 Meter. Dann das Startsignal. Er taucht ab, alle warten gespannt auf seine Wiederkehr. Alle Kameras richten sich auf die Pyramide. Hier muss er wieder auftauchen.

Doch dann, Heimo taucht auf. Viel zu früh! Entsetzte und fragende Gesichter! Alles ist in Ordnung, doch der Schlitten hat auf 64 Metern gestoppt. Warum? „Keine Ahnung! Ich weiß es nicht!“ . Alles bleibt völlig ruhig.

Ersteinmal müssen die Sicherungstaucher wieder an der Oberfläche sein. Sie tauchen auf, wenn das abgesprochene „Zeitfenster“ abgelaufen ist.

Nach kurzer Besprechung mit dem Team plant Mauro einen zweiten Versuch. Die „Ersatztaucher“ werden ausgestattet, Akkus und neue Bänder für die Kameras geholt. Doch noch ist nicht klar, ob ein zweites Mal gestartet werden kann, noch ist die Ursache des Stops nicht klar. Als alle wieder an der Oberfläche sind, wird das Führungsseil geborgen, der Fehler behoben. Es stellte sich heraus, dass ein Stopper beim Herablassen der Kameraanlage verrutscht war.

Mauro gibt die neue Startzeit bekannt. Zwei Stunden hat der Zwischenfall gekostet, doch die Laune aller ist so gut wie das Wetter! Die Journalisten und Zuschauer sonnen sich und das Team arbeitet ruhig und konzentriert an den Vorbereitungen.

Gegen 15 Uhr ist es dann soweit, es geht los! Die Journalisten begeben sich wieder auf ihre Positionen, die Kameras werden ausgerichtet und es herrscht totale Stille, alle verhalten sich automatisch völlig ruhig, um Heimo seine letzte Konzentrationsphase zu erleichtern. Jeder stellt sich die Frage, ob er diesen riesigen Druck eines Neustarts aushalten kann. Aber alle drücken ihm die Daumen.

Die Sicherungstaucher springen ins Wasser. Bevor er zur Schlittenanlage schwimmt, versucht sich Heimo noch einmal im Wasser zu entspannen. Der Hebesack am Schlitten wird geleert. Denise gibt das zweite Startsignal, die Sicherungstaucher begeben sich auf ihre abgesprochenen Tiefen. Dann das Startsignal für Heimo. Er atmet ein paar Mal kräftig durch, um dann den letzten tiefen Atemzug zu nehmen, dann löst er erneut die Bremse und taucht ab. Das lange Warten beginnt. Sekunden werden zur Ewigkeit. Einige beißen sich auf die Lippen vor

Spannung, andere halten sich krampfhaft am Boot fest. Das Adrenalin steigt auch bei den Zuschauern an. Die Zeitansagen von Denise kommen in monotonem Ton.

Fred Buyle begibt sich an das Führungsseil. Man spürt die Bewegung des Schlitten am Seil und an der Pyramide. „Touchez!!“ Fred hat gespürt, wie der Schlitten unten gestoppt hat. Ein Nicken von Mauro, die Zeit ist normal, alles scheint gut zu laufen. Die Zuschauer halten automatisch mit den Atem an. Jetzt beginnt der schwierige Aufstieg. Heimo zieht sich am Führungsseil nach oben. Auch dies merken die Sicherungstaucher an der Oberfläche. Denise gibt weiter die aktuelle Zeit an.

Dann das Zeichen für Fred Buyle abzutauchen. Freitauchend begibt sich Fred Buyle am Führungsseil auf 20 Meter und wird dort auf Heimo warten. Nach kurzer Zeit die Startsignale für die anderen Apnoeisten. Die Zuschauer halten es sitzend nicht mehr aus.

Das OK-Zeichen wird von den Sicherungstauchern an der Oberfläche gegeben. Sie können Heimo bereits sehen. Nach 3 Minuten 26 Sekunden taucht er mit einem Jubelschrei auf!! Völlig klar, kaum erschöpft, schießt er aus dem Wasser und hält sich an der Pyramide fest und reckt stolz die Plakette aus der Tiefe in die Höhe! Fast unerträgliche Spannung löst sich! Alle jubeln ihm zu! Fred Buyle gratuliert beeindruckt als erster. Er freut sich riesig mit seinem größten Konkurrenten! Noch im Wasser wird gefeiert. Heimo bedankt sich bei seinem Teamchef und dieser gratuliert ihm strahlend!

Das Unmögliche ist wahr geworden! Die riesige Belastung eines Zweitstarts hat Heimo Hanke als Profi gemeistert und den eigenen Rekord um 21 Meter verbessert und damit seine Konkurrenten in den Schatten gestellt!!! 42 Meter mehr in der schwierigeren Disziplin - das bedeutet, dass er mit dieser Tiefe in beiden Schlittendisziplinen seinen Weltrekord auf 101 Meter gesetzt hat! Nach dem Auftauchen der Sicherungsleute feiert das Team schon ausgiebig! Nur einer muss noch „arbeiten“. Heimo gibt Interviews am Telefon und nimmt weitere Gratulationen entgegen, bevor er sich dann dazu gesellen kann ... nach der offiziellen Gratulation durch Mauro, wird bis spät in die Nacht von allen ausgiebig und mit vielen Späßchen gefeiert!

Ein großes Team ist nötig um solch einen Rekordversuch durchzuführen.

28 Leute waren direkt beteiligt und ohne die Unterstützung der Sponsoren wie Bauer Kompressoren, BMW, Mares, IQ Company, UK Germany, FWT Schulz und Marlin Tauchservice ist so ein Rekord gar nicht möglich. Und schon gar nicht, ohne die vielen freiwilligen Helfer, wie z.B. die Schweizer Wasserrettung und die Bootseigner!

( Zitat Heimo Hanke: „ ... und das alles für mich?! Das kann ich den Leuten gar nie danken! Die sind alle wirklich klasse! Danke!)

Aufs “Altenteil” zieht sich Heimo Hank aber noch nicht zurück. Im August 2000 plant er 110 m NO LIMIT(Süsswasser), im Sommer 120 m NO LIMIT (im Meer) und etwa 120 m VARIABEL (“mal sehen”, wie er meint, den Weltrekord hält Umberto mit 115 m). Red. UWW