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Heimo Hanke 75 Meter

Das wäre am 12. September 1998 im Bodensee fast ins Auge gegangen. Schlechte Wetter- bedingungen hatten den Weltrekord-Versuch von Heimo Hanke im Süßwasser eine Tiefe von über 70 Metern zu erreichen, verhindert. In einer Tiefe von 60 Metern hatte sich der Schlitten, bedingt durch den Wellengang, fast überschlagen. Abbruch. - Neuer Anlauf, 17. April 1999, Wallhausen, Bodensee. Wenig Presse, kaum publiziert, fast ungewöhnlich zurückhaltend wird ein neuer Anlauf genommen. Die Wetterbedingungen sind günstig, schwieriger schon das notwendige Team um sich zu sammeln. (MG 4.99)

Das kennen wir alle. Kaltes Wasser, mit zunehmender Tiefe kriecht die Kälte durch den Anzug, das Licht verschwindet rasch, nur noch die Lichtfinger der Tauchhandlampen machen winzige Ausschnitte der Umgebung sichtbar, treffen sie auf eine reflektierende Oberfläche. Sonst ist alles schwarz. Ungemütlich. Vielleicht auch bedrückend oder sogar beängstigend. Je nach Tagesform. Gerätetauchgänge im heimischen Süßwasser sind ab 20 Meter Tiefe keine Spaziergänge mehr. Das muss man mögen. Etwas Phantasie gehört schon dazu, sich vorzustellen, daß in der Dunkelheit eines Süßwassertauchgangs in 30 Metern Tiefe etwas vorbeihuscht, von oben nach unten, ein Taucher, gezogen von einem Schlitten mit Seilführung, ohne Preßluftversorgung, nur im hautengen Halbtrockenen. Das ist
keine Fata Morgana, das ist Heimo Hanke. Im Wasser sei er zuhause, so sagt er. Bei der Apnoe WM in Sardinien 1998 konnte ich mich selbst davon überzeugen. Im,

genauer unter Wasser, das Gegenteil des Menschen, der er an Land so manchen irritiert. Doch das Ziel international Höchstleistungen zu erzielen, neue Maßstäbe zu setzen, fordert fast besondere Charaktäre, solche, die sich gegen das gleichmachende Einerlei der Gegenwart durchsetzen. Eben einmalig sind. Unbequem könnte man auch sagen. Der neue Anlauf hätte ein Stelldichein der Presse sein können, seriöse Tauchmagazine aber auch laufende Kameras der Sensationskanäle - Notruf aus 70 Meter Tiefe -. irgendwie kommt es anders. Der eigentlich lange vorher festgesetzte Termin eine Woche zuvor wird kurzfristig verworfen, ohne Angabe von Gründen. So kommen nicht einmal altgediente Recken aus dem Team zum Event, auch weil sie so schnell nicht umdisponieren können. Die Mannschaft bröckelt, der Sicherungstaucher aus Österreich, der in 90 Meter Tiefe den Endpunkt der Sicherungskette markieren soll, bleibt bei der Anreise am Abend davor im Stau stecken und muß umkehren, ohne die Crew zu treffen.
 
Frank Westermann, er betreut auch die Internetseite zum Tauchen im Bodensee, hat erstmals die Organisation des Rekordversuchs in Händen. Er ist vorsichtig. Er möchte den Ablauf besser organisiert wissen, als die im September 1998 durchgeführte Aktion, die trotz ungeeigneter Wetterverhältnisse dann in den Abendstunden doch noch irgendwie hatte versucht werden müssen. Seine umsichtige Planung, fast zu zurückhaltend der Öffentlichkeit gegenüber, soll ein Test sein, zukünftige Veranstaltungen optimal zu gestalten.
 
Die Rohrpyramide, die in ihrem Zentrum das senkrecht in die Tiefe weisende Führungsseil des Schlittens hält, ist an 4 Auftriebsköpern aufgehängt und dümpelt im graugrünen Wasser des Bodensee vor Wallhausen. Ein weiterer Auftriebskörper im Zentrum der Konstruktion erlaubt den Rekordsuchenden und Begleittaucher sich entspannt an der Wasseroberfläche zu halten. Über 70 Meter ist das gesteckte Ziel entfernt, über 70 Meter kalte und schwarze Einsamkeit. Neben den physischen Anforderungen kommen noch ganz besondere psychische Komponenten hinzu. Die offizielle Jury ist vor Ort, bereit Zeugnis über den Ausgang des Rekordversuchs abzulegen. Die Pyramide, der Schlitten, die letztlich doch verfügbare Sicherungsmannschaft, alles ist in Position und startklar. Gegen 14:00 Uhr ver- schwindet Heimo Hanke vom Gewicht des Schlittens gezogen im See. Die Trannsparenz des Wassers ist zu gering, um von der Wasseroberfläche aus den Weg auch nur ein Stück weit mit Blicken zu verfolgen.

Gespannte Stille.

Wie lang, wie tief, alles ist relativ. Heimo durchstößt die kalte Wasserfläche. Die Marke, das Zeichen des Erfolgs, zeigt die Zahl 75. Jubel. Nicht 75 Jahre, Anlaß für einen Geschenkkorb, 75 Meter, 75 Meter Wassertiefe hat er im Bodensee erreicht. Das ist einmalig. Weltrekord für Tauchgänge mit variablen Gewicht im Süßwasser.

Doch wir wissen, daß das ihn noch lange nicht ruhen läßt. Da will er doch einige andere extreme Apnoeleistungen versuchen. Vielleicht am Rande eines Eisbergs?