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haben. In “Poseidons Wiesen”, wie der Volksmund dieses Meeresbiotop nennt, wimmelt es vor Leben. Sogar die unechte Karrettschildkröte, Delphine und Pottwale mischen sich ins Unterwasserballett. Zu Recht hat Griechenland Gavdos und Gavdopoula in das Programm “Natura 2000” der Europäischen Union integriert.
Sollte dies etwa nur ein Papiertiger gewesen sein? 1998 verdichteten sich unglaublich klingende Gerüchte. Man erfuhr von Plänen, Gavdopoula in einen Container-Umladeplatz umzuwandeln: die etwa drei Kilometer lange und bis zu 131 Meter hohe Insel solle komplett auf eine einheitliche Höhe von fünf Metern abgetragen und mit einer Betondecke versehen werden. Auch die Nachbarinsel Gavdos werde nicht verschont. Dort sollte Platz geschaffen werden für Wohncontainer und Versorgungseinrichtungen für 400 Arbeiter. Schon begannen Bulldozer, siebeneinhalb Meter breite Straßen in die Berge von Gavdos zu walzen.
Kretischen Naturschützern gelang es, an die Planungsunterlagen heranzukommen. Schnell erkannten sie, daß dadurch nicht nur die Inseln selbst zerstört, sondern auch die gesamte Unterwasserwelt im weiten Umkreis Schaden leiden würde. Der Plan sah nämlich vor, mit dem abgetragenen Erdreich und Gestein im über fünfzig Meter tiefen Wasser rund um Gavdopoula Dämme aufzuschütten, um dahinter die Schiffe, ungestört von starkem Seegang, be- und entladen zu können. Auch die Reparatur und - möglicherweise - der Bau von Schiffen sollte da stattfinden. Bei Anlagen dieser Art und dieses Ausmaßes wäre mit erheblichen Verschmutzungen zu rechnen bis hin zur Südküste von Kreta - im übrigen nicht ohne negative wirtschaftliche Folgen für Tourismus und Fischerei.
Das griechische Umweltminsterium behauptete, von dem Vorhaben nichts zu wissen, obwohl bereits ein Brief der früheren griechischen Vizeumweltministerin Hinweise darauf enthielt. Da ging das “Ökologische Institut von Chania”, eine aktive private Naturschutzgruppe, auf die Barrikaden und wandte sich auch an Euronatur um Hilfe, damit der Protest über die Region hinaus gehört würde.
Euronatur informierte weitere Naturschutzgruppen, und Behörden in Griechenland und im übrigen Europa und startete in Deutschland eine Pressekampagne und eine Unterschriftensammlung. Am 12. Februar 1999 konnte Euronatur-Projektleiter Gerald Hau dem griechischen Umweltminister bei einer Pressekonferenz in Athen fast 15.000 Protestunterschriften überreichen. Die Journalisten spitzten die Ohren und baten nach dem Termin um ausführlichere Informationen. Schon in den nächsten Tagen berichteten mehrere große griechische Zeitungen und Zeitschriften ausführlich über das naturzerstörerische Vorhaben.
Am 18. März kam dann die Freudenbotschaft: Gavdos und Gavdopoula bleiben unangetastet! Die Nomarchia (ähnlich dem deutschen Landratsamt) von Chania, die auch die zuständige Behörde für Gavdos und Gavdopoula ist, hatte sich endlich offiziell und gründlich um die Angelegenheit gekümmert und nach Prüfung der Planungsunterlagen das gesamte Vorhaben definitiv abgelehnt. Damit wird es nicht nur Änderungen des Plans geben - nein, er ist trotz teurer Vorarbeiten gestorben - und die Tierwelt südlich von Kreta wird leben!
Diese Gefahr ist also gebannt. Doch heißt es weiterhin wachsam sein. Wo starke wirtschaftliche Interessen im Spiel sind, zieht die Natur leider allzu oft den Kürzeren. Nicht nur in Griechenland. Deshalb gilt es, engagierte Naturschützer zu unterstützen. Auch der Einsatz der Stiftung Europäisches Naturerbe für Gavdopoula war nur möglich durch die Hilfe ihrer Spender. Mit einer Delphin-Patenschaft können Sie zum Beispiel die gesamten Euronatur-Aktivitäten für den Schutz mariner Lebensräume im Mittelmeer unterstützen.
Ein Kleinkrieg geht übrigens weiter in den Gewässern von Gavdos. Dort wird nämlich manchmal mit Dynamit gefischt, obwohl das verboten ist. Und auch Harpunenfischer aus Italien kreuzen ab und zu auf. Euronatur berät gerade mit den kretischen Naturschützern, wie man dagegen wirkungsvoller vorgehen könnte. Mittelfristiges Ziel ist es, zur Bewahrung der vielfältigen Unterwasserflora und -fauna im Umkreis der Inseln ein Meeresschutzgebiet einzurichten, in dem Wale, Delphine, Meeresschildkröten und Mönchsrobben sicher und ungestört leben können.
Für die Naturschutzstiftung und ihre Partner geht die Arbeit also nicht aus, weder südlich von Kreta noch in anderen Projektregionen. Und bestimmt gilt es in den nächsten Monaten und Jahren noch manchen Naturschutzkrimi zu bestehen.
Stiftung Europäisches Naturerbe, Konstanzer Str. 22, 78315 Radolfzell, Tel. 07732-92720, Fax 07732-927222,
eMail: info@euronatur.org ; Internet: http://www.euronatur.org
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