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by MichaelGoldschmidt 1.99

Riesige Wälder unter Wasser, gebildet aus gigantischem Kelp, sie sind unser Ziel. Keine Tauchreise aus dem Pauschalangebot, das es für diese Destination auch nicht gibt. Nach Vorrecherchen über das Internet die Flugtickets bestellt, die Ausrüstung verpackt, so machten wir uns Ende Oktober auf den Weg in den Sonnenstaat an der Westküste der USA.
 
Los Angeles oder San Francisco, beide Flughäfen sind als Ausgangspunkt geeignet, ziehen sich doch die Unterwasser-Forste zwischen beiden Metropolen an der Küste entlang. Allerdings, je weiter man nach Süden kommt, umso spärlicher sind die Wuchsformen, weil die Wassertemperatur hier 2° - 3° Celsius höher liegt, als in unserem Zielgebiet von Monterey. Allerdings laden hier die Channel - Islands, der Küste vorgelagert, zu Trips von einem oder mehreren Tagen ein, inmitten dort eingerichteter Unterwasser-Naturparks. Wir hatten Los Angeles ausgesucht, auch um von dort aus einen Abstecher zur Bahia California zu machen. Die Grenze zu Mexiko liegt weniger als 100 Kilometer südlich, mit dem Mietwagen über den Highway und ohne großen Aufenthalt über die relativ offene Staatsgrenze bei San Diego nach Tijuana und weiter zu den Tauchgebieten dort, das war die Absicht. Doch dieser Traum scheiterte spontan an den Reglements der Autoverleiher, man darf keinesfalls mit einem amerikanischen Mietwagen nach Mexiko fahren, zu groß wäre die Gefahr eines Verlustes. Setzte man sich über diese strikte Anweisung hinweg, müßte man neben dem Verlust des Versicherungsschutz auch alle Schäden in voller Höhe selber tragen. Das steht nicht dafür und uns wird klar, daß die Bahia California und ihre Hammerhai-Schulen vorerst ohne uns auskommen müssen. Für einen erneuten Vorstoß in diese Richtung müßte man also direkt nach Mexiko einreisen oder in USA ein billiges altes Auto kaufen, das dann über die Grenze mitgenommen werden darf.
 
Nach Nordwesten zeigt die Kompaßnadel, der Highway Nummer zieht sich vor uns durch die Landschaft. Vorbei an Hollywood, in der Ferne grüßt der berühmte weiße Schriftzug zu unserer Rechten und entlang der steilen Hänge der
Santa Monica Mountains, die so oft Schauplatz dramatischer Großbrände sind, fahren wir im gemieteten Van über die teils vierspurige Piste. Nach ein paar weitläufigen Kurven sucht sich die Schnellstraße zwischen den Hängen den Weg hinunter auf Meereshöhe und hier sehen wir zum ersten Mal den Pazifik vor uns. Ein grandioses Bild der Weite und der Unendlichkeit hat sich aufgetan, gibt den Blick frei auf die Ebene und die nach Osten zurückgewichenen Höhenzüge. Wir genießen das Panorama, für uns das Sinnbild der Freiheit, und haben es nun doch nicht mehr so eilig die Strecke nach Monterey, von hier aus noch etwa 300 km, so schnell wie möglich hinter uns zu bringen. Auf den Straßen Amerikas rollt man, Hetze und Streß hinter dem Lenkrad bleiben den Taxifahrern in den Städten vorbehalten. Die Geschwindigkeit auf 55 Meilen vorgewählt, so gleiten wir vollautomatisch und klimatisiert durch die Landschaft, jetzt noch auf dem Highway 101, der uns zunächst nach Santa Barba führt. Vielleicht statt der Hammerhaie doch ein Abstecher zu den Channel Islands? Nicht umsonst wäre rund um die größten Inseln Santa Cruz und San Miguel sowie drei weitere kleinere Eilande ein Unterwasser-Nationalpark in der Karte eingezeichnet. Also beschließen wir einen Stop in diesem beliebten Ferienort einzulegen, auf der Suche nach einem Tauchshop, der unser Vorhaben unterstützen könnte, erste Begegnungen mit Kelp, Seelöwen, Seehunden und Seeottern zu haben. Hinweise auf Tauchexkursionen und Divecenter gibt es schließlich reichlich am Wegrand. Wir entscheiden uns spontan für das ANACAPA DIVE CENTER, 22 Anacapa Street (Tel.: 805-963-8917) und stehen so mit unseren Wünschen und Ideen vor Kathy Garber, einer der dort beschäftigten Tauchlehrerinnen. "Ja, im Prinzip ist der Trip zu den Channel Islands kein Problem. Gleich morgen um 5:00 geht das nächste Boot, da ist noch Platz. Aber, Jungs, ihr habt von Europa einen so weiten Trip hinter Euch, daß ich euch ehrlich sagen muß, ihr habt einen ungünstigen Reisetermin erwischt. El Nino ist dieses Jahr sehr ausgeprägt, die Wassertemperatur ist um 3° Celsius höher als normal, der Kelp ist fast verschwunden und die Sichtweiten sind nicht besonders." Wir tauschen unsere Blicke aus und können die Enttäuschung nicht verbergen. Aber wir sind Kathy dankbar, daß sie uns nicht den Trip aufschwatzte um schnelles Geld zu machen. "Aber, ich habe da eine Idee. Habt ihr seit der Ankunft in Californien schon einmal den Kopf unter Wasser gesteckt?" Kopfschütteln, unser ganzes Equipment ist noch knochentrocken. "O.k., dann machen wir etwas zum Eingewöhnen. An der Pier kann man interessante Tauchgänge machen. die so eine Mischung aus Höhlen- oder Grottentauchgängen sind. Da trifft man größere Fischschwärme im Schutz der Dunkelheit und besonders farbenprächtige Nacktschnecken. Habt ihr Lust?" Diesmal kommt das O.k von unserer Seite und wir verabreden uns für den kommenden Vormittag um mit Kathy die Unterwelt der Pier von Santa Barbara zu erkunden. Die Zeit brauchen wir, um uns ein gemütliches Motel zu suchen und Kathy, um die Genehmigung von der Hafenbehörde zu bekommen. Vorher machen wir aber noch einen Abstecher zur Pier, denn wir hatten ja keine Vorstellung, wie der Tauchplatz aussehen könnte. Wir staunen nicht schlecht, als wir den Van schließlich auf der aus Holz erbauten Pier abstellen. Kein schmaler Steg nach Art des Starnberger Sees sondern bald 250 Meter lang, bis zu 40 Meter breit und bebaut mit Schnellrestaurants, Läden und einem kleinen Aquarium. Die Holzbohlen sind nahtlos verlegt, so daß kein Sonnenstrahl in das Wasser unter unseren Füßen gelangen kann. Ein paar Mal in der Stunde landen größere Ausflugsboote oder legen mit neuen Passagieren ab. Geschäftiges Treiben rund um uns. Nachdem Kathy keinerlei Zweifel aufkommen ließ, die Tauchgenehmigung zu bekommen, vergleichen wir die Situation hier mit den engen Reglements in Deutschland. An einem ähnlichen Ort würden wir da niemals als Privatpersonen tauchen dürfen.
 
Vor der Herbergssuche statten wir dem Aquarium noch einen Besuch ab, das in 10 Minuten locker zu durchstreifen ist. In einem kleinen Becken entdecken wir zwei Garibaldi, leuchtend orangerote Fische, sozusagen die Nationalfische des Kelpgürtels und der Channel Islands. Noch ahnen wir nicht, daß auch zukünftige Begegnungen mit ihm stets durch eine Glasscheibe getrennt erfolgen sollten...

Pünktlich um 10:00 Uhr treffen wir Kathy im Shop, übernehmen die Tanks und fahren mit ihr zur Pier. Natürlich gibt es eine Genehmigung und Kathy trifft einen Uniformierten inklusive 9 mm Revolver, der uns die Einstiegstelle zeigt: Eine senkrechte Eisenleiter, etwa 4 Meter über der Wasseroberfläche. In beschaulich langer Dühnung rollt das grünliche Meer an die Küste, hebt und senkt die festgemachten Boote. Ohne von den vielen Touristen als Attraktion beachtet zu werden, in Old-Germany hätten wir schon eine dichte Traube Neugieriger um uns, rödeln wir auf. Die senkrechte Leiter hinunter, die Flossen in der Hand und mit heftig zerrender Preßluftflasche auf dem Rücken, ist das garnicht so einfach. Am Seil folgt die Videoausrüstung, über Wasser gut 20 kg schwer.
 
Erster Tauchgang im Pazifik, Alutank statt Stahl, es hätte doch ein Kilo Blei mehr sein dürfen. Und die Dühnung. Harmlos aber doch mit größerem Hub, etwa jede dritte Welle deutlich stärker als die anderen. Die Sichtweite ist "süßwasserartig" mäßig, unter der Pier verschwindet auf kurzem Weg jedes Tageslicht. Kathy voran entscheiden wir uns zunächst unter der Pier in deren rabenschwarze Unterwelt einzudringen. Die dicken Holzpylone, auf denen die Pier ruht, sind dicht mit Muscheln und Algen bewachsen, darauf sitzen große Seesterne, die leuchtend rot, blau, gelb und orange gefärbt sind. Nur mühsam entreißen die Filmscheinwerfer mit 2x 150 Watt eng begrenzte Räume der Dunkelheit. Silberne Fischleiber blitzen auf, wir haben einen Schwarm entdeckt, der im Schutz der Pier, im nur 4-5 Meter tiefen Wasser, ein Zuhause gefunden habt. Auf und ab, das Filmen ist Schwerstarbeit, denn trotz aller Problematik der Gegebenheiten sollen ruhige Bilder produziert werden. Im Lichtkegel winken träge weiße Fetzen, eindeutige weiße Fetzen, wir machen einen großen Bogen um die wenig appetitliche Lagerstätte. Mit den großen Totalen wird es hier und heute nichts, Kathy sucht nach den versprochenen Nacktschnecken und vielleicht ist auch ein Pulpo zu entdecken. Vor uns signalsiert Kathy etwas gefunden zu haben, für das Kameraauge. Strahlend weiß und gelb gestreift bietet sich eine Nacktkiemenschnecke als Motiv an. Ab jetzt geht es nur so ab mit den farbenprächtigen Einblicken in die Fauna und Flora des Tauchplatzes. Direkt über uns werden Muschelsuppen in Styropor-Tassen verkauft, hier, um uns herum entdecken wir ein kleines Naturschauspiel nach dem anderen. Nur 9 (Höhen-)Meter getrennt sind wohl die gegensätzlichsten Welten, die man sich vorstellen kann. Wieder blinkt unser Guide, diesmal auf eine winzige lila Fadenschnecke, die im bewegten Algenvorhang eines Pylonen hin- und herschwingt. Die Kamera muß im gleichen Rhythmus mitziehen um das Motiv stabil im Bild zu halten. Das kostet Kraft und fordert absolute Konzentration. Nach einigen Minuten ist die Szenenfolge auf dem Tape und schon hat Kathy die nächste Aufgabe parat. Ein Pulpobaby, nur wenige Zentimeter groß, sitzt in einer wassergefluteten Colaflasche. Dieses Domizil muß Baby unter heftigem Farbwechsel aufgeben und für die Kamera eine neue Bleibe suchen. Das Tarnen beherrscht klein Pulpo schon wie ein alter, es macht Spaß seinen Weg für die Kamera zu verfolgen. Trotz 18° Wassertemperatur und gut sitzendem Halbtrockenen, wird es nach einer Stunde langsam kühl. Die Akkus der Scheinwerfer und des Camcorders sind auch ziemlich leer, wir kehren zur Eisenleiter zurück. Senkrecht nach oben, zusätzliches Gewicht durch das Wasser im Anzug und dem Jacket, diese 4 Meter wirken wie 40 Meter und es dauert, bis endlich ein Fuß auf der Pier steht. Die Ausrüstung stapelt sich rasch im Van, im Anzug fahren wir die kurze Strecke zum Shop und duschen uns und das Equipment, bis alles Salz abgewaschen ist. "Was kostet der Tauchgang und die Genehmigung?" Kathy winkt ab, die Genehmigung ist gratis, die Tauchgänge kosten inklusiv Guide, Luft und Blei rund 50 $. Das ist ein fairer Preis.
 
Der Highway 101 bringt uns aus Santa Barbara entlang der Küste weiter in Richtung Monterey. In Las Cruces entscheiden wir uns dafür den Highway zu verlassen und die Staatsstraße Nummer 1 zu nehmen, die uns am laufenden Band die Highlights atemberaubender Natur vor Augen führt. Links der Pazifik mit den typischen langen Wogen und wild schäumender Gischt, treffen die Wassermassen auf die der Steilküste vorgelagerten Naturbollwerke aus schroffem Fels, rechts die immer näher an die Straße heranrückenden Flanken des Küstengebirges. Ab Morro Bay ist über viele Meilen die Straße durch Sprengungen dem Fels abgetrotzt worden, hängt man mit dem Wagen fast zwischen Himmel und Erde, türmt sich das Küstengebirge mehr als 1500 Meter hoch. Die Entscheidung diese wenn auch langsamere Strecke zu wählen. war goldrichtig, gibt es einen Vorgeschmack auf die Vielfalt unbeschreiblicher Naturschauspiele in unmittelbarer Nähe zu Monterey. Im Niemandsland zwischen San Simeon und Lucia öffnet sich hinter Flächen struppiger Wiesen eine weitgeschwungene Sandbucht. Hier liegen eine Unmenge glattgewaschener und sandbedeckter Felsblöcke am Strand. Wir kommen näher und erkennen unseren Irrtum. Es sind keine Felsblöcke, es ist eine riesige Herde von Seelöwen, die schlafend in der Bucht liegen. Anhalten, herausspringen, die Kamera fertig machen sind eins. Wir sind allein und somit die einzigen, die sich hier weit und breit für das Phänomen interessieren. Der Anmarsch über die Wiese erfolgt zunächst verhalten, wir wollen die Tiere nicht aufschrecken. Wir erkennen nur zwei, drei Paare, die sich in Ufernähe mit Imponiergehabe produzieren, sonst sieht man nur vereinzelt eine Brustflosse Sand aufschaufeln und über den Körper werfen. Sicherheitshalber die ersten Einstellungen mit langer Brennweite von Stativ gedreht, dann kann die Annäherung gewagt werden. Kurze Zeit später stehe ich inmitten der lethargischen Kolonie. Nah- und Großaufnahmen aus der Hand gedreht, eindrucksvolle Bilder werde ich nach Hause bringen. Warum kümmern sich die Tiere nicht um mich? Ist das normal? Sind sie krank? Vereinzelt sehe ich wässriges Sekret aus den Nasenlöchern austreten, bin aber nicht in der Lage zweifelsfrei zu sagen, ob das, was wir hier erleben, normal oder auffällig ist.

Nachdenklich sitzen wir im Wagen und beschließen, diese Fragen baldmöglichst zu recherchieren. Wir nähern uns Carmel, einem beliebten Urlaubsort ein paar Meilen vor der südlichen Stadtgrenze von Monterey. Wir beschließen hier ein taucherfreundliches Motel zu suchen, also ebenerdige Zimmer, kurzer Weg vom Auto zur Zimmertür und geräumiges Badezimmer für das Equipment. Für die Tage während der Woche wäre es kein Problem Zimmer zu bekommen, die Wochenenden bereiten Schwierigkeiten. Da ist offenbar in der Gegend der Teufel los und so kosten die Zimmer dann auch gleich 30 $ mehr. Schließlich finden wir doch noch ein Motel, das uns die letzten beiden Zimmer für mindestens eine Woche vermietet, zum mittleren Preis von etwa 120 $ die Nacht.

Der erste Abstecher nach Monterey erweckt Erinnerungen. Zwei Jahre zuvor war ich auch schon einmal hier, für eine
Nacht. Jetzt, bei Tag sieht alles im alten Kern wesentlich eindrucksvoller aus. Viele Gebäude verbergen nicht den Einfluß spanischer und mexikanischer Architektur. Die Stadt war sogar die erste Hauptstadt Kaliforniens und der wichtigste Fischereihafen für den Sardinenfang. Die berühmte Cannery Row war Zentrum der Sardinen verarbeitenden Industrie. Hier wurden die Fische schließlich in Dosen verpackt und weltweit verkauft. Nach dem Zusammenbruch des Sardinenfischfangs vor Ort beherbergen die alten Gemäuer heute Hotels, Galerien, unzählige Shops, Tauchzentren und das weltberühmte Montery Bay Aqurium.
 
Diesem Aquarium gilt unser erstes Interesse. Wir treffen Mimy, eine Mitarbeiterin der Presseabteilung. Von Europa aus hatten wir uns schon angekündigt und wurden erwartet. Sie führt uns durch die beeindruckend eingerichteten Räume, die lediglich Fauna und Flora zeigen, die unmittelbar vor dem Aquarium angetroffen wird. Pflanzen, niedere Tiere, Fische, Säuger - außer Seelöwen und Seehunden ist alles vertreten, sogar Seeotter, über 570 Tierarten. In einem etwa 10 Meter hohen Becken (Web-Kamera), dessen Vorderseite aus Acrylfenstern besteht, wächst haushoher Kelp dem Tageslicht entgegen, füttern Taucher die Fische und erzählen dabei über ihre Arbeit ins Mikrofon der Vollgesichtsmaske. Staunend und gebannt verfolgen die Zuschauer im Halbdunkel der Halle die Aktion, ob der kleine Hai im Becken nicht doch noch in die Hand des Tauchers beißt. Und da treffen wir ihn wieder, Garibaldi, den Nationalfisch der Gegend. Tief beeindruckt uns der Giant-Kelp, der bis zu einem halben Meter pro Tag wachsen kann und Längen von 60 Metern erreicht. Luftgefüllte Schwimmkörper geben den Pflanzen den nötigen Auftrieb und in den unterschiedlichen Etagen siedelt sich auch entsprechend differenziertes Leben an.
 
Vorbei an unzähligen kleineren Becken mit Krebsen, Wachsrosen, Zylinderrosen, Algen und Muscheln, kommen wir zu einer großen Wasserfläche, die von Kindern und Erwachsenen umlagert ist. Immer wieder verschwinden Hände im Wasser, werden staunend oder kreischend wieder herausgezogen. Wir stehen am Rochen-Streichelbecken. Im flachen Wasser kann man die Tiere vorsichtig berühren, den Hautkontakt herstellen. Das ist spannend und für viele Besucher hier ein einmaliges Erlebnis. Das Aquarium beschäftigt im Publikumsbereich viele meist ältere freiwillige Helfer, die natürlich auch dafür sorgen, daß die Rochen nicht gequält werden. An dieser Stelle wird uns auch klar, daß das Monterey Bay Aquarium mehr als nur ein Wirtschaftsunternehmen ist, es ist auch Philosophie, die bei den freiwilligen Helfern deutlich spürbar wird. Es ist Anliegen das Leben im Meer verständlich zu machen und für die Problematik der als Abfallhalden mißbrauchten Meere zu sensibilisieren.

The Outer Bay heißt der zweite große Bereich, dem Leben in den tieferen Schichten vor Monterey gewidmet. Schon nahe der Küste fällt der Meeresboden auf über 3000 Meter Tiefe ab, ein anderer Lebensraum, als der der Kelpwälder. Über den Köpfen schwimmt im Eingangsbereich ein Sardinenschwarm in einer gläsernen Kuppel. Eingehüllt in Musik der CD "Jelly Music" von John Huling betritt man einen abgedunkelten Raum, der sein Licht nur aus den mystisch beleuchteten Quallenbecken bezieht. Staunend stehen wir vor der perfekten Inszenierung der Natur, beobachten wortlos den steten Wechsel von Formen und Bewegungen. Hier könnte man Stunden verbringen und sich nicht sattsehen.

Unbestritten das technische Highlight ist das Becken mit der weltgrößten Acrylscheibe aus einem Stück, die über 4 Meter hoch, 20 Meter lang und 35 Zentimeter dick ist. Hinter diesem gigantischen Fenster ziehen im magischen Blau der Tiefe ein Mondfisch und verschiedene Haie ihrer endlosen Wege. Mimy erzählt, daß der Besatz dieses Beckens sich nicht immer problemlos gestaltet, ein Mondfisch mußte vor einigen Wochen herausgenommen werden, ebenso einige Haie. Trotzdem überwältigt uns dieser Bereich des Aquariums außerordentlich.

Wir wähnen uns an der richtigen Stelle und recherchieren die Begegnung mit den Seelöwen nach. Das Ergebnis ist nicht ermutigend. Es könnte durchaus sein, so erfahren wir, daß wir auf eine Kolonie gestoßen sind, die durch Nahrungsmangel entkräftet ist und wahrscheinliche ihre Jungtiere nicht durchbringen wird. Das hängt konkret mit El Nino zusammen. Die höhere Wassertemperatur treibt die Sardinenschwärme, Hauptnahrungs-Grundlage der Seelowen, dazu sich in größere und somit kältere Tiefen zurückzuziehen. Dort sind sie für die Sealions nicht mehr erreichbar.

Damit wird uns endlich klar, wie drastisch nur 2° - 3° Celsius veränderte Wassertemperatur sich auswirken, daß dies das gesamte Gleichgewicht der Natur durcheinander bringt. Kein Kelp mehr bei den Channel Islands, verhungernde Seelöwen weiter nördlich. El Nino, ein Begriff wird für uns zur täglichen Vokabel, der bis vor wenigen Tagen noch keinerlei Bedeutung hatte.

Bei der Rückfahrt nach Carmel treffen wir an der Küstenstraße auf eine Gruppe von Leuten, die sich mit Kerzen und Ghetto-Blastern versammelt hat. Wir rollen langsam vorbei und hören Musik von John Denver. Hier muß also die Stelle sein, an der der beliebte Country-Musiker nicht ganz nüchtern mit seinem Flugzeug in den Kelp fiel . Den Absturz hatte er nicht überlebt.
 
Neuer Tag, neues Glück. Wir haben uns für das Monterey Bay Dive Center in der Cannery Row 225 (Tel.: 408-656-054) entschieden, hier wollen wir einen Guide anheuern sowie Flaschen und Blei anmieten. Die Wahl ist goldrichtig. Eine hilfsbereite und freundliche Crew betreut uns die nächsten Tage. Ben, der Guide weiß die besten Tauchplätze. Noch nirgends auf der Welt haben wir an einem Wochenende soviele in Neopren gehüllte Menschen auf der Straße spazieren sehen, wie hier, am Tauchplatz MacBee. Der große Parkplatz nahe dem Tauchshop ist voll belegt von Tauchern. "Ja," meint Ben, "heute ist ein großartiger Tag, das Meer ist ruhig, da kommen eine Menge Leute, um sich die Kelpwälder anzusehen oder am Seehund-Felsen, der verlängerten Mole, zu tauchen. Schönes Wetter ist hier allein keine Garantie für gute Tauchbedingungen. Ich hatte schon Tage, da war am Vormittag die Sicht mehr als 20 Meter weit, am Nachmittag knallte ich mit dem Kopf auf den Grund, weil nicht mehr die Hand vor Augen zu sehen war." Aufgetakelt und mit dem Videoequipment schwer beladen zählen wir schon bald zu den gleichen merkwürdigen Gestalten, die in hautengem Gummi über die Cannery Row schlurfen. Beschwerlich wird es aber erst am Strand. Der Sand ist megafein und findet durch jede Ritze Zugang zu ungewollten Bereichen. Schon jetzt steht fest, daß die Kameraausrüstung ab sofort doppelt aufwendig gepflegt werden muß, denn dieser feine Sand ist tödlich für Gehäuse und Lampen.

Lange Dünung, wieder ist etwa jede dritte Welle stärker, saugt am Sand unter den Füßen. Schnell ist man unterspült, gräbt das Meer die Beine ein. Lang darf man sich hier nicht im Flachwasser aufhalten, sonst steckt man fest. Rasch stülpen wir die Flossen über die Füßlinge und vereinbaren mit einem Begleiter bei unserer Rückkehr bereitzustehen, damit das Videoequipment, das den raschen Ausstieg behindert, in Empfang genommen wird.
 
Die ersten 100 Meter legen wir schnorchelnd zurück. Dann gibt uns Ben das Zeichen, daß wir an der richtigen Stelle seien und wir tauchen zwischen Kelppflanzen ab. Langsam sinken wir auf Tiefe. Bei 8 Metern erreichen wir den Grund, der hier jetzt rasch abfällt. Unsere mittlere Tauchtiefe pendelt sich bei 15 Metern ein, ideal für die Arbeit mit der Videokamera. Die Sonne blitzt zwischen den Kelpwedeln durch, eine zauberhafte Stimmung breitet sich aus, wenngleich die Sichtweite kaum mehr als 8 Meter zählt. Aber auch hier ist noch die Dünung zu spüren. Da heißt es mitzählen um die schwächeren Phasen abzupassen. Das ist besser fürs Bild und für den Kameramann etwas leichter zu handeln. In aller Ruhe inspizieren wir die Pflanzen dieses Unterwasser-Forstes. Auf den waagrecht ausgerichteten Blättern, so wird das Sonnenlicht zur Photosynthese optimal eingefangen, sitzen häufig Schnecken, die mit rauher Zunge das Blattwerk abhobeln. Die Blattoberfläche ist wellblechartig gefaltet, sodaß die Fläche zur Aufnahme von Licht und Nährstoffen vergrößert wird. Kleine Dornen an den Blatträndern sollen das Wasser verwirbeln und so die Nährstoffaufnahme weiter begünstigen. Dazwischen streben die gasgefüllten, tropfenförmigen Auftriebskörper nach oben, stabilisieren die Pflanze zusätzlich. Man schafft es kaum testweise einen dieser Schwimmkörper mit den Fingern zusammenzupressen. Wir finden einen abgestorbenen Kelpwedel und schneiden probehalber den Stengel und den Schwimmkörper durch. Das Ergebnis überrascht uns, das Pflanzenmaterial ist um die Hohlräume bis zu zwei Zentimeter dick.

Wir betrachten den Boden des Kelpwaldes etwas genauer. Mit hunderten starker Wurzeläste verankern sich die Pflanzen auf dem Felsgrund aus Granit und Schiefer, wobei der Durchmesser eines Wurzelstocks durchschnittlich leicht 50 Zentimeter mißt. Allerdings dient diesse Wurzelwerk lediglich zur Verankerung am Boden, die Nährstoffaufnahme erfolgt über die Blätter der gesamten Tangpflanze. Daneben wächst der Rottang mit seinen handflächenförmigen Blättern.Mehr als 400 Arten von Meerespflanzen sind in der Bucht von Monterey bestimmt worden, ein vielfältiges Leben also, das uns hier umgibt. Zu Füßen des Kelp leuchten in Spalten geschützt rote Seedalien und haben blauschimmernde Algen den Fels überzogen. Seesterne aller Farben und Formen verteilen sich auf dem Fels. So die Fledermaussterne, Sonnenblumensterne oder Lederseesterne, die entweder den Grund abweiden oder Muscheln und Schnecken verzehren. Nur hier und da zeigt sich ein scheuer Kelpbarsch, Garibaldi ist nicht dabei. Nur noch zwei, drei Meter unter der Oberfläche entfaltet sich der ganze Reiz aus Lichtspielen der Sonnenstrahlen, die zwischen den schmalen Ritzen im Kelpdach den Weg in die Tiefe finden. Es blinkt, schimmert, leuchtet und glänzt in unendlichen Variationen in Gold- und Ockertönen. Für das Auge und den Film sind das die schönsten Momente. Weniger schön ist der mühsame Rückweg, doch der Begleiter ist zur Stelle und das Videoequipment kommt als erstes sicher an Land.

Bei Cola und Sandwiches beraten wir, wo wir am Nachnittag tauchen könnten, dieser Tauchplatz scheint uns ersteinmal keine neuen Aspekte zu bringen außer den Seehundkolonien am Ende der Mole. Doch da müßten wir ohnehin zweimal tauchen, das ist also ein ganzer Tag für sich. Ben empfiehlt im nahen Natur-Reservat Point Lobos einen Tauchgang zu machen, man könne bequem über eine schmale betonierte Rampe ins Wasser, kein Sand, kein langer Anmarsch mit Gepäck. Außerdem ist diese Bucht so geschützt, daß bei den aktuellen Wetterbedingungen auf alle Fälle ein Tauchgang machbar sei. Das reizt. Wir machen uns auf den Weg. "Wie steht es mit dem Tauchplatz ~Monastery? Wir lasen im Internet, daß hier eine besonders gute Unterwasser-Landschaft zu finden ist?" "Wir können da gleich vorbeifahren," so Ben, "dann zeige ich Euch, was ihr wohl zu lesen vergessen habt!" Eine kurze Strecke später stehen wir am Strand von Monastery und verstehen, was Ben gemeint hatte. Hohe Wellen prallen auf das Ufer und die die Bucht eingrenzenden Felsen. "Tja, das ist sicher der schönste Tauchplatz, den man von Land aus erreichen kann, aber auch der schlimmste. Hier hat es schon Tote gegeben. Seht euch das an. Wir sind nur aus der schützenden Monterey-Bucht herausgefahren, schon sieht das Meer anders aus. Der Pazifik hier ist launisch. Klar, daß ihr bei den Bedingungen nicht ins Wasser geht, aber es kommt oft vor, daß die Leute bei absolut ruhigem Wasser abtauchen und innerhalb einer halben Stunde sieht es dann so aus!" Wie um seine Worte zu unterstreichen, tobt eine riesige Gischtwolke auf uns zu und wir ziehen uns in den Van zurück.

Die kleine Bucht im Reservat Point Lobos ist tatsächlich absolut geschützt und das Wasser liegt ruhig vor uns. Für 7 $ haben wir die Tauchgenehmigung am Eingang erstanden und können dafür die Süßwasserduschen am kleinen Parkplatz der Bucht benutzen. Während wir uns umziehen kommen Ranger mit ihrem Pickup vorbei. Hallo, wo kommt ihr her, gefällt es euch und habt ihr mal eine Hand frei?? Wir müssen ein paar Walknochen aufladen. - Erst da entdecken wir, daß einige riesige weißgraue Gebilde, die wir eher als Teile abgestorbener Bäume angesehen hätten, Walrippen und andere Skeletteile darstellen. Wir packen an, garnicht so leicht, die alten Knochen, die hier einmal angespült worden waren.

Abkühlung gibt es anschließend. Fast keine Dünung, ein angenehmer Tauchgang. Der Kelp-Forst empfängt uns schon nach wenigen Metern. Wir folgen ihm bis etwa 20 Metern Tiefe, kommen durch Zonen mit dünnen oder fehlendem Bewuch bis wir das bisher schönste Kelpgebiet erreichen. Neben dem riesigen Giant Kelp wächst auch der Bullkelp, der mit palmenartigen Blättern auf dem Grund steht, nur etwa einen bis eineinhalb Meter hoch. Niedere Tiere, Schnecken, Muscheln, Seesterne, das ist die Alternative zu den riesigen Algengewächsen. Wir streifen durch den Forst, entdecken immer neue Durchblicke und genießen den Waldspaziergang. Nur das Zwitschern vertrauter Vögel fehlt.

Wiir verabreden uns für den kommenden Tag, nachdem wir Ben am Shop abgeliefert haben. Dann müssen wir dringend zur Fisherman`s Wharf, der Magen hängt durch und wir wissen dort ein angenehmes Restaurant mit Fischspezialitäten, das Old Fisherman`s Grotto. Doch vorher statten wir den Seelöwen, die zu hunderten hier im Hafen unter den Stegen wohnen, einen Besuch ab. Am Ende der Wharf tummelt sich eine Gruppe auf einem für Touristen unzugänglichen Steg. Sie scheinen noch keine Ernährungsprobleme zu haben.

Der kommende Tag begrüßt uns mit obligatem Sonnenschein, doch die Fahrt nach Monterey offenbahrt die Wahrheit, die hinter Bens Worten lag. Wild donnert das Meer gegen den Strand und die auf Stelzen ins Wasser gebauten Gebäude. Tauchpause, unfreiwillig. Auch der nächste Tag bleibt für uns ein trockener Tag, doch die Bedingungen sollen sich morgen bessern. Im Shop rät man uns mit dem Boot mitzufahren, da in Strandnähe die Sicht erfahrungsgemäß nach diesen Tagen gleich null wären. Wir stimmen zu und verlassen am kommenden Tag um 9:00 den Hafen. Es geht in südlicher Richtung aus der Bucht von Monterey heraus, wir nehmen Kurs auf das Gebiet von Monastery. Sollten wir es vom Seeweg her schaffen? Kurz bevor wir das Tauchgebiet erreichen, kommt der Funkspruch der Coast-Guard: Ein Weißer Hai wurde gesichtet. Genau hier, genau da, wo wir tauchen wollten. Das heißt abdrehen, einen anderen Punkt ansteuern. Good bye, das war es dann wohl. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß wir uns in einer Zone bewegen, in der der Weiße Hai zuhause ist. Noch etwas weiter nördlich, bei San Francisco, ist die Population der Weißen besonders groß. Doch das Tauchgebiet, das wir ersatzweise ansteuern, ist auch nicht schlecht. Wir haben ruhiges Wasser und fantastische Sichtweiten, sicher bis 20 Meter. Diesmal tauchen wir auch etwas tiefer, bis 26 Meter. Extra dafür hat Ben für sich zwei Nitrox-Flaschen vorbereitet. Wir bleiben bei Preluft im Stahltank. Die Unterwasser-Landschaft ist eindrucksvoll, das sind die schönster Wälder bisher. Auch treffen wir auf erste Fischwärme, Blaubarsche, die unterhalb 10 Metern den Forst bewohnen. Tief reichen die Strahlenfinger der Sonne herab. Es gelingen die besten Aufnahmen, es hat sich gelohnt. Kurz vor Sonnenuntergang kehren wir in den Hafen zurück, dicht vorbei an der Mole, die von hunderten von Seehunden bewohnt werden. Diese wollen wir auch noch unter Wasser treffen und möchten das am kommenden Tag versuchen.

Diesmal ist der Anmarsch mit dem Schnorchel 300 Meter weit. Dann haben wir die Seehunde erreicht. Wir tauchen ab und warten. Die Sichtweiten sind sehr beschränkt, das macht die Unternehmung nicht einfacher. Wir hören ihr typisches Bellen, sehen sie aber nicht. Nur Schatten, die im grünen Wasser an uns vorbeiwischen. Geduld,Geduld und nocheinmal Geduld. Da kommen sie an uns heran, werden neugierig, verharren blitzartig vor uns, machen Kapriolen und verschwinden wieder. Das alles in wenigen Sekunden und ohne zu wissen, von wo sie kommen und wohin sie wieder verschwinden. Das ist harte Arbeit hinter der Kamera und so war es richtig zwei Tauchgänge hierfür einzuplanen. Fast wäre es kein zweiter Tauchgag mehr geworden, denn der Begleiter, der die Kameraausrüstung abnehmen sollte, war nicht da. Mit festgesaugten Beinen steckte ich im Sand, die dritte Welle packte mich und warf mich auf einen Felsen zu, der sich im Flachwasser erhob. Gerade noch kam ich über den Felsen, dahinter prallte ich in den Sand, der das Kaneragehäuse und die gesamte Ausrüstung blitzartig überzog. Das hieß ersteinmal Großreinigung für Mann und Material. Aber die Bilder von den Seelöwen haben wir bekommen.

"Wir hätten da noch einen Tauchplatz, mit vielen Seehunden," meint Ben. "Der Seal Rock am Seventeen Mile Drive könnte noch ein Motiv sein." So machen wir uns auf den Weg, diese malerische Straße auf der Suche nach dem genannten Punkt abzufahren. Hinter jeder Biegung eröffnen sich neue wundervolle Blicke auf die Landschaft und das Meer. Wieder ist die Gischt stellenweise so hoch, daß sie wie Nebel wirkt. Mit einem Tauchgang hier und heute wird es wohl nichts werden. Dann stehen wir am Ufer und beobachten zunächst Erdhörnchen, die zwischen dem losen Geröll herumtoben. Ja, da ist der Seehund - Felsen. Etwa 70 Meter vom Ufer entfernt und wild vom Meer umtost. Er ist von hunderten sonnenhungriger Seehunde belagert, ein Teil spielt in den Wellen. Der Felsen bietet zuwenig Fläche als Wellenbrecher, um zum Land hin das Meer zu beruhigen. Auch hier brauchen wir wirklich gute Bedingungen für einen gefahrlosen Tauchgang. So fahren wir nocheinmal nach Point Lobos und nehmen die Motive im Nahbereich verstärkt ins Visir. Dazu ist dieser Punkt auch wegen der geringen Dünung ideal.

Ein neuer Versuch am Seal Rock. Das Meer hat sich etwas beruhigt, wir können einen Versuch wagen. Das einzig Ungewisse auf dem Weg ins freie Wasser ist ein dicker Teppich aus abgerissenen Algen, der sich über Nacht am Strand angesammelt hat und in der Dünung hin- und herschwappt. Vorsichtig gehen wir rückwärts in die Algensuppe hinein. Der Sand saugt an den Beinen, die Algenblätter hängen sich an der Ausrüstung fest, nur mit kleinsten Schritten kommen wir voran. Die Brühe ist über einen halben Meter dick! Fast habe ich das freie Waser erreicht,da gibt mir Ben ein Zeichen, eine Flosse ist vom Fuß gerutscht. Ich mühe mich ab in seine Richtung zu kommen, nach der Flosse zu suchen. Es ist zwecklos. Was hier verschwindet, wird nie wieder gefunden. Wir müssen abbrechen. Vielleicht auch besser so, wer weiß, wie wir nach einem anstrengenden Tauchgang wieder durch die Sperre des Algenteppichs gekommen wären. So bleibt uns dieses Motiv versagt, denn auch die nächsten Tage bieten keine Chance hier ins Wasser zu kommen.

Doch wir sind nicht unzufrieden. Trotz der schwierigen Situation am Pazifik und der mit 17° Celsius um 2° höheren Wassertemperatur aufgrund des El Nino haben wir eindrucksvolle Bilder und Szenen eingefangen, die die Situation in den Kelpwäldern schildern. Sicherlich wären wir an anderen Destinationen, die als klassisches Tauchreiseziel ausgewiesen sind nicht nur 9 Mal im und unter Wasser gewesen, doch das spielt hier keine Rolle. Das Erlebnis in den Unterwasser-Forsten, dem größtenzusammenhängenden ökologischen Lebensraum Nordamerikas zu tauchen, das steht und stand im Vordergrund. Dazu der Besuch im Monterey Bay Aquarium, das sind Impressionen, die nur hier zu bekommen sind. Wer nie in den Kelpwälder getaucht ist, dem fehlt ein wesentliches Teil im großen Puzzle der Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Meer und Klima, die letztlich auch für uns alle von großer Wichtigkeit sind.

Ach ja, Garibaldi trafen wir tatsächlich nie in freier Natur.
 
Die beste Reisezeit ist im Herbst. Es sind Wassertemperaturen von etwa 13° Celsius zu erwarten. Die Stromversorgung erfolgt mit 110V bei 60 Hertz, Steckeradapter nicht vergessen. Meist kann bei Leihgeräten auf einen DIN-Int - Adapter verzichtet werden, da sich mittlerweile die Kombiventile durchgesetzt haben. Die Anforderungen der einzelnen Tauchgänge variieren mit den Tauchplätzen selbst. Auf alle Fälle in Kontakten mit örtlichen Tauchshops die Tauchziele vorbereiten, keine Warnungen in den Wind schlagen!

 
Web

http://pt-lobos.parks.state.ca.us./scuba/scuba.shtml
http://www.mbdc.to/
http://www.mbayaq.org/efc/efc_hp/hp_kelp_cam.asp
http://www.mbayaq.org/
http://outdoor.csumb.edu/maps.htm