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Südafrika: Auf der Suche nach dem Weißen Hai

by Eva & Horst Wiendl 1.99

Die Vorfreude, Ende letzten Jahres den offensichtlichen Urlaubs- renner 1998, das Land am Kap der guten Hoffnung, bereisen und vielleicht auch dem König der Meere - dem Weißen Hai - in die Augen blicken zu können, war nach einigen vergeblichen Buchungs- versuchen bei verschiedenen Airlines bereits im Juli etwas getrübt. “Hier South African Airlines, was kann ich für sie tun?“ - “Ich möchte im Oktober nach Kapstadt!“

Leises Gelächter war an der anderen Seite der Leitung zu hören. “Entschuldigen sie, habe ich etwas Falsches gesagt?“ - “Oh nein, tut mir leid, es war wirklich nicht persönlich gemeint. Aber ich habe langsam den Eindruck gewonnen, daß dieses Jahr fast jeder Deutsche nach Südafrika fliegen will. Sorry, aber wir sind seit geraumer Zeit total ausgebucht und es ist uns schon fast peinlich, immer wieder Absagen erteilen zu müssen. Aber ich habe da noch zwei Stornierungen offen, allerdings in der oberen Preisklasse so ab 2.800 DM. Soll ich sie einbuchen?“ “ Nein danke, das ist uns Südafrika und der Weiße Hai doch nicht wert, für dieses Geld fliegen wir lieber auf die Malediven.“ Die Erkenntnis: Mit den Flugreservierungen waren wir drei Monate vor Abflug leider schon viel zu spät dran. Aber die Urlaubsidee Südafrika und das Phänomen Weißer Hai ließen uns einfach nicht los. So klapperten wir weiter Airline für Airline ab. Ob Britisch Airways, Lufthansa oder Swissair, überall war der gleiche Spruch zu hören. “Tut uns leid, wir haben keine Plätze mehr nach Kapstadt frei!“ Nun waren die Reiseagenturen und Last Minute Reiseveranstalter an der Reihe und nach vielen vergeblichen Versuchen und Absagen hatte es dann doch noch geklappt. Der Traum 3 ½ Wochen Südafrika war endlich in erreichbare Nähe gerückt. Mit KLM von Frankfurt über Amsterdam und Johannesburg nach Kapstadt für knapp 2.000 DM pro Ticket war zwar kein Pappenstil, doch die Entscheidung war gefallen. Kapstadt wir kommen! Ein halbes Jahr früher hätten wir die Tickets für 1.200 DM bekommen können, doch die Zeit haben wir leider verpaßt. Wer zu spät kommt, den straft das Leben!

Natürlich wird niemand - oder doch ? - nur wegen des Weißen Haies nach Südafrika fliegen, denn dies allein würde dem weiten Land einfach nicht gerecht werden. Doch wer sich wie wir ausschließlich dem Western Cape widmen möchte und auch den Weißen Hai fest eingeplant hat, muß seinen Aufenthalt und die Terminplanung auf dieses Vorhaben abstimmen und die damit einhergehenden Nachteile der Ortspräsenz in Kauf nehmen, das heißt sich permanent in der Nähe des Weißen Haies aufhalten, wobei dies nicht allzu wörtlich genommen werden darf. Es kann nämlich nicht ausgeschlossen werden (angetroffene Wettersituation im Oktober/November 1998), daß mehrere Tage buchstäblich ins Wasser fallen, dann plötzlich ein herrlicher Tag die Ausfahrt zum Weißen Hai erlaubt und es dann wieder die nächsten Tage regnet oder fürchterlich vom Kap her bläst. Es soll aber hier schon bessere Jahre gegeben haben, so sagt man!
 
Nach einer alten Sage der Buschmänner lebte vor Urzeiten die Sonne auf der Erde und sie hatte ihre Heimat im Süden Afrikas. Bei der über Generationen hinweg überlieferten Wettersituation am Südzipfel von Afrika, mit ewigem Sonnenschein und tiefblauem Himmel, haben die alten Buschmänner wohl die Nennung der Jahreszeiten vergessen. Der Oktober am Kap ist für sonnenverwöhnte Urlauber nämlich nicht immer ganz lustig, doch ungeachtet der widrigen Wetterumstände hat dieser Landstrich seinen unver- gleichlichen und einmaligen Reiz. Auch wenn der Regen herniederprasselt, der Sturm das Meer peitscht und dicke Gischtnebel die Küste in eine geheimnisvolle Dunstglocke hüllen, kann der naturverbundene Reisen- de die tobenden Elemente ebenso geniesen wie die wenige Stunden später vom blauen Himmel herunter- stechende Sonne.
 
Der Reisende muß Vor- und Nachteile des unbeständigen südafrikanischen Frühlings gegeneinander abwägen und seine für sich persönlich optimale Reisezeit auswählen. Im Oktober 1998 waren die Auswahl an freien Zimmern in Hotels und B&B Häusern unerschöpflich, die Nationalstraßen (Linksverkehr!) im Western Cape wenig frequentiert, die Tagesemperaturen für Überlandfahrten und Besichtigungen recht angenehm und für Whalewatcher in Hermanus (Info’s Hermanus eMail: infoburo@hermanus.co.za ), dem Herzen der südafrikanischen Walroute, noch zahlreiche südliche Glattwale zu entdecken. Wer später im Jahr kommt, hat schon Probleme mit den Unterkünften, der Urlaubsverkehr verstopft die Straßen, die Ausflugsziele sind überlaufen und in Hermanus ist auch keine Walfluke mehr zu sehen!
 
Cage Diving
 
Die erste Adresse im Western Cape für Cage Diving mit dem Weißen Hai ist der Ort Gansbaii. Doch nicht an jedem Tag wird von Gansbaii aus nach Dyer Island gefahren, denn hier hat der Meeresgott Neptun ein gewichtiges Wort mitzureden. Ein telefonischer Kontakt zu ihm ist leider nicht möglich, aber ein Anruf bei White Shark Expeditons in Gansbaii bringt schnell Klarheit über die aktuelle Wettersituation. Morgens anrufen und in einer Stunde am Hafen sein, heißt die oberste Devise, denn am nächsten Tag kann Petrus schon wieder grollen und es wird nichts aus dem Rendevous mit dem Weißen Hai.
 
Sinnvollerweise ist es deshalb angebracht, sich einen zentralen Aufenthaltsort im Western Cape auszuwählen, von dem aus in kürzester Zeit Gansbaii angefahren werden kann, aber auch die touristisch interessanten Ziele im Western Cape relativ kurzfristig zu erreichen sind. Wie gesagt, ein kostbarer Urlaubstag darf bei wechselhaften Witterungsbedingungen und Ausfall des Weißen Haies nicht verlorengehen. Kapstadt )Website auf deutsch: www.kapstadt.co.za/gindex.htm selbst scheidet wegen der relativ großen Entfernung aus, das bringt nur unnötigen Streß, so wählten wir den Küstenbereich zwischen Kleinmond und Hermanus als festen Standort aus. Nur 46 Kilometer von Gansbaii entfernt liegt der Küstenort Hermanus, dort ist auch abends nicht der Hund begraben. Bekannt wurde Hermanus durch die jährlich wiederkehrenden südlichen Glattwale, die hier im Küstenbereich ihre Kälber zur Welt bringen. Die Walkerbay ist weltweit eine der besten oder präziser formuliert, die beste Whalewatch- ing-Adresse, die auch den mit dem Meer auf Kriegsfuß stehenden Reisenden die Garantie gibt, mit festem Boden unter den Füßen Wale ganz aus der Nähe zu beobachten. Doch auch beim Whalewatching heißt es Geduld haben, so kann eine Rundreise schon einen Terminkollaps bekommen, wenn einige Businsassen nicht von den vorgelagerten Felsen der Walkerbay zurückkehren, da gerade vor ihnen in nur 10 Meter Entfernung eine Walkuh mit ihrem Kalb spielt. Auch ist nicht sichergestellt, daß dann die Wale mit ihren Sprüngen beginnen oder ihre Fluken in den Wind halten, wenn gerade der Rundreisebus in Hermanus ankommt. Aber eines ist auch gewiß, ein guter Tag bei den Walen in Hermanus hilft schnell über die Enttäuschung hinweg, schon wieder einen Tag verbringen zu müssen ohne den Weißen Hai gesehen zu haben.
 
So werden die nächsten Tage von den frühmor- gendlichen Anrufe im Büro von White Shark Expe- ditions in Gansbaii be- stimmt. Als das Meer wieder einmal so richtig tobte und aus Gansbaii die altbekannte Meldung kam: “Heute ist es zu stürmisch, mal schauen wie es morgen aussieht,“ muß dies kein verlorener Tag sein, denn Kapstadt und das Western Cape warten darauf besucht zu werden.
 
Ausflugsziele
 
Für eine intensive Besichtigung Kapstadt’s und seiner umliegenden Regionen benötigt man wenigstens eine Woche Zeit; bei 3-4 Tagen kann man allerdings auch einen guten Überblick bekommen, doch kratzt man eigentlich nur die Oberfläche der Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten an. Ein Besuch von Kapstadt kann allerdings nur in guter Erinnerung bleiben, wenn das absolute Muß, der spektakuläre Tafelberg, frei von Wolken ist und er nicht, wie leider viel zu oft, seine berüchtigte weiße Mütze trägt. Dies ist das Leid vieler Pauschalurlauber, für die nur ein Tag in Kapstadt geplant ist und deren Rundreisebusse bereits ungeduldig warten, denn für den nächsten Tag steht schon die Garden Route auf dem Rundreiseprogramm oder der Flieger wartet für den Transfer nach Johannesburg zum Besuch des Krüger Nationalparks. Streß und Enttäuschung können da den Urlaub schon vermiesen. Doch gibt es aber kein Pardon und als Pauschalurlauber man muß ohne den Tafelberg gesehen zu haben Südafrika wieder den Rücken kehren. Vielleicht klappt

es ja beim nächsten Mal.
 
Da hatten wir es als Individualreisende schon besser, wir konnten unsere wenigen Chance nutzen und haben den Tafelberg so gesehen, wie wir ihn von den Postkarten her kannten. Doch auch hier geht es ohnen einen bereits für uns obligatorische Telefonanruf nicht: “Ist der Tafelberg heute frei?“ Wenn die Antwort “Ja“ lautet, diese Chance schnell nutzen und ab geht es nach Kapstadt und etwa zwei Stunden später kann man bereits mit der Seilbahn hoch auf dem Berg stehen. Unvergleichliche Eindrücke und ein tolles Panorama über die schönste Stadt Afrikas sind die Belohnung für diese spontane Entscheidung. Für den Rest des Tages bzw. für die nächsten Tage bieten sich weitere Ziele an, die auch besucht werden können, wenn der Himmel nicht immer nur strahlend blau ist: Stadtbesichtigung (historische Gebäude, Castle of Good Hope) - Nationaler Botanischer Garten Kirstenbosch (Website: www.nbi.ac.za ) - Tal von Constantia, Ursprung der südafrikanischen Weinindustrie- V&A Waterfront (Website: www.waterfront.co.za ) mit dem Two Ocean Aquarium an der V&A Waterfront (Website: www.aquarium.co.za ) - Kleine/Große Hafenrundfahrt oder Inselcruise zur Robbeninsel, auf der Präsident Mandela viele Jahre seines Lebens als Gefängnisinsasse verbracht hat.- Helikopterrundflug (15 - 60 min) von der V&A Waterfront, dazu CIVAIR Helicopters Website: www.civair.co.za oder Sport Helicopters (Website: www.sport-helicopters.co.za ) - Rundreise zur Kap Halbinsel (Küstenfahrt ab Hout Bay - Chapmans Peak - Cape Point Nationalpark Kap der guten Hoffnung - Simon’s Town - Fish Hoek - Muizenberg - Strandfontein über False Bay zurück nach Hermanus - 1 langer Tag), - Weinroute Franschhoek Paarl (Website: www.paarlwine.co.za ) - Stellenbosch - Somerset West über False Bay zurück nach Hermanus (1 Tag) - Betty’s Bay/Kleinmond (ca. 50 km von Hermanus) mit Wanderung im Nationalen Botanischen Garten “Harold Porter“ und Besuch des Stony Point mit seiner Pinguinkolonie (1/2 bis 1 Tag)
 
Tagesausflüge in nördlicher Richtung:* N2 - Caledon - Genadendal (älteste Missionsstation Südafrikas, Museum und historische Gebäude) - Greyton (historische Gebäude, The Post House) * N2 - Botriver - Villiersdorp - Worcester (Kleinblasie, das lebende Bauernhofmuseum) Tulbagh (historische Altstadt; ca. 60 km von WorcesterIn östlicher Richtung von Hermanus gibt es natürlich auch einiges zu sehen:* Auf dem Weg nach Gansbaii liegt der Küstenort De Kelders mit guten Möglichkeiten für Whalewatching vom Ufer aus und nur 9 km von Gansbaii entfernt steht der Leuchtturm von Danger Point, mit dem von den See- fahrern gefürchteten Birkenhead Riff - zurück nach Hermanus. (1/2 Tag)* N2 - Caledon - Napier - Bredasdorp (Schiffswrackmuseum!) - Warenhuiskrans (Arniston, historische Fischerhäuser) - Struisbaii - Kap Agulhas (Leuchtturm am südlichsten Punkt Afrikas) - zurück nach Hermanus (1 Tag)
 
Der erste Versuch
 
“Wie sieht es heute aus, geht es zum Weißen Hai?“ - “Ja, das Wetter ist zwar unbestimmt, aber im Moment sieht es hier ganz gut aus, wir wagen es, kommt rüber. Treffpunkt in einer Stunde am Fischerhafen von Kleinbaii.“ In weniger als einer Stunde stehen wir bereits am Kai, damit ja nicht das Schiff ohne uns abfährt. Reges Treiben herrscht im Hafen. Vom Fang zurückgekehrte Fischerboote drängeln sich an der Slipanlage und dies heißt für uns Touristen erstmal warten, denn der Fang muß in die Kühlhäuser. Dann ist es endlich soweit, unser Katamaran kann ins Wasser geschoben werden. Ein schönes Schiff! (Nähere Informationen über White Shark Expeditions siehe auf Website www.freedomafrica.com/sharkdiving ) Alle sind aufgeregt, ein junges Pärchen aus Schottland hat seine letzten Rands zusammengesucht um einmal in ihrem Leben den weißen Hai zu sehen, ein Ehepaar aus USA und drei Taucher aus Spanien werden auch noch mit uns hinausfahren. Aus den diversen Gesprächen ist zu entnehmen, daß keiner von ihnen sozusagen “Haigeil“ ist, es soll für sie ein ungefährliches Beobachten des Königs der Meere sein und in den Käfig will sowieso niemand von ihnen. So fahren wir dann in stiller Erwartung aus dem Hafen und in einer halben Stunde werden wir schon ein etwas mehr wissen. Wird überhaupt das Wetter halten und wie sieht das Meer 9 Seemeilen vor der Küste aus? Fragen, deren Antworten über Erfolg und Mißerfolg dieser Ausfahrt entscheiden. Die Überfahrt ist schon bedenklich unruhig und wir können nur hoffen, daß wir recht bald in den Schutz der beiden Felseninseln Seals und Dyer Island kommen und dort einen einen ruhigen Ankerplatz finden.
 
Am Ufer und auf den Felsen von Geyser Island tummeln sich hunderte von Pelzrobben (Seals), die lebende Beute des Weißen Hai’s. In langsamer Fahrt tuckern wir an der Felsenküste entlang. Idyllisches Familienleben auf harten Steinen und spielerische Ausgelassenheit zwischen den Kelpwäldern im Wasser.
 
Ahnen sie denn nicht, welche tödliche Gefahr für sie hier lauert? Uns bleibt die offensichtliche Gefahr nicht verborgen, verletzte und mit schweren Bißverletzungen dahinsiechende Seals entdecken wir am Ufer. Sie haben keine Überlebenschance mehr, denn zu groß sind ihre Verletzungen und zusätzliche Gefahren drohen ihnen aus der eigenen Kolonie. So stellt sich uns die Frage, wenn der Weiße Hai so gefräßig und wild ist und er blindwütig in alles beißt, was sich vor seinem Maul befindet, wieso konnten diese halbangefressenen und fast ausgebluteten Seals überhaupt lebend das Ufer erreichen? Steven Spielberg hat uns da sicherlich einen großen Bären aufgebunden und die abenteuerlichen Schilderungen von adrenalingeschockten Tauchern sind wohl auch nicht allgemeingültig für die natürliche Verhaltensweise des Weißen Haies in freier Wildbahn. Übrigens, wer kennt eigentlich noch nicht den Duft von Pelzrobben? Wenn nicht, man muß ihn sich unbedingt antun. Aber wohin flüchten, wenn der Wind direkt von Geyser Island über das Boot hinwegweht? Wer da nicht bereits von der rauhen Überfahrt angeschlagen ist, bekommt bei diesem penetranten Gestank nun das endgültige Startzeichen mit der eigenen “ Fischfütterung” zu beginnen. Der Skipper hat die Gefahr erkannt und unter Vollgas ergreift er für seine Kunden die Flucht.
 
Während der Suche nach einem ruhigen Ankerplatz, zieht der Katamaran bereits eine blutige Duftspur hinter sich her. In Leeseite von Dyer Island wird der Anker geworfen und eine köstliche Suppe aus Fisch und Meerwasser angerührt. Für uns eine übel stinkende breiige Masse aus zerstampften Fischleibern und für den Weißen Hai offen- sichtlich der Hinweis auf einen guten Hap- pen. Permanent fließt nun die Duftspur aus dem prall gefüllten Kunststoff-Faß ins Meer, in der Hoffnung, auf die empfindlichen Riechorgane eines Weißen Hais zu treffen. Und dann heißt es warten und warten. Eine Stunde, zwei Stunden vergehen. Nichts, keine Rückenflosse zeigt sich. Da müssen noch mehr Köder ausgelegt werden. Aus einer großen Kunststoffbox kommt ein respektabler Haikopf zum Vorschein

Eine Leine wird durch Maul und Kiemen gezogen, eine Boje befestigt und ins Meer geschleudert. Dazu werden noch ein paar Kilo undefinierbare Eingeweide dem Meer übergeben und wenn es jetzt nicht klappt, dann ist auch kein Weißer Hai in diesem Gebiet. Dann heißt es wieder warten und warten. Es bleibt nur die Hoffnung, daß das Wetter hält und die am Horizont aufsteigenden Wolken nicht zur Rückfahrt mahnen. Einige Touristen möchten aber doch lieber jetzt schon nach Hause. Warum? Das stundenlange Dümpeln in der langen Dühnung hat ihnen arg zugesetzt und der Wind hat sich schon wieder gedreht. Die Seals machen sich erneut bemerkbar und da bleibt selbst dem stärksten Seemann das Sandwich im Halse stecken. Da nützt es auch nicht viel, wenn man sein Taschentuch vor die Nase preßt. Nach fast vier Stunden hat auch die Bootsbesatzung eingesehen, daß es heute wohl nichts mehr wird und die Rückfahrt angetreten werden muß. Vielleicht klappt es morgen! Doch es kam ganz anders.
 
Natürlich gehört immer etwas Glück dazu, denn die Natur kann man eben auch nicht mit schmackhaften Ködern überlisten und nicht bei jeder Ausfahrt kann eine 100%ige Garantie gegeben werden. Es ist ebensowenig selbstverständlich, daß bei Dyers Island die Weißen Haie in Schlange schwimmen, um die ausgelegten Köder hereinzufallen. Es kann Stunden dauern und dabei die schönste Duftspur wirkungslos im Nichts treiben. Wer Glück hat, kann bereits bei seiner ersten Ausfahrt seine Begegnung haben oder er muß es mehrmals versuchen, vorausgesetzt, es geht finanziell zu machen. Die Chancen im Winter sollen aber wesentlich besser sein! Cagediving mit White Shark Expeditions kostete im letzten Oktober 800 Rand (1 Rand ca. 0,30 DM) und für Sharkwatching vom Boot aus 300 Rand. Kulanter Weise kann bei einem Fehlversuch eine zweite Ausfahrt kostenlos mitgemacht werden, wenn man noch in der Nähe ist.
 
Doch dies ist ja bei Südafrikareisenden nicht oft der Fall. Heute Kapstadt und schon morgen im Krüger Park, so sieht doch die Realität aus. Dann die Hiobsbotschaft: “Die nächsten Tage wird es hier in der Region um Kapstadt regnen, vergeßt den Weißen Hai, fahrt lieber für ein paar Tage an die Garden Route, das sind nur knapp 400 km, dort ist das Wetter sicherlich besser.“ So lautete die Wetterprognose der örtlichen Experten, die schon viele Jahre hier leben und genau wissen, daß für die nächsten Tage nichts Gutes von oben kommen würde.

Garden Route und Klein Karoo

Die Garden Route ist für einen ganzen Urlaub gut und sollte nicht als Notlösung angesehen werden. Das Nötigste wurde eingepackt und früh morgens starteten wir Richtung Nationalstraße 2 nach Caledon - Swellendam - Heidelberg (kein Fehler) - Riversdal - nach Mosselbay. Mosselbay (Website: www.gardenroute.net/mby/ ) ist mit dem Namen von Bartolomeu Diaz eng verbunden. Auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien ging er am 3. Februar 1488 in der Munro’s Bay vor Anker. Zahlreiche Museen am Munro’s Hook ( Interessant ist der Nachbau der Caravelle im Bartolomeu Dias Museum). - Der Outeniqua Choo Tjoe Train, täglich von George nach Knysna und zurück, läßt die Herzen nicht nur von Dampflokenthustiasten höher schlagen. (1 Tag)- Wilderness Nationalpark (gutes Wohnen in idyllischer Lage an den Lagunen!)- Lagune von Knysna- Plettenberg Bay. Der mondäne Badeort der Reichen wirkte allerdings im Oktober noch recht einsam. Kein Wunder, die Wassertemperatur lag bei nur 12°-14° Celsius. Im Sommer geht hier aber die Post ab! Ocean Adventures, meereskundliche Exkursionen (Website: www.plettbay.co.za/oceanadventures ) Sollte es wider erwarten bei der Flucht aus Hermanus auch in dieser Ecke einmal feucht werden, wissen hier die Wetterexperten, daß ein Tagesausflug in die Klein Karoo nach Outshoorn mit dem Besuch einer Straußenfarm auch diesen Tag retten kann. Und die Vorhersage war richtig, nach dem Überqueren der Wetterscheide Outeniquapaß erwartete uns ein strahlend blauer Himmel. Wer schon einmal in Outshoorn ist und sich an lebenden Straußen sattgesehen hat, der sollte es nicht versäumen, ein Straußensteak zu kosten. Zur Abrundung des Tagesausfluges lohnt sich auch der Besuch der nur 27 Kilometer entfernt von Outshoorn liegenden weltberühmten Tropfteinhöhlen - die Cango Caves. Sicherlich eines der beeindruckenden Highlight’s in dieser Region.

Die von uns in den 3 ½ Wochen besuchten Ziele im Bereich des Western Cape’s und der Garden Route erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da gibt es noch viel viel mehr in diesem weiten Land zu entdecken, wenn man Zeit hat. Sie sind auch nicht als flüchtiger Alternativen für witterungsbedingte Ausfälle der Exkursionen zum Weißen Hai zu sehen. Sie haben uns sehr viel mehr gegeben. Auch zum intensiven Nachdenken über die Situation und das wohl kaum lösbare Schicksal der farbigen Einwohner in diesem Lande wurden wir angeregt. Im Nachhinein können wir sogar sagen, daß wir Petrus für die paar Regentage eigentlich dankbar sein können, denn wir verstehen nun Südafrika besser.

Wenn jedoch das unweigerliche Urlaubsende langsam naht, die gewonnenen Eindrücke von Land und Leuten merklich von einer inneren Unruhe verdrängt werden und wir fast alles außer dem Weißen Hai gesehen haben, hieß es nach nach vier herrlichen Tagen an der Garden Route Abschied nehmen und über die N2 zurück nach Hermanus fahren, in der Hoffnung, daß sich dort das Wetter wieder beruhigt hat und es vielleicht doch noch mit dem Weißen Hai klappt.Doch die Witterungsverhältnisse hatten sich nicht gebessert, die ganze Fahrt über wurden wir von einem starken Regen begleitet. So ist halt das Wetter im südafrikanischen Frühling 1998, launisch und unbeständig

Der zweite und letzte Versuch

Zwei Tage vor dem Abflug kam für uns dann doch noch die zweite und absolut letzte Chance. Wiean jedem Tag stand das Tauchgepäck und die Videoausrüstung fertig gepackt im Hotelzimmer. Am frühen Morgen sah der Himmel ganz vielversprechend aus und der Wind hatte sich über Nacht fast gelegt. Doch das heißt an der stürmischsten Ecke der Welt überhaupt nichts. Hoffnung keimte ins uns auf.

......Fast eine Woche war seit unserem letzten erfolglosen Versuch vergangen und wir liegen mit dem Katamaran wieder erwartungsvoll vor Dyer Island und harren auf die erste Haiflosse. Heute scheinen die Bedingungen besser zu sein, sagt man uns, obwohl das Meer recht unruhig ist und der Käfig munter an der Wasseroberfläche herumtanzt. Alles ist gut vorbereitet und dann zeigt der Skipper plötzlich auf die Möwen, die sich schon geraume Zeit an den ausgelegten Ködern zu schaffen machen. Vorsorglich ziehe ich meinen Tauchanzug an, kontrolliere nochmal die Videokamera und warte gespannt, was da nun passiert oder auch nicht. Meine letzte Chance, denn übermorgen geht es zurück nach Deutschland.

Man muß es sich nur einreden und auch fest daran glauben, daß aus dem Möwengeschrei deutlich die Worte “Shark, Shark, Shark“ herauszuhören sind und auch an ihrer veränderte Verhaltensweise ist zu erkennen, daß da in 10 Meter Entfernung gleich irgend etwas passieren wird. Die Möwen müssen aus ihrer erhöhten Sicht etwas bemerkt haben. Doch nichts ist zu sehen, auch die geschulten Augen der Bootsbesatzung blicken gespannt in Richtung des Köders.
 
Als plötzlich die Möwen laut kreischend vom Köder ablassen ist er da, aber sein riesiges Maul beißt ins Leere. Er ist wieder einmal auf die üble Masche der Menschen hereingefallen, denn der Köder wurde ihm direkt vor der Nase weggerissen. Wir erkennen allerdings kein wildes, unkontrolliertes Beißen, sondern er nähert sich ganz vorsichtig dem Köder und nimmt anscheinend gelassen den ersten Blindversuch hin. So muß er notgedrungen eine Schleife drehen und merkt dabei garnicht, wie er langsam, Meter für Meter, in Richtung Boot gelockt wird. “Ab in den Käfig, wir haben ihn!“ Es ist schon ein Drahtseilakt für sich, bis man über die Reeling geklettert ist und erstmal auf der Oberkante des Käfigs zu stehen kommt. Nur ein Halteseil verhindert das Absinken der “Menschenreuse” und nur einen Schritt weiter außen gesetzt und der Käfig beginnt unweigerlich zu kippen. Keine erfeulichen Aussichten, denn nur wenige Meter versucht ein etwa 4 Meter langer Weißer Hai endlich den Köder zu schnappen. Da kann es nur heißen, schnell abtauchen, denn dort ist es sicherer.
 
Den Atemregler in den Mund gesteckt, die Videokamera in die Hand, Deckel zu und das war’s dann auch fürs Erste. Eine unruhige Behausung habe ich mir da ausgesucht, der Käfig dümpelt nervös an der Wasseroberfläche, schlägt regelmäßig an die Bordwand und das Halteseil zerrt unruhig im Rhythmus des schlingernden Bootes. Die Sicht ist denkbar schlecht, kein Wunder, denn nur zwei Meter neben mir hängt zwischen den beiden Schiffsschrauben ein Sack, aus dem mit jeder anrollenden Welle eine graue Lockmittel-Brühe entweicht, dazu kommen noch die un- zähligen Luftblasen, die vom Drahtgitter des Käfigs unter die Wasserobefläche gerissen werden und zuguterletzt blickt auch noch die Sonne genau ins Objektiv. Da paßt ja wieder einmal alles für “gute” Aufnahmen zusammen, denke ich mir. Schau’n wir mal, laß ihn erstmal kommen. -

Die Sicht beträgt jetzt vielleicht 4 bis 5 Meter, doch so angestrengt ich auch ins blaugraue Nichts schaue, keine große Schwanzspitze will sich zeigen. Die Fischsuppe hat jedoch hunderte von kleinen Fischen angelockt und das Wasser wird in diesem Gewusel immer undurchsichtiger. Die Minuten verrinnen, die Schnalle des überschweren Bleigurtes drückt mir kräftig in die Magengegend, doch ich brauche meine Hände zum Überleben. Die linke Hand fest in den Drahtkäfig gekrallt, den linken Fuß in die unterste Kafigmasche geschoben und die Zehen dabei hochgezogen und in der rechten Hand die Videokamera, versuche ich in dem schlingernden Käfig einigermaßen Haltung zu bewahren.

In dieser Situation kommt mir der Titel eines Reports über den Weißen Hai in Erinnerung, der vor nicht allzulanger Zeit in einem deutschen Tauchmagazin erschien “Ein Käfig voller Narren“ lautete er und ich stelle mir die Frage, was tust du eigentlich hier? Bist du auch verrückt? Deinem Magen geht es nicht gut, du wirst hier unten durchgeschüttelt und durchgerüttelt, das Wasser um dich ist ein stinkende Fischbrühe und trotzdem hälst du hier aus. Nur um einmal den WeißeJa und nochmals ja!!! Ich möchte ihn nur einmal sehen und auf den Videofilm bannen, mehr Wünsche habe ich doch nicht. Nach endlosen 30 Minuten zieht jemand von oben an meinem Atemregler und ich muß wohl oder übel nachschauen was da oben abgeht. “Wir haben ihn verloren, willst Du heraufkommen?“ “Nein, ich bleibe noch, es ist sowieso meine letzte Chance und die werde ich nutzen, auch wenn ich vielleicht selbst die Fische füttern muß.“Verdammt, sollte ich es nicht schaffen, nur einen kleinen Weißen Hai vor die Linse zu bekommen? Das darf doch nicht wahr sein und es war nicht wahr!

Da plötzlich hebt sich aus dem graugrünen Schleier ein dunkler Schatten ab, wird immer deutlicher und größer, es kann nur ein Weißer Hai sein. Mein Herz fängt vor Glück an zu springen, endlich haben sie ihn wieder an der Leine und die Kamera im Anschlag warte ich bis er noch näher kommt. Langsam und majestätisch kommt er direkt auf mich zu, immer schön den Köder auf Abstand vor dem Maul, so ist es richtig und dann Kamera ab und nur laufen lassen, denke ich mir.

Das große ultimative Abenteuer des Möchtegernmacho‘s, der abends am Biertisch den verängstigten Warm- duschern so richtig steckt, was ein richtiger Taucher mit dem Weißen Hai so anstellt, ist für mich angebrochen. Man muß es später nur richtig rüberbringen, dann fallen denen schon von selbst die Herzen in die Hosen und wenn dann zum x-ten Mal und in allen Einzelheiten der große Adrenalinkick beim Zungenkuss mit einer “Weißen Hai‘in“ geschildert wird, ist einem die grenzenlose Bewunderung gewiß.

Nichts da, alles nur Märchen und Steven Spielberg Hirngespinste! Der dicht vor schwimmende Weiße Hai hat sich vollkommen auf den Köder fixiert, er scheint mich im Käfig überhaupt nicht zu bemerken und 8 Meter hat er auch nicht, sondern höchstens 3-4 Meter. Und wer der Meinung ist, daß dieser plötzlich wie eine Rakete aus der Dunkelheit herangeschossen kommt und sich nun wie wild in den Köder verbeißt, der irrt gewaltig und hat ein völlig falsches Bild aus Hollywood im Kopf. Dieser Weiße Hai zieht bei jedem “Angriff“ ganz bedächtig heran, klappt kurz vor dem Biß zum Schutz seiner Augen die Nickhäute herunter und merkt, blind wie er nun ist, leider zu spät, daß er wieder einmal ins Leere gebissen hat. Doch seine Kiefer knallen nicht mit großer Wucht aufeinander, daß ihm die Zähne herausfallen sondern er scheint dieses Spiel gelassen hinzunehmen, dreht ab und verschwindet wieder aus meinem Blickfeld. Nach einer großen Schleife versucht er es wieder und wieder. Geduldig ist er schon und allen Haischützern kann ich nur sagen, diesem Weißen Hai passiert hier wirklich nichts Schlimmes und Schaden an Leib und Seele trägt er sicherlich auch nicht davon. Man muß halt einmal dieses Schauspiel miterlebt haben und dann kann man erst mitreden. Natürlich kommt er auch ganz nah an den Käfig heran und versucht irritiert sogar in eine der Schiffsschrauben zu beißen. Doch auch bei diesem kleinen Malheur hat er keinen einzigen Zahn verloren. Er wirkt bei seinen Beißversuchen keineswegs unkontrolliert und als Angriffe oder Attacken kann man seine Aktionen auch nicht ansehen.

Wenn er es dann doch einmal geschafft hat, den Köder zu erwischen und der böse Mensch fängt nun an am Seil zu ziehen, muß dies filmerisch nur gut umgesetzt werden und der wilde Weiße Hai ist geschaffen. Jeder Hund hält sein Stöckchen fest, doch dies sieht bei weitem nicht so spektakulär aus, wie ein wild um sich schlagender Weißer Hai. Noch Fragen? Ich hoffe für mich, daß dieses Katz- und Mausspiel noch lange dauert und der Akku meiner Videokamera zwischenzeitlich nicht den Geist aufgibt. Trotz der schlechten Wasserbedingungen ist das, was ich Life auf dem Monitor verfolge und hoffentlich auch so auf dem Videoband habe, vielversprechend, das lange Warten hat sich doch gelohnt.

Nach 60 Minuten im schlingernden Käfig ist mir so richtig übel und trotzdem geht es mir gut. Wer soll das noch verstehen. Die Faszination, die dieses Tieres auf mich ausübt, drängt meine schlechte Verfassung völlig in den Hintergrund, ich will die letzten Minuten nur noch genießen. Man sagte mir jedenfalls später, daß ich kreidebleich und völlig grau im Gesicht aus dem Käfig gestiegen bin und dabei aber gequält gelächelt hätte. Bei meinem Zustand war ein besseres Lächeln halt nicht mehr drin. Doch ungeachtet dessen, wäre ich nochmal in den Käfig gestiegen, aber die Zeit war leider schon zu weit fortgeschritten und am Horizont drohen bereits dicke Regenwolken. Auf der stürmischen Rückfahrt nach Kleinbaii bin ich meinen Gedanken immer noch unter Wasser.

Dieses Abenteuer hatte mich auch auf dem Rückflug von Kapstadt nach Frankfurt begleitet und heute, am 23. Dezember 1998, als ich die letzten Zeilen meines Berichtes in den Computer hämmere, hat er mich wieder gepackt- der Weiße Hai. Im Nachhinein kann ich nur sagen “Ich bin glücklich und froh, den Weißen Hai gesehen zu haben. Ich habe immer nur gehofft, hoffentlich kommt er nochmal und nochmal und nochmal. Der große Kick blieb bei mir jedenfalls aus und mir ist auch nichts den Rücken rauf und runter gelaufen. Das lange Warten und die große Geduld haben sich letztendlich doch noch bezahlt gemacht. Mit dem Weißen Hai habe ich das fehlende Glied der Filmkette mit den wichtigsten Meerestieren an der südafrikanischen Küste, mit Walen, Delphinen, Seelöwen und Pinguinen nun im Kasten und ich freue mich schon jetzt auf meine Filmproduktion. Die Begegnung mit dem Weißen Hai ist etwas besonderes im Taucherleben, obwohl Cage Diving ja überhaupt nichts mit Tauchen zu tun hat und deshalb wird man auch in meinem Logbuch vergeblich diesen Eintrag finden: Sonntag, 8. November 1998, Angriff eines 8 Meter langen Weißen Haies überstanden; gerade noch mit dem Leben davongekommen!
 
Abgesang

Was die Situation des Weißen Haies in Südafrika angeht, wurde und wird sehr viel Unsinniges und Widersprüchliches in den Medien verbreitet. Ich möchte gerne mit denen diskutieren, die ihn selbst hier vor Dyers Island erlebt haben und den Schreibtischtätern empfehlen, sich einmal vor Ort die Umstände, die zu seiner Gefährdung führen, anzuschauen. Nur ein einziger Besuch in einem kommerziellen Fischerhafen oder die Beobachtung eines vom Fang heimkehrenden Fischtrawlers würden ausreichen, die Meinung über die Gefahr des Cage Diving’s für den Weißen Hai zu relativieren. Was da aus den Bäuchen der Fischtrawler an Beifang zu Tage kommt, kann einem ein für alle mal den Fischbissen im Halse stecken lassen. Haie sämtlicher Arten und Größen, ideale Köder für den Weißen Hai, wenn man sie vor der Fischmehlverarbeitung noch schnell abzweigen kann, dazu erstickte Delphine und Schildkröten und manchmal auch ein Weißer Hai. Eine zu lange Todesliste für ein paar schmackhafte Fischfilets.

Natürlich wird auch noch die schnelle Mark bzw. der schnelle Rand mit den kostbaren Rücken- und Schwanzflossen der Beifänge erzielt und dieses attraktive Zubrot, läßt schon Gedanken aufkommen, dieses einträgliche Geschäft wegen des höheren Erlöses bei gleicher Arbeit doch einmal näher zu beleuchten und etwa die Fang- methoden darauf zu spezialisieren. Die Schreib- tischtierschützer können dem Weißen Hai nur wenig helfen, solange die kommerzielle Fischerei und die Hochseeangler hier ihr blutiges Handwerk betreiben. Was sich tagtäglich weltweit für Dramen auf den Meeren abspielen, wird von dem großen Mantel der unendlichen Weite zugedeckt und der heimliche Blick in einen Fischereihafen läßt nur die oberste Spitze dieses Elendes erkennen.

Ich selbst bin aber der festen Meinung, daß Cage Diving bei Dyer Island den in diesem Gebiet lebenden Weißen Haien keinesfalls Schaden zufügen. Natürlich ist es an einem König der Meere eine unwürdige Handlung, wenn ihm immer wieder das Futter vor der Nase weggezogen wird, aber nur ein paar hundert Meter weiter findet er ja bei Seals Island einen reichgedeckten Tisch. All die Menschen, nicht nur in Südafrika, die verdammt sind, in Krisengebieten oder Pulverfässern dieser Welt zu leben, die heute nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überleben sollen und im Netz von Arbeitslosigkeit und bitterer Armut zappeln, würden sicherlich gerne mit dem sicheren Zuhause des Weißen Haien bei Dyers Island tauschen, auch schon alleine wegen der Gewißheit, daß an den Tagen, an denen die Cage Diver auf dem Meer sind, sich kein Fischerboot und auch kein Hochseeangler in diesem Gebiet sehen läßt. Ist das nicht Schutz pur? Es wäre wohl an dieser Stelle leicht übertrieben nun zu empfehlen, das Cage Diving zu forcieren, damit der Weiße Hai besser geschützt wird, doch ein Quentchen Wahrheit ist da schon dabei. Es wäre müßig nun über die Delpinarien und Zoohandlungen, über Fuchs- und Vogeljagden, über Stierkämpfe und Kampfhunde-Abrichtungen zu referieren, wir kennen doch all diese wohl nicht lösbaren Probleme. Auch so manches Haustier führt bei uns ein unwürdiges Leben und einige Taucher sind auch noch begeisterte Seewasseraquarianer. Noch Fragen?

Unsere Empfehlung: Besuchen sie einmal Südafrika, vielleicht auch einmal den Weißen Hai bei Dyers Island. Gehen sie mit wachen Augen durch dieses Land, sprechen sie mit den Menschen, verschließen sie nicht die Augen vor dem, was sie unweigerlich sehen, und sie werden sehr schnell erkennen, daß die Probleme des Weißen Haies hier wohl sekundärer Art sind.